Bernd Fischer schaut genau hin, wenn Archäologe Philipp Schinkel mit ihm durch das Unterholz streift, mit dem Finger Bereiche am Waldrand eingrenzt und seine Überlegungen erläutert. Fischer und mehrere Mitstreiter werden den Planungen später den Weg ebnen. Sie gehören dem Arbeitskreis Heunischenburg an und haben bereits Dutzende Stunden in dem Wäldchen beim historischen Bollwerk verbracht - Seite an Seite mit den Forschern. Und der Gehülzer darf dort vermutlich bald wieder anpacken.

"Manchmal entwickeln sich solche Projekte", stellt Kronachs Museologe Alexander Süß fest, dass eine zweite Stufe der Untersuchungen an der Heunischenburg (circa 800 v. Chr.) angestrebt wird. Bereits Ende 2018 und Anfang 2019 hatten Philipp Schinkel und seine Kollegin Julia Blumenröther mit ihrer Forschung im Bereich der Anlage zwischen Gehülz und Burgstall angefangen. Sie unterteilten das Gebiet in Messquadrate, die sie anschließend mit Drohne und Magnetik untersuchten. Sie schauten sozusagen in die "Unterwelt" der Burg, ohne einen Spaten ansetzen zu müssen.

Mit diesen Messungen sollten die Ergebnisse der Forschungen aus den 1980er Jahren ergänzt und erweitert werden. Mit einem größeren Wissen über Aufbau und Bedeutung der Anlage soll das historische Bauwerk auch der Öffentlichkeit bewusster gemacht werden.

Der erste Schritt ist mittlerweile abgeschlossen. "Mit gutem Erfolg", wie Süß feststellt. Deshalb ist er auch guten Mutes, dass eine Förderung für eine zweite Untersuchung grünes Licht bekommen wird. Sollte alles klappen, könnte sich Schinkel einen Start der Arbeiten im Februar 2020 vorstellen.

Ein Grund für die weiteren Forschungsarbeiten liegt laut Süß an einem Ende des Steinwalles, wo Schinkel "interessante Strukturen gefunden hat, von denen wir noch nicht wissen, was es damit auf sich hat". Es sei aber mit Sicherheit etwas Interessantes.

Bisherige Ergebnisse

Der Archäologe geht ins Detail. Schinkel spricht von Anhaltspunkten für Siedlungsstrukturen. Nun sollen die Messungen dorthin vordringen, wo der Bewuchs den Zugang bislang erschwert hat. Dort erwartet er auch weniger Störungen durch Metall als bisher in der Nähe der alten Grabungsfläche. Schließlich ist der neu anvisierte Bereich bisher weniger zugänglich für Passanten.

Am nördlichen Ende des Steinwalles seien die interessanten Strukturen entdeckt worden. "Da hat keiner so richtig damit gerechnet", räumt Schinkel ein. Erwartet wurde der Anknüpfungspunkt einer Holzpalisade. "Jetzt kam's aber, dass wir vor dem Steinwall auch noch eine Struktur haben, die offenbar aus mehreren Pfosten besteht." Diese seien relativ deutlich zu erkennen gewesen. Für den Archäologen deutet alles auf eine Art Gebäude hin, das sich zeitlich allerdings noch nicht einordnen lasse.

Im Zuge der nun angestrebten Forschungen soll zudem eine weitere, bisher ausgeklammerte Stelle untersucht werden. Dort soll ein Nachweis für die Palisade der Burg gesucht werden.

Bei den geplanten Arbeiten wird wieder auf die Magnetik zurückgegriffen. Allerdings sollen auch Bohrkern-Untersuchungen vorgenommen werden. Damit wird nicht nur nach Siedlungsspuren gesucht. "Wir wollen die Schichten prüfen und die ganze Situation auch geologisch besser verstehen", erklärt Schinkel den "nächsten logischen Schritt".

Er vermutet, dass diese Arbeiten etwa innerhalb einer Woche abgeschlossen werden könnten. Aufwendiger durften die Vorbereitungen werden. Die Arbeitskräfte der Stadt und die ehrenamtlichen Helfer des Arbeitskreises müssen erst die entsprechenden Flächen ausholzen. Bernd Fischer und seine Kollegen dürfen also wieder die Ärmel hochkrempeln.

Ehrenamtliche Helfer: Für die Forscher die Ärmel hochkrempeln

Bernd Fischer aus Gehülz hat schon viele Stunden geopfert, um bei der Heunischenburg anzupacken. Er ist einer der Ehrenamtlichen, die sich um die Vorbereitungen für die Forschungsarbeit kümmern. Herr Fischer, wie sind Sie mit dem Thema "Heunischenburg" in Berührung gekommen? Bernd Fischer: Ich war passives Mitglied beim Heimatpflegeverein Gehülz-Seelach-Ziegelerden. Bei einer Versammlung wurde darüber gesprochen, dass man neue Erkenntnisse zur Heunischenburg gewinnen möchte. Da habe ich mich gemeldet, weil ich mich einfach dafür interessiere. Dann haben die Arbeiten auch zeitig angefangen. Wie groß war bislang Ihr zeitlicher Einsatz? Ich gehe davon aus, dass es fast 100 Stunden waren. Vor allem in den ersten drei, vier Wochen mussten wir richtig ackern. Wie lassen sich ehrenamtlicher Aufwand und Beruf vereinbaren? Ich habe zunächst Überstunden abgenommen. Dann waren meine Vorgesetzten sehr kooperativ und haben gesagt, ich dürfte mir die Zeit für so ein einmaliges Projekt nehmen. So konnte ich mir die Arbeitszeit einteilen und später die Minusstunden aufarbeiten. Können noch Interessierte zum Helferteam hinzustoßen? Mir wäre es recht, wenn wir - da wäre unser Heimatpflegeverein ideal - noch ein paar Mitglieder gewinnen würden, die gerne mit anpacken und vielleicht ein paar Samstage opfern. Spaß macht das absolut, und die Helfer erfahren viel über die Geschichte, was andere nicht wissen.

Sondengänger sind ein Ärgernis

Im Kronacher Rathaus wurde bei einer Arbeitssitzung besprochