Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Thomas Greser steht am Fuß eines Kirchleins: die Kapelle "Maria am Hohen Kreuz", hoch über Wilhelmsthal thronend, neben dem weithin sichtbaren "Hohen Kreuz". Von dieser Anhöhe aus bietet sich dem Betrachter ein gigantischer Ausblick bis ins Main- und Kronachtal. Das Kapellen als "Rastplatz für die Seele" errichteten 1996 die acht Geschwister Veronika, Alois, Gabriele, Brigitte, Monika, Johann, Gregor und Hermann auf dem Grundstück ihrer 1995 und 1996 verstorbenen Eltern Johann und Klara Peter zum liebevollen Gedenken und zur Ehre der Muttergottes.

Es ist ein bewegendes Zeichen der Frömmigkeit, das sich den Besuchern des Kirchleins nach dem recht mühsamen, steilen Weg hinauf bietet. Aufmerksam hören sie den Ausführungen des PGR-Vorsitzenden zu. Demzufolge wurde nach Gründung eines Kapellenbauvereins Architekt Gregor Schmidtlein aus Memmelsdorf mit der Erstellung beauftragt. "Die Eigenleistung war groß. Viele ehrenamtliche Helfer wirkten mit", würdigte Greser. Am 11. Juli 1998 wurde das schmucke, schiefergedeckte Kirchlein von Dekan Georg Holzschuh und Pfarrer Herbert Fischer geweiht. "Die Kapelle ist ganzjährig geöffnet und für jedermann zugänglich. Jedes Jahr finden hier eine Mai- und eine Rosenkranz-Andacht statt", so Greser.

Im katholisch geprägten Landkreis Kronach gab es Roland Graf zufolge an die 100 Kapellen. Sie waren eingebunden ins religiöse Tun der Menschen: Maiandachten, Rosenkranz, Gebet für verstorbene Seelen, Bittprozessionen und stilles Gebet. Von tiefer Frömmigkeit zeugen auch die Bildstöcke oder Martern. Vielen Zeugnissen tiefer Frömmigkeit begegneten die Teilnehmer der Kapellenwallfahrt der Pfarreiengemeinschaft Kronach.

Nach Lahm, Zeyern, Friesen, Kronach, Steinberg und Effelter in den Vorjahren, stellte dieses Mal die Pfarrei St. Josef Wilhelmsthal ihrer Schätze vor. Neben geschichtlichen Informationen stand das gemeinsame Gebet im Mittelpunkt.

Treffpunkt war unterhalb der Pfarrkirche beim Kaferskeller. Hier entsteht laut Kirchenpfleger Bernd Peter eine Kapelle, die im Oktober geweiht wird. Da in der Pfarrkirche Reliquien der heiligen Schwester Faustina Kowalska beigesetzt wurden, habe man beschlossen, einen Bildstock mit dem barmherzigen Jesu in der Kapelle zu zeigen.
Wichtig sei es den Verantwortlichen gewesen, die von 1971 bis 2002 in der Pfarrkirche befindliche ehemalige Steinaltarplatte in die Kapelle einzubringen, damit sie wieder einen festen Platz in der Pfarrei findet.

Die zweite Station führte die Wallfahrer die Festungsstraße hoch zur Hauskapelle der Familie Barnickel, ehemals Renk. "Die Hauskapelle wurde zwischen 1950 und 1954 erbaut", informierte Stefanie Barnickel. Bis Mitte der 1980er Jahre sei sie als Fronleichnamsaltar genutzt worden.

Nach der Kapella "Maria am Hohen Kreuz", machten die Gläubigen bei der Wilhelmsthaler "Schieferbruch-Kapella" Halt, über die Michaela Wich viel Interessantes berichtete. Die Kapelle, aufgesetzt auf einen gemauerten und verputzten Sockel, stamme wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert. Den Ausführungen Roland Graf zufolge ist sie für unsere Gegend "überdimensional". Das Bildhäuschen aus Holz mit Glaswänden beherbergt eine bemalte Pieta vor einem Kreuz.

Den Abschluss der sehr interessanten Kapellenwallfahrt bildete die Mariengrotte bei der Pfarrkirche St. Josef Wilhelmsthal, über die Kirchenpfleger Bernd Peter informierte. Die Grotte habe man neu aufgebaut, nachdem die alte abgerissen worden sei. Dabei erbrachten die Pfarreimitglieder sehr viel Eigenleisting. hs


Bilder (Christian Behner, Heike Schülein):