Farbenprächtig präsentiert sich der Wald in diesen Tagen. Alleine diese Farbenvielfalt ist ein untrügliches Zeichen für den Herbst, der bereits voll im Gange ist. Doch mit dem Abfallen der Blätter kündigt sich bereits das nächste Frühjahr an, wie Förster Peter Schmittnägel weiß. "Bereits im Herbst kann man das neue Leben an den Zweigen sehen. Neben den gefärbten Blättern zeigen sich schon die kleinen Knospen für die neuen Blätter im kommenden Frühjahr. Für mich ist das ein Wunder der Natur", betont der Naturliebhaber.
Allerdings sind diese Knospen auch ein Leckerbissen für viele Wildtiere, was vielerorts Wildverbiss gerade an jüngeren Pflanzen nach sich ziehen kann. "Damit kann ein ganzes Jahr verloren sein. Da wächst vorerst nichts mehr", beschreibt Schmittnägel die Folgen. Um dies zu verhindern, wird entweder ein Verbissschutzmittel aufgebracht oder aber die Pflanze durch einen Zaun geschützt.

Nährstoffe werden entzogen


Aber warum verlieren eigentlich die Bäume ihre Blätter? "Um sich auf den Winter vorzubereiten, entzieht der Baum den Blättern die Nährstoffe. Er schaltet seinen Stoffwechsel quasi auf Sparflamme. Die Blätter färben sich dadurch bunt und fallen ab." Der Baum reduziert dadurch seine Grundfläche und stellt sich auf eine Art Grundversorgung ein. In dieser Phase sinkt auch der gesamte Feuchtigkeitsgehalt im Baum. "Das bezeichnet man als saftruhige Zeit, in der dann auch die Laubbäume eingeschlagen werden", erklärt Schmittnägel. Ein typisches Beispiel sei die Birke. "Wenn man sie im Sommer schlägt und als Feuerholz nutzen will, bekommt man sie nicht mehr trocken."

Ein bis drei Blüten


Herabfallende Blätter sind nur einer von vielen Herbstboten. Ein weiterer ist die Herbstzeitlose, die auf feuchten und nährstoffreichen Wiesen oder an Böschungen wächst. Dabei bevorzugt sie sonnige oder halbschattige Standorte, an denen sie nicht ungeschützt dem Wind ausgesetzt ist. "Ihr Name kommt davon, weil sie im Herbst bis Oktober außerhalb der Blütezeit anderer Pflanzen blüht", erklärt der Förster. Sie trägt ein bis drei blassrosa bis violette Blüten, ist laut Schmittnägel im September und Oktober zu finden und wird bis zu 25 Zentimeter hoch. Wie Schmittnägel erklärt, ist die Herbstzeitlose nicht ungefährlich, weil sie nicht selten mit Bärlauch verwechselt wird. "Das Heimtückische ist, dass man ihre Blüten und Blätter nie gleichzeitig zu Gesicht bekommt. Und nur anhand der Blätter kann man sie nur ganz schwer bestimmen."

Giftige Pflanze


Wie Schmittnägel weiter erklärt, ist die Herbstzeitlose sehr giftig. Nimmt man sie in größeren Mengen ein, kann sie sogar tödlich sein. "Vergiftungserscheinungen in Form von Übelkeit und Erbrechen treten meist nach zwei bis sechs Stunden auf", so der Förster. Und so überrascht es kaum, dass die Pflanze, die auch unter den Namen Giftkrokus, Herbstblume oder Michelsblume bekannt ist, im Mittelalter zum Vergiften eingesetzt wurde.
Obwohl die Pflanze auch für Tiere giftig ist, meiden diese die Herbstzeitlose: "Das ist ein Wahnsinn, was die für einen Instinkt haben." Trotz des Schadens, den die Pflanze anrichten kann, hat sie jedoch auch ihre guten Seiten. "Sie wird in der Homöopathie als Gichtmittel, bei Rheuma und in kleinen Dosen sogar bei Krebserkrankungen eingesetzt", erklärt Schmittnägel, der zwar schöne Herbsttage, in denen das bunte Laub im Sonnenlicht erstrahlt, gut leiden mag. Doch vor dem viel beschriebenen, typisch nasskalten Novemberwetter graut es ihm. Da ist ihm doch der Frühling um einiges lieber. Doch bis dahin muss er sich noch gedulden.