Es war das Jahr 1982, als K.I.T.T. auch ohne seinen Fahrer Michael Knight Verbrecher jagte. Wenige Jahre später lenkte das Batmobil die Bösewichte ab, damit der Superheld mit der Fledermausmaske unterdessen die Welt retten konnte. 2002 sind im "Minority Report" zigarrenförmige Magnetschwebeautos ohne Mensch hinterm Steuer auf, beziehungsweise über den Straßen, unterwegs. Bei diesen historischen Filmszenen handelte es sich zu ihrer Zeit um Zukunftsvisionen, einen Blick in die Kristallkugel, was technisch einmal möglich sein könnte.

Diese Zukunft beginnt jetzt und sie beginnt in Kronach. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat am Dienstag einen Förderbescheid in Höhe von zwölf Millionen Euro an die Shuttlemodellregion Oberfranken übergeben. Hinter diesem ebenfalls nach wissenschaftlicher Spekulation klingenden Titel handelt es sich jedoch um keinen Kinofilm, sondern um ein ganz reales Pilotprojekt: In Kronach, Hof und Rehau sind im nächsten Jahr autonom fahrende Elektro-Shuttles unterwegs.

Und nicht nur das: Die Technik für die selbst fahrenden Busse kommt aus der beschaulichen Lucas-Cranach-Stadt. Der örtliche Automobilzulieferer Valeo ist Weltmarktführer bei den für automatisiertes Fahren benötigten Sensoren und begegnet, was die Forschung auf diesem Gebiet betrifft, den Weltmarktführern Russland und China auf Augenhöhe.

"Das zeigt, dass es nicht nur in den Großstädten coole Technik gibt, sondern auch in Kronach", freut sich Jörg Schrepfer. Auf den Kronacher Ingenieur für Elektrotechnik, der die Fahrerassistenzforschung bei Valeo Deutschland und den Neuses Standort leitet, warten spannende Herausforderungen: "Wir arbeiten mit der Firma Navya, die uns die Shuttlebusse liefert, bereits länger zusammen."

Bereits jetzt wird Valeos Sensorentechnik in den Shuttles verbaut. "Doch natürlich muss die Technik nun weiterentwickelt werden, weil die Shuttles bisher auf eingegrenzten Gebieten, wie Parks, Parkplätzen oder eingezäuntem Gelände, unterwegs sind."

Technik wird weiterentwickelt

In den Testregionen Kronach, Hof und Rehau sollen die modernen Shuttles bald im öffentlichen Straßenverkehr fahren. "Da gibt es ganz andere Herausforderungen wie Ampeln und andere Verkehrsteilnehmer." Auf dem Kronacher Firmengelände wird ein sogenanntes Entwicklungsshuttle unterwegs sein, auf dem Valeo die Sensoren- und Laserscannertechnik, mit der die Shuttles die Umgebung erfassen, testen kann.

Außerdem muss die Teststrecke vermessen werden, die voraussichtlich durch die Kronacher Innenstadt verlaufen und touristische Ziele wie die historische Altstadt und die Festung Rosenberg einbinden soll. "Läuft alles nach Plan, können wir Anfang nächsten Jahres bereits die ersten Shuttles auf die Strecke bringen", prognostiziert Schrepfer.

Zwar werden die Busse selbstständig fahren. Ganz ohne den Menschen geht es zunächst aber noch nicht. "In den Shuttles sitzt ein Stuart, der eine Notbremsung durchführen könnte", erläutert der Tettauer. Das habe rechtliche Gründe: "Die Gesetzgebung in Deutschland verläuft parallel zur technischen Entwicklung. Derzeit muss aber noch jemand mitfahren."

Schrepfer ist sich sicher, dass die Region enorm von der innovativen Technik profitieren wird und verweist auf den niederbayerischen Ort Bad Birnbach, wo eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn seit 2017 den ersten autonom fahrenden Bus testet: "Dort hat das für den Tourismus enorme Auswirkungen, weil viele Leute kommen, die das mal erleben wollen."

Chancen für ländlichen Raum

Der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner sieht in autonom fahrenden Bussen sogar die Voraussetzung für den Erhalt von ländlichen Orten und Dörfern: "Wir können unsere dörflichen Strukturen nur aufrecht erhalten, wenn Menschen unkompliziert und kostengünstig von A nach B kommen." Der größte Kostenfaktor bei öffentlich verkehrenden Bussen sei nun einmal der Mensch.

Innovative Lösungsansätze für den öffentlichen Personennahverkehr zu entwickeln, hat auch für den Landkreis Kronach Priorität. "Mit Blick auf das (autonome) Fahren in der Zukunft wollen wir von Anfang an dabei sein", äußert sich Landrat Klaus Löffler. Kronach mit seinem historischen Stadtaufbau und dem gewachsenen Straßen- und Verkehrssystem sei als Teststrecke ideal. "Wenn wir dieses Testfeld hier erfolgreich durchlaufen, dann steht einer Integration in den öffentlichen Personennahverkehr nichts mehr im Wege."

Beim Thema autonomes Fahren werden andere Regionen künftig ihren Blick auf Kronach richten. Weil die Zukunft hier schon bald Wirklichkeit ist.