"Rabenschwarze" Cartoons und Karikaturen zu Themen wie Krankheit und Trauer, makabre Todesanzeigen und Grabstein-Inschriften, fröhliche Blasmusik zur Bestattung und ein Beerdigungs-Clown, der auch kritische Worte findet: Beim sehr gut besuchten Abend "Humor am Lebensende" zeigten die Mitwirkenden im evangelischen Gemeindehaus ihre ganz eigene, oftmals humorvolle Sicht auf das endliche Leben.

"Sie hat mir der Himmel geschickt", freut sich die alte Frau und leitet den Sensenmann an, mit seinem "Arbeitsgerät" ihren Rasen zu stutzen. Der Cartoonist das Titelbild der gleichnamigen Wander-Karikaturen-Ausstellung der Hospiz-Akademie Bamberg. Der Vorsitzende des Hospiz-Vereins Kronach, Peter Witton, erachtete die Karikatur als ideale Möglichkeit, Menschen zum Nachdenken anzuregen. Gleichzeitig halten die Zeichnungen unserer Gesellschaft den Spiegel vor - beispielsweise, wenn ein Pfarrer allein am offenen Grab steht und meint: "Im Facebook soll er viele Freunde gehabt haben".

Auch unkonventionelle Traueranzeigen, Trauersprüche und Grabsteininschriften zeigte Witton. In der Zeitung meldet sich der Verstorbene selbst zu Wort: "Ich bin umgezogen. Neue Adresse: Friedhofstraße 51, Bremen. Über Besuch freue ich mich." In einer anderen Anzeige beklagen die Hinterbliebenen: "Du hast den Ausspruch Hals- und Beinbruch viel zu ernst genommen", während sich auf Grabsteinen Inschriften wie "Wer erbt, kann auch gießen" fanden.

Dass Hinterbliebene immer offener und kreativer mit dem Thema Tod umgehen, berichtete auch Torsten Schönsee, Inhaber des gleichnamigen Bestattungsinstituts. Trauer kenne verschiedene Ausdrucksformen, stille - aber auch nach außen getragene. So ließen sich immer mehr Menschen als bleibendes Statement ein Trauer-Tattoo stechen. 100 Menschen folgten dem Aufruf der Fotografin Stefanie Oeft-Geffarth und der Trauerbegleiterin Katrin Hartig, Trauernde mit solchen Tattoos zu interviewen und zu fotografieren. Ihre Geschichte erzählt die Wander-Fotoausstellung "Unter die Haut", die in Kooperation von Schönsee und dem Hospizverein ab dem 26. November in der Kronacher Synagoge gezeigt wird.

Ein Tattoo seiner verstorbenen Mutter hat auch Alexander Angles. Er erzählte von der ungewöhnlichen Beerdigung von Brigitte Angles, der allseits bekannten ehemaligen Wirtin des Kronacher Schützenhauses. Seine Mutter hatte alles selbst geregelt: Sterbebildchen, die Traueranzeige und den Ablauf ihrer Beerdigung, bei der die Trauergäste lebensbejahende Kleidung tragen sollten und fröhliche Blasmusik gespielt wurde. Trotz ihrer schweren Krankheit habe sie nie ihren Humor verloren. Er und seine Schwestern haben alle ihre Wünsche akzeptiert.
Trotz der großen Trauer sei die Beerdigung das gewesen, was seine Mutter zu Lebzeiten ausgemacht habe. Das bestätigte Hospizkoordinatorin Annette Hümmer, die Brigitte Angles vor ihrem Tod begleitete: "Ich bin dankbar, diese so selbstbewusste Frau, die kein Blatt vor dem Mund genommen hat, kenngelernt zu haben. Die Trauerfeier war so authentisch, voller Leben - so, als ob sie uns zurufen wollte: Ihr lebt! Freut euch darüber, genießt euer Leben!"

Der Beerdigungs-Clown "Kaala Knuffl" hat nichts gemein mit einem Zirkus-Clown. Birgit Sauerschell ist eine der wenigen in Deutschland, die diese in Holland verbreitete Idee aufgegriffen hat. "Ich bin am Anfang. Das ist ein ganz neuer Weg, ein neues Angebot", verdeutlichte sie. Beerdigungs-Clowns können auf Wunsch der Hinterbliebenen oder Verstorbenen Bestattungen bereichern - pantomimisch oder als Trauerredner. "Es gibt keine festen Nummern. Man muss schauen, was geht, wie die Trauergäste reagieren. Man muss sehr feinfühlig arbeiten", zeigte sie sich sicher.

Das sei es aber auch, was die sensible, poetische und empfindsame Figur eines Clowns ausmache. Er bemühe sich, Farbe in die Welt zu bringen und dem Tod etwas die Schwere zu nehmen. Er sei ehrlich, könne auch einmal kleine, nicht ganz so gute Eigenarten des Verstorbenen verraten und ihnen dadurch gerechter werden. Dies geschehe immer in sehr respektvoller Art und Weise.

Wie sehr sich die Formen der Trauerbewältigung geändert haben, zeigte Hospiz-Vorstandsmitglied Norbert Schülein. Vor noch nicht langer Zeit war schwarze Kleidung nicht nur bei der Beerdigung Pflicht, sondern auch danach für eine festgelegte Zeitspanne. Die Frauen gingen ganz in Schwarz, Männern reichte ein schwarzer Schlips am Sonntag. Auf die Einhaltung habe das ganze Dorf geachtet.

"Humor und Sterben - passt das zusammen?", fragte auch Vorstandsmitglied Ingrid Steinhäußer, die durch das Programm führtep. "Humor ist mehr als Witze reißen. Er kann auch ein Ventil sein; eine Kraft, die ein Mensch behält in seiner Trauer, wenn er auch sonst im Leben Humor hatte. Er kann Kraftquelle sein, um Unerträgliches aushalten zu können. "