Wohl die wenigsten haben damit gerechnet und jetzt ist es in fast trockenen Tüchern: Der Wasserzweckverband Frankenwaldgruppe soll im Frühjahr 2018 als Härtefall anerkannt werden. Somit kann die FWG neben den bisher sieben Millionen Euro an Förderungen mit einer weiteren 50-prozentigen Förderquote rechnen. Das ist ein Verdienst des Vorsitzenden Jürgen Baumgärtner und das macht sich bei einem von Ingenieurbüros errechneten Investitionsstau in Höhe von 65 Mio. Euro bemerkbar.

Im kommenden Jahr wird es nun aber ins Detail gehen. Und heftige Kontroversen werden immer wahrscheinlicher. Denn es wird darum gehen, wie und in welcher Form die Ergänzungsbeiträge an die betroffenen Abnehmer der FWG umgelegt werden. Es wird darum gehen, wer im Falle eines Falles von den Förderungen profitiert: Die Abnehmer oder die Kommunen, die im vergangenen Jahr - mit Ausnahme von Teuschnitz - einen Beschluss gefasst haben, der angeschlagenen FWG mit Investitionskostenbeiträge zu helfen, um somit ihre Bürger zu entlasten.
Bei der Versammlung am Freitagvormittag wurde deutlich, dass so manch gewählter Mandatsträger eher die Bürger belasten und wenn möglich, die Kommunen gar außer vor lassen möchten. Dabei widerlegte Jürgen Baumgärtner anhand von Zahlen die von Kommunalpolitikern geäußerte Aussage: "Die FWG sei nur deshalb in der Lage, weil die Abnehmer in der Vergangenheit so niedrige Wasserpreise zahlen mussten." Er habe recherchiert, so Baumgärtner, seit Mitte der 90er Jahren zahlten die Abnehmer der FWG bereits mehr Wassergeld pro Kubikmeter als andere Bürger, die ihr Wasser von einem anderen Wasserzweckverband beziehen. Die Lage der FWG sei wegen der Topographie, wegen der Zersiedelung und wegen Fehler der Verantwortlichen so prekär. So habe es bis vor rund zehn Jahren bei Sanierungsmaßnahmen Förderungen in Höhe von 90 Prozent gegeben und diese seien nicht in Anspruch genommen wurden. Baumgärtner kündigte an, vor der Gebührenkalkulation sämtliche Daten zu sammeln.

"Du kannst Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, lass die anderen Gemeinden aus dem Spiel", konterte der Steinwiesener Bürgermeister Gerhard Wunder. Die Kommunen, so erklärte er, haben ihre eigenen Wasserpreiskalkulationen. Es könne nicht sein, entgegnete Baumgärtner, dass der eine Bürger 5000 Euro an Ergänzungsbeiträgen leisten müsse und zwei Kilometer diese nicht anfielen. "So etwas zerreißt eine Gemeinde!" Baumgärtner kritisierte zudem, dass teilweise Unwahrheiten verbreitet würden, beispielsweise wenn es um Verbesserungsbeiträge gehe, die die Gemeinden in ihrem Wasser-Zuständigkeitsbereich an die betroffenen Bürger beim Bau von Wasserleitungen umlegen. Bei einer Gemeinde war von 10 000 Euro die Rede, dabei wurde gar nichts umgelegt.
Im Rahmen der Versammlung legte Arno Bitterwolf auch einen Kalkulationsentwurf für Wasserpreise vor. Dabei kam zum Vorschein, dass der Wasserpreis der FWG derzeit mit 2,95 Euro netto pro Kubikmeter "kostenüberdeckend" sei. Nach aktuellem Stand wäre eine Kostendeckung mit 2,70 Euro erreicht. Aufgrund dessen aber, dass in den nächsten Jahren Millionen von Euro an Investitionen anstehen, empfahl er, den Preis so beizubehalten. Vorab fragte Gerhard Wunder, warum nicht der Kommunale Prüfungsverband diese erstellt habe. Diesbezüglich wies Baumgärtner darauf hin, dass die FWG derzeit noch kein Mitglied sei. Der Antrag liege derzeit dem Landratsamt zur Prüfung vor.

Bitterwolf wies auf seine über 30-jährige Erfahrung mit Wasserzweckverbänden hin und betonte seine Unabhängigkeit. Ein weiterer Punkt waren die Hochbehälter in Wilhelmsthal und Reichenbach. Wie bereits berichtet, werden diese an einem neuen Standort neu gebaut. Die FWG erklärte sich bereit, nach der Fertigstellung die "alten Hochbehälter" zurückzubauen und die Grundstücke zum Tausch für die Eigentümer zur Verfügung zu stellen, die Flächen für die neuen Hochbehälter hergegeben haben.

Jetzt gab es Anfragen seitens der Gemeinden Wilhelmsthal und Reichenbach, ob diese bestehenden Hochbehälter nicht als Löschwasservorrichtung genutzt werden könnten. Mit den "neuen Grundstückseigentümern" sei man deshalb im Gespräch. Die FWG spare dadurch 70 000 Euro an Abbruchkosten. Bis auf die Teuschnitzer Bürgermeisterin Gabi Weber sprachen sich alle dafür aus. Weber meinte, sie sehe nicht ein, dass diese beiden Gemeinden ihre Löschwassereinrichtungen "einfach so" bekommen.

Kommentar von unserer Mitarbeiterin Veronika Schadeck:
Für wie mündig wird das Volk gehalten? Diese Frage stellt sich bei den Versammlungen der FWG. Da wird ein Vorsitzender kritisiert, weil er bezüglich der Sanierung des Wasserzweckverbandes Transparenz übt, weil er recherchiert, Zahlen vorlegt und die Sitzungen "öffentlich" durchführt. Da werden und wurden in der Vergangenheit Behauptungen aufgestellt, die sich im nach hinein nicht bestätigen lassen. Bei der Frage, ob man die "empfohlene Kalkulation" als pdf-Datei haben könnte, wird von einigen Anwesenden eine abwehrende Haltung eingenommen. Ist der Bürger nur da, um Gebühren zu bezahlen. Darf er nicht danach fragen, wie und warum sich diese so zusammensetzen?
Ach ja Gebühren, da ist auch noch die zurzeit viel diskutierte Straßenausbaubeitragssatzung. Auch hier gibt es Bürgermeister, die diese ungerechte Einrichtung befürworten. Dabei vergisst man aber anscheinend, dass es viele Leute im Landkreis gibt, die ein Leben lang gearbeitet, ein Leben lang für ein Haus gespart haben und die nun mit wenig Renten auskommen müssen. Und es gibt junge Menschen, die eine Familie gegründet haben und die in der Regel finanziell auch nicht auf Rosen gebettet sind. Warum sollte jemand in eine Gemeinde ziehen, in denen hohen Gebühren für Wasser, Abwasser und Straße bezahlt werden müssen? Hinzu kommt eine mangelnde Verkehrsanbindung, mangelnder adäquater Wohnraum und hohe Baukosten. Aber vielleicht lassen sich diese Defizite ja mit den vielen Konzepten und Projekten kompensieren.