In Steinwiesen und Nurn rumort es. Der Grund dafür ist die Idee, auf dem Mühlberg ein Feriendorf zu etablieren. Ein Flugblatt macht die Runde. "Wir Bürger aus Steinwiesen und Nurn sind sehr besorgt", heißt es darin. Und weiter: "Ist es wahr, dass bereits Tatsachen geschaffen werden, um mitten im Landschaftsschutzgebiet eine größere Baumaßnahme möglichst schnell durchzuziehen?"

In dem anonymen Schreiben wurde auf die besondere Vegetation am Mühlberg hingewiesen. Es wurden Bedenken genannt, dass das Naturerlebnis im Teil eines "großen Erholungsgebietes vom Leitschtal bis zum Nurnbach" gefährdet würde und die örtliche Gastronomie eher Nachteile haben könnte.

Auch auf dem Wege eines Leserbriefes, wollten sich Anwohner am Freitag Luft verschaffen. Dieser wurde allerdings sofort wieder zurückgezogen, als von der Redaktion mitgeteilt wurde, er würde in eine beide Seiten berücksichtigende Berichterstattung einfließen.


Es gab schon eine Info-Veranstaltung

Für Bürgermeister Gerhard Wunder (CSU) ist dieser Sturmlauf gegen das Projekt nicht nachvollziehbar. Die Angelegenheit sei kein Geheimnis. Bereits am 11. Mai habe er eine Informationsveranstaltung gehalten, zu der auch die Bürger eingeladen worden seien. Außerdem sei er gerne bereit, den Sachstand zu erläutern, wenn er gefragt werde.

Aus gutem Grund hänge das Thema zurzeit noch nicht an der großen Glocke, führt Wunder weiter aus. "Die Leute können sich bei uns erkundigen, aber wir machen keine große Öffentlichkeitsarbeit für ein Projekt, von dem noch gar nicht sicher ist, ob es überhaupt eine Chance hat", erklärt er mit dem Blick auf den Stand des Verfahrens. Bislang befassen sich nämlich erst das Landratsamt und die Regierung damit, ob eine notwendige Ausgliederung der Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet beziehungsweise eine landesplanerische Zustimmung überhaupt erfolgen können. Sollte mindestens eine der beiden Seiten "nein" sagen, wäre das Thema ohnehin vom Tisch. Ähnlich wie kürzlich die beiden Solarparks in Mitwitz und Ludwigsstadt.


Ein privates Vorhaben

Wunder stellt auf unsere Nachfrage fest, dass es sich um ein rein privates Vorhaben handelt, welches auch nicht in Zusammenhang mit Überlegungen zu Nationalpark-Folgeprojekten steht. Mögliche Befürchtungen, die Gemeinde und ihre Bürger könnten auf Kosten sitzen bleiben, sind seiner Aussage nach unbegründet, weil die Verantwortlichen die Investition privat stemmen müssten. Die Gemeinde bringt sich lediglich bei der Bauleitplanung ein.

Das versichert auch Elke Brückner. Sie und ihr Partner Gerald Wich sind die Initiatoren des Vorhabens. Wie Wunder ist auch sie überrascht, dass die skeptischen Anwohner nicht den direkten Kontakt vor Ort gesucht haben. "Man kennt sich doch", sagt sie und versichert die Bereitschaft, gerne über die Idee Auskunft zu geben.


Chance auf Information

Auch sie verweist auf die Möglichkeit, sich bei der Infoveranstaltung im Mai schlau zu machen. Etwa 15 bis 20 Personen seien damals zur Vorstellung des Konzepts gekommen. Von einer klammheimlichen Umsetzung könne also nicht die Rede sein.

Schade findet sie, dass einige ihrer Mitbürger das Potenzial eines solchen Vorhabens nicht erkennen. "Es soll ein verkehrsberuhigtes Feriendorf in gepflegt-gehobenem Stil werden", sagt sie und geht auf Distanz zu einem Halli-Galli-Massentourismus. "Wir wissen, unsere Natur zu schätzen", unterstreicht Gerald Wich und verweist unter anderem auf Chalets, die bewusst in Holzbauweise entstehen sollen.

Auch wenn es im Feriendorf ruhig zugehen und die Zufahrt nicht durchs Dorf führen soll, würde das Projekt ihrer Ansicht nach eine große Strahlkraft auf die Region haben. Schließlich soll Personal aus der Umgebung angestellt werden, die Gäste würden das Umfeld beleben und zugleich den Frankenwald kennen lernen. In ihren Augen wäre das auch ein Schritt, um dem demografischen Faktor entgegenzuwirken.

In den Köpfen von Elke Brückner und Gerald Wich - sie sind Insider in der Bau- wie in der Gastronomie-Branche - ist das Projekt lange gereift. Es sei kein unüberlegter Schnellschuss, betont sie. Ob es auch auf dem bürokratischen Weg weiter gedeiht, hängt jetzt erst einmal vom Landratsamt ab. Dort soll es frühestens in der Oktober-Sitzung auf der Tagesordnung stehen, wie Brückner feststellt. Bis dahin ist es also nur eine Idee.




Kommentar von Marco Meißner


Andere Meinung unerwünscht

Heiße Eisen hat unsere Redaktion in den vergangenen Jahren genügend aufgegriffen. Nationalpark, Lerchenhoftrasse, Windkraft, Bundesstraßen, Flüchtlingsunterbringung etc. Themen, welche die Meinungen spalteten.

Zuletzt wurde beim Recherchieren jedoch ein Trend augenfällig: Diejenigen, die am lautesten über eine vermeintlichen Beeinflussung der Medien durch die Politik wettern, setzen selbst am stärksten den Hebel an, den Journalismus zu instrumentalisieren. Die Rede ist von ganz normalen Bürgern. Wenn diese ihr persönliches Umfeld gefährdet wähnen, soll die Presse einschreiten. Grundsätzlich ein richtiger Gedanke!

Dass sich diese Menschen, wie nun wieder geschehen, auch selbst zu Wort melden, ist lobenswert. Wenn jedoch ein Leserbrief in dem Moment zurückgezogen wird, in dem es heißt, dass beide Seiten zu Wort kommen sollen, ist das fragwürdig.

Eine Demokratie lebt davon, dass alle Beteiligten ihre Gedanken einbringen können. Nicht falsch verstehen: Skepsis und Kritik sind ok, denn nicht jede neue Idee ist der große Wurf, manche Pläne sind sogar richtig schlecht. Aber man darf nicht pauschalisieren. Nur weil etwas neu ist, muss es noch lange nicht schlecht sein. Und alle neuen Gedanken von vornherein abzuwiegeln, ohne sie sachlich zu analysieren, bedeutet Stillstand.

Doch allem Anschein nach ist es oft einfacher, etwas schon vor der Geburt totzureden, als sich anhand von Fakten mit dem Gegenüber auseinanderzusetzen. Und am Ende kann man ja immer noch über die "Lügenpresse" schimpfen.