"Die Tettauer sind halt sturmerprobt." Mit diesen Worten begrüßte Bürgermeister Peter Ebertsch die - trotz Sturmtief Friederike - zahlreichen Besucher in der Tettauer Festhalle. Trotz schwieriger Haushaltlage leiste - so Ebertsch in seinem Rechenschaftsbericht - der Markt viele freiwillige Leistungen an seine Vereine und Organisationen. Eine Besonderheit sei das Begrüßungsgeld von 200 Euro für jedes Neugeborene und die Übernahme der ersten vier Monatsbeiträge im Kindergarten oder Hort, zusammen fast 1000 Euro. Dies sei auch den beiden Tettauer Stiftungen zu verdanken.

Der Marktgemeinderat habe sich für eine Erhöhung des Wasserpreises und der Abwassergebühren ausgesprochen, um die Bürger von Langenau und Schauberg nicht zur Subventionierung in den anderen Ortsteilen heranzuziehen. "Für mich zählt ein bezahlbarer Wasserpreis zu den entscheidenden Faktoren, der demografischen Entwicklung entgegenzuwirken", betonte Ebertsch. Ein weiterer Faktor ist die Infrastruktur. Mit der Verkehrsfreigabe der Straße von Schauberg nach Judenbach/Jagdshof habe man einen entscheidenden Erfolg erzielt. Zwecks Beseitigung der Engstelle in Sattelgrund werden alle drei Häuser im Sommer abgerissen - ebenso wie ein Haus in Alexanderhütte im Mündungsbereich der beiden Staatsstraßen. "Wir werden alles tun, um einen Radweg - im besten Falle vom Rennsteig bis Schauberg unter Einbezug von staatlichen Förderungen - zu bekommen", betonte er. Einzelne Abschnitte wurden und weitere werden heuer realisiert - wie der Wirtschafts- beziehungsweise Radweg von Rennsteig nach Kleintettau - mit der Besonderheit der Förderung auch von der Thüringer Seite. Damit gelang ein deutschlandweit einmaliges Projekt mit einer Gesamtförderung von knapp 200 000 Euro. Ebenfalls ein wichtiger Punkt sei die Nichtanwendung der Straßenausbaubeitragssatzung. "Der Markt Tettau wird dies auch in Zukunft nicht tun", stellte er klar. Zwecks Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen für Gewerbetreibende habe man den Gewerbesteuersatz gesenkt und das Gewerbegebiet zwischen Kleintettau und Alexanderhüte aktiviert. Durch das derzeit laufende Städtebaukonzept stellt man Weichen für die Zukunft. Neben dem Ausbau von Wohnungen zählt hierzu auch die Optimierung der ärztlichen Versorgung. In den bislang ungenutzten Räumen der Tettauer Hauptschule sind eine Krankengymnastik-Praxis und ein Pflegedienst eingezogen. Weiter soll der Neubau einer zukunftsorientierten Wohnanlage in der Siedlungsstraße in Tettau erfolgen.
Insgesamt konnte der Markt seine jährlichen Mieteinnahmen von 108 000 Euro auf 180 000 Euro erhöhen. Im Bereich Städtebau laufen derzeit die Fabrikstraße 1 - Königlich Privilegierte Porzellanfabrik Tettau (Erarbeitung Machbarkeitsstudie), Hauptstraße 30 - Möller-Haus (Abbruch, Nachnutzung als Skaterpark), Friedhofsweg 4 (Revitalisierung Gebäude und Außenbereich), Friedhofsweg 5 (Grunderwerb, Gebäudeabbruch und Aufwertung Freifläche als Wanderparkplatz zum Luther-Weg), Sanierung Freizeitgelände Tettau vom Bereich des Teichs bis zu den Tennisplätzen, Marktplatz Tettau (Neugestaltung und Schaffung Barrierefreiheit), Hammerbühl 2 in Kleintettau (Neugestaltung Freifläche nach erfolgtem Gebäudeabbruch als Wanderrastplatz), Christian-Hammerschmidt-Straße 10 in Kleintettau (Neugestaltung Freifläche nach Gebäudeabbruch als Parkplatz mit angrenzender Grünfläche und Bocciabahn).
Dem Markt sind für alle Projekte bei angesetzten Gesamtkosten von 3 Millionen Euro Fördermittel von 2,3 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Weiter geplant sei für das Anwesen Hauptstraße 24 und 26 (ehemalige Porzellanfabrik Gerold) die Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie sowie der Erwerb zum Zwecke des Abbruches weiterer Objekte im Kurven- und Mündungsbereich Alexanderhütte. Zudem hat der Markt zwei neue Objekte im Anschluss an die aufgeführten Maßnahmen eingereicht. Für die Umgestaltung des Tettauer Friedhofes erfolgt eine Stück-für-Stück-Lösung.
