Die Räume der Berufsfachschule für Musik (BfM) wirken, als wäre die Zeit darin stehen geblieben. Während die Ausbildung und die Lehrkräfte in unserem Artikel vom Juli 2018 viel Lob kassierten, gab es von den Schülern für die Raumsituation schon damals durchwegs kritische Stimmen. Und nicht nur von ihnen. Auch die beiden Schulleiter, Andreas Wolf und Burkhart Schürmann, appellierten an die Entscheidungsträger, zeitnah für Verbesserungen zu sorgen. Nun scheint Bewegung in die Sache zu kommen.

Ein Aushängeschild

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"Die Berufsfachschule für Musik in Kronach ist ein Aushängeschild der qualifizierten Ausbildung von staatlich geprüften Musikerinnen und Musikern in Oberfranken", wurde der Bildungseinrichtung am Montag in einer Pressemitteilung des Bezirks ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt. In dem Schriftstück ist jedoch auch das Eingeständnis zu lesen, dass allein der bauliche Zustand der Einrichtung den Schulbetrieb zunehmend einschränke.

Aus diesem Grund gab es nun ein Spitzengespräch, in dem die Situation mit der Schulleitung, der Verwaltung und den Vertretern der Politik auf den Prüfstand gebracht wurde. Landrat Klaus Löffler sowie Vertreter des Kreistags, Personalratsvorsitzende Birgit Eichstädter und Bezirkstagspräsident Henry Schramm hörten aufmerksam zu, was Schulleiter Andreas Wolf zu sagen hatte. "Es war ein angenehmes, durchaus positives Gespräch", berichtete Wolf am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung. Vor allem freute er sich, dass der Landrat sich wirklich um das Thema bemühe und sich auch auf Bezirksebene weiter darum kümmern wolle.

"Es wurde einmütig betont, dass Handlungsbedarf gesehen wird", zieht Wolf ein Fazit, das ihm Mut macht. Und das wichtige: Es soll nicht irgendwann Verbesserungen geben, sondern so bald es möglich ist. Das ist Wolf besonders wichtig, denn unter den jetzigen Gegebenheiten dürfe es nicht noch zehn Jahre weitergehen.

Die aktuelle Situation ist aus seiner Sicht ein klarer Wettbewerbsnachteil für die hochgelobte Kronacher Schule. Während andere Institutionen für moderne Bedingungen tief in die Tasche greifen und sich herausputzen, hat sich in der heimischen Berufsfachschule für Musik räumlich seit Jahrzehnten wenig verändert. Es fehlt an Platz und zeitgemäßen Rahmenbedingungen.

Bedarf erkannt

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Daran soll sich endlich etwas ändern. Löffler und Schramm, die an der Spitze des Zweckverbands der Berufsfachschule stehen, sprachen sich einmütig dafür aus, die Unterbringung der Schülerinnen und Schüler nachhaltig zu verbessern. "Wir stehen zu unserer Verantwortung und hinter der Berufsfachschule. Gemeinsam müssen wir nach guten Lösungen suchen, wie wir den Fortbestand der Berufsfachschule in Kronach sichern können", waren sich die beiden Politiker nach der rund eineinhalbstündigen Besprechung einig. "Dazu gilt es, Planungen im Bestand zu machen oder geeignete Immobilien und Grundstücke zu finden."

Die Lösung des Problems soll sowohl die "Anforderung an eine zeitgemäße räumliche Unterbringung" erfüllen als auch die Barrierefreiheit im Blick behalten. Wolf erklärte hierzu, das Gebäude in seinem jetzigen Zustand könne den Erfordernissen nicht gerecht werden, die etwa 60 Schüler der Berufsfachschule und circa 300 Kinder der Kreismusikschule sowie ein Schulbetrieb von 8 bis 21.30 Uhr mit sich bringen.

Wichtiger Ausbildungszweig

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Landrat Klaus Löffler betonte, dass die musikalische Ausbildung junger Menschen an dieser Schule einen hohen Stellenwert genieße. Alle Optionen für eine Verbesserung müssten deshalb geprüft werden. Eine konkrete Idee stellte er bereits vor: "Eine Möglichkeit wäre eventuell eine Zusammenlegung im Zuge der Sanierung unserer Berufsschule in der Siechenangerstraße."

Schulleiter Andreas Wolf könnte sich eine solche Kooperation durchaus vorstellen und hatte sie selbst im vergangenen Jahr schon ins Gespräch gebracht. Er spricht von Synergieeffekten, wenn in einer Schule Klassenräume nicht den halben Tag leerstehen, während anderswo welche fehlen. Die Schüler selbst könnten zudem davon profitieren, wenn sie mit jungen Leuten aus anderen Berufsfeldern in Kontakt kommen.

Die Verwaltung des Kronacher Landratsamts um Kreiskämmerer Günter Daum hat nun den Auftrag, nach Grundstücken und Immobilien zu suchen, die der Berufsfachschule für Musik eine neue Heimat bieten könnten. Ein Fokus wird hierbei auf eine gute Anbindung an die Kreisstadt gelegt. Derweil werden die beiden Schulleiter ein Raum- und Funktionsprogramm erstellen.

Die von Werner Roder, Geschäftsleiter des Bezirks, aufgeworfene Frage nach einer organisatorischen und finanziellen Trennung zwischen Kreismusikschule und Berufsfachschule unter gemeinsamer Nutzung der neuen Räume soll einvernehmlich zwischen dem Landkreis und dem Bezirk gelöst werden, wie Bezirkstagspräsident Henry Schramm in Aussicht stellte.

Ein Anfang ist also gemacht, um die Berufsfachschule zukunftsfähig aufzustellen. Allerdings sollte sich die Politik nicht allzu lange Zeit dafür nehmen, Taten folgen zu lassen. Denn: Die Mitbewerber schlafen nicht, und mit jedem weiteren Jahr wird mehr verlorener Boden aufzuholen sein.