"Ich habe kein Auto, aber in Nurn kann man auch ohne Auto sein. Da gibt's doch alles", sagt Katharina Franz, 73 Jahre alt und gießt in aller Seelenruhe die Blumen vor dem Feuerwehrhaus. Direkt gegenüber ist eine Gastwirtschaft. Mittwoch ist Pizzatag, steht auf einem Schild. Doch es gibt auch Schaschlik und Hähnchen, schwärmt die ältere Dame. Eine weitere Gastwirtschaft ist im Dorf vorhanden. Und sogar für die Jugendlichen gibt es einen Treffpunkt. Außerdem existieren in Nurn noch ein Lebensmittelgeschäft, ein Bäcker, der auch ein eigenes Café betreibt, und ein Metzger. "Ich kaufe natürlich in Nurn ein. Vor allem, wenn man schnell was braucht, ist das gut", sagt Katharina Franz. "Natürlich bringt mir der Mann meiner Cousine mal was mit von Aldi oder so, aber das meiste kaufe ich hier. Da kann man schon hin", weiß die 73-jährige die Infrastruktur zu schätzen.
"Mein Opa Josef hat das Lebensmittelgeschäft 1948 aufgebaut. Dann hat es meine Mutter Maria Schuberth weitergemacht. Was soll ich denn machen - es einfach aufgeben? Ich bin doch die einzige Tochter", sagt Angelika Fritzmann (59). Sie betreibt den Lebensmittelladen in Nurn und ist mit Herzblut bei der Sache. Tatsächlich gibt es im Geschäft von Angelika Fritzmann alles, was man so braucht: Konserven, Zeitschriften, Lebensmittel, Knabbersachen, sogar Nähgarn und Schnürsenkel, Ansichtskarten und Glückwunschkarten führt sie.
Es ist nicht modern, sondern sieht so aus, als ob die Zeit stehen geblieben wäre: ein Verkaufsladen wie zu Tante Emmas Zeiten. Vor der Tür stapeln sich Getränkekisten. Auch da lässt das Lebensmittelgeschäft keine Wünsche offen und sogar Blumen und frisches Obst und Gemüse hat Angelika Fritzmann im Repertoire. "Es gibt schon Leute, die richtig hier einkaufen. Aber es gibt auch solche, die kaufen nur das, was sie im Supermarkt vergessen haben", weiß Angelika Fritzmann. Insgeheim wünscht sie sich manchmal, nicht immer nur der Notnagel zu sein.
Montag bis Samstag steht sie im Laden. Sogar am Sonntag hat sie von 11 Uhr bis 12 Uhr geöffnet. Zudem fährt ihr Mann Zeitungen den Kunden sogar nach Hause. "Das macht er schon seit 42 Jahren. Das behalten wir auch bei", sagt Fritzmann. Ihr Geschäft wird von Edeka beliefert, sortimentsmäßig steht Angelika Fritzmann den großen modernen Supermärkten in nichts nach - und auch preismäßig nicht. Und so lange es geht, will sie weiter machen. Vielleicht noch fünf, vielleicht noch zehn Jahre oder länger.
Brötchen, Backerwaren und Wurst hat sie allerdings nicht, schließlich gibt es ja noch einen Bäcker und Metzger am Ort. Der Bäcker ist Georg Sesselmann (62). Er hat 1974 eine große Bäckerei in seinem Heimatort aufgebaut, hat mehr als eine Million Euro investiert.Dazu gehört auch ein Café.
"Wir haben aber noch drei Filialen und ein Verkaufsauto, sonst könnten wir von Nurn allein wohl nicht existieren", sagt der Bäcker, ist sich aber sicher, dass die Nurner sein Angebot zu schätzen wissen.
Die Nachfolge ist im Hause Sesselmann schon geregelt: Denn Sohn Jürgen, 42 Jahre alt, ist ebenfalls schon in der Firma. "Wir müssen auch jedes Jahr so 50 000 Euro oder mehr investieren", erklärt Georg Sesselmann. Denn auf keinen Fall will er hinten an stehen.
Auch Thomas Deuerling hat ein Geschäft in Nurn: eine Metzgerei. Sein Urgroßvater hat die Metzgerei aufgebaut, sein Großvater und sein Vater haben sie weiterbetrieben - und auch Deurlings Sohn Bernd hat schon wieder die Meisterprüfung. "Von Nurn allein könnten wir natürlich nicht leben, Nurn hat in den letzten zehn Jahren allein hundert Einwohner verloren. Aber wir haben noch eine Filiale in Steinwiesen", schlägt Deuerling in die gleiche Kerbe wie Sesselmann. Die Kunden seien zufrieden, dass sie bei Deuerlings alles bekommen - und in der Gaststätte Frankenwald auch einmal schmackhaft essen können. Und donnerstags und freitags bietet Deuerling sogar eine heiße Theke an. "Das sind unsere verkaufsträchtigsten Tage", so der Metzger.

Gegenseitige Unterstützung


Dass sich die Gewerbetreibenden im Ort untereinander helfen, ist für Thomas Deuerling selbstverständlich. "Wenn der Bäcker Wiener im Schlafrock macht, nimmt der natürlich die Wiener von uns. Das ist doch klar", sagt Deuerling. So soll es in Nurn auch bleiben: das nur 500-Seelen-Örtchen wird wohl noch viele Jahre eine kleine Insel der Glückseligkeit mit einer intakten Infrastruktur bleiben - und so auch für die Menschen ein Ort sein, in dem es sich zu leben lohnt.