Abschließend galt sein Dank den vielen Ehrenamtlichen für deren unbezahlbares Engagement. Besonders hervor hob er dabei die Freiwilligen Feuerwehren, die ein Anrecht auf eine funktionierende Technik haben. So wurde 2017 in Zusammenarbeit mit drei weiteren Kommunen eine 650 000 Euro teure Drehleiter angeschafft. Aufgrund hoher Zuschüsse von Regierung und Landkreis sowie Spenden betrug der Anteil des Marktes knapp 100 000 Euro.
FWG-Sachstandsbericht Baumgärtners
In seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Frankenwaldgruppe (FWG) gab MdL Jürgen Baumgärtner einen Sachstandsbericht. Nachdem die FWG - trotz möglicher hoher Zuschüsse - über Jahrzehnte keine signifikanten Investitionen in die Wasserversorgung getätigt habe, habe sich ein Investitionsstau in Millionen-Höhe gebildet. Dadurch wären pro Haus beziehungsweise Wasseruhr Kosten für die Bürger von 20 750 Euro zugekommen. Aufgrund des von ihn erarbeiteten Finanzierungskonzepts konnte diese Summe auf durchschnittlich 5000 Euro, vielleicht auch etwas weniger - verteilt auf eine mit 25 Jahren angesetzte Generation - verringert werden. "Das ist ein Riesenerfolg", zeigte er sich sicher und dankte allen, die diesen schwierigen Weg mit gegangen seien. Er bemühe sich um weitere Kostenreduzierung. Wasserleitungstechnisch sei Schauberg erledigt, bei Langenau stehe man etwa bei der Hälfte. Der Abschluss sei für 2020 angedacht. In den letzten zwei Jahren habe man seitens der FWG 17 Millionen Euro investiert - im Vergleich: von 1990 bis 2015 waren dies etwa 700 000 Euro. "Da kann man sich vorstellen, wie die Leitungen aussehen, wenn sie denn noch existieren", verdeutlichte er. Guter Dinge zeigte er sich, den Vorsitz in den nächsten vier Jahren geordnet übergeben zu können. Beindruckt vom Rechenschaftsbericht würdigte er: "Es geht vorwärts in Tettau". Zugleich kündigte er an, dass das Förderprogramm Nordostbayern bis 2030 weiterlaufen werde. Die Idee hierfür sei damals im Tettauer Rathaus geboren worden.

Nur wenige Anliegen
Bei der Aussprache zeigte sich Reinhard Söllner verständnislos, warum beim Straußenbau zwischen Schauberg und Jagdshof - konkret beim Grenzübergang Schauberg - keine gerade, übersichtliche Strecke mit einer geraden Brücke über die Tettau auf circa 250 m Länge gebaut wurde. Stattdessen habe man eine Streckenführung mit einer geschwungenen Brücke und anschließenden engen Kurven und Buckeln eine circa 500 m lange unübersichtliche, gefährliche Strecke gebaut. Ein "Lob" zollte er auch den Kronacher Straßenbauplanern. Beim Brückenbau in Schauberg habe man einen kleinen Buckel eingebaut, obwohl der Bachlauf tief genug sei.
Baumgärtner versicherte ihm, sich damit zu befassen. Der Bürgermeister sprach dagegen vom "Haar in der Suppe".
Hubert Steiner ging auf die mangelnde Handyverbindung im Bereich der Straße ein. Bei einem Unfall könne keine Hilfe geholt werden. Ebertsch versicherte, sich des Problems bereits angenommen zu haben. Er zeigte sich zuversichtlich, für den Bereich Schauberg/Langenau baldmöglichst eine zufriedenstellende Lösung zu erreichen.
Roland Weigelt beschwerte sich, dass ein Winterräumdienst-Fahrer des Landkreises im Rennfahrer-Tempo die Schneemassen bis weit in die Einfahrten hinein schleudere. Er bat diesbezüglich um eine Eingabe. Dem will man nachkommen.
Statistik/Zahlen:
Einwohnerzahlen: 2222, Geburten 2017: 16 (plus 6 zum Vorjahr), Sterbefälle 2017: 24 (minus 5), Zuzüge 2017: 108 (plus 54), Wegzüge: 95 (plus 32), Kinderzahlen 2017/18: Kinderkrippe: 17, Kindergarten: 35, Grundschule Tettau: 54, Mittelschule Windheim: 28, weitere Schulen: 62, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Tettau: 2.356, Gewerbesteuer-Einnahmen/Euro: 2,44 Mio. (plus 0,44 Mio.), Gemeindeanteil Einkommenssteuer: 1,16 Mio. (plus 0,1 Mio.), Gemeindeanteil Umsatzsteuer: 406 355 (plus 84.000), Schuldenentwicklung/Euro: 4,98 Mio. (plus 0,24 Mio.), Pro-Kopf-Verschuldung: 2590,10 Euro (plus 295)