"Alle Jahre wieder", textete Wilhelm Hey 1837 in einem der bekanntesten Weihnachtslieder. Dass der Titel des Liedes heute weit von seiner eigentlichen Bedeutung interpretiert werden kann, konnte Hey nicht ahnen. Denn alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch die Frage: "Was schenke ich meinen Lieben?" Für viele bedeutet das Stress bis zum letzten Tag.

Doris Porzelt erlebt den Trubel hautnah mit, da sie selbst im Einzelhandel arbeitet. "Ich finde schon, dass alle ein bisschen gestresst sind", sagt sie. Sie betont aber, dass jetzt die Hauptzeit für den Umsatz in den Geschäften sei - insofern sichert der Trubel ihren Arbeitsplatz. Weshalb viele ihre Geschenke auf den letzten Drücker kaufen, versteht sie nicht: "Vieles ist selbst gemachter Stress. Weihnachten ist schließlich immer am 24. Dezember." Doris Porzelt hat "schon fast alle Weihnachtsgeschenke besorgt" und freut sich bereits auf die Feiertage mit der Familie. "Vor allem, weil ich dann mehr Zeit für mein Kind habe."

Ganz entspannt geht Harald Barnikol die verbleibenden Tage vor Weihnachten an. "Das geht bei mir alles ganz normal und ohne Stress", sagt der Küpser. Dreiviertel der Geschenke habe er bereits gekauft, "jetzt fehlt noch eine Playmobil-Eisenbahn". Leicht falle ihm die Suche nach dem passenden Präsent, weil seine Kinder schon konkrete Vorstellungen hätten, die sie ihm mitteilten. So funktioniert es allerdings nicht bei seiner zweijährigen Enkelin; "die wird noch überrascht", sagt Barnikol. Das Geschenk ist allerdings mit den Eltern abgesprochen, schließlich sei es "Quatsch, irgendetwas zu kaufen, dass dann in der Ecke rumbollert".


Angst vor dem Ende der Welt


Wenig gestresst ist auch Alex Eidloth aus Kronach. "Ich kaufe meine Geschenke meistens kurzfristig, also ein bis zwei Tage vor Weihnachten", sagt er. Die Ideen habe er ohnehin bereits im Kopf, und da er fast alle Geschenke in den Geschäften vor Ort kaufen kann, macht er sich auch keine Sorgen. Deswegen habe er "0,0 Stress, und ich habe auch schon seit Jahren keinen mehr gehabt". Lediglich sein eigenes Weihnachtsgeschenk habe er im Internet bestellt: Golfschuhe. Vielleicht liegt für Alex Eidloth noch ein anderes Geschenk unterm Baum.

"Gut geht's mir - noch", sagt Katharina Schwab aus Scheßlitz. Wieso noch? "Na, weil am Freitag doch die Welt untergeht", sagt sie grinsend. Aber im Ernst: Weihnachten kann kommen, weil "ich Gott sei Dank schon alle Geschenke besorgt habe". Die Ideen kämen ihr meistens unter dem Jahr. Sie freut sich deshalb schon auf das Wochenende, weil damit auch die Ferien eingeläutet werden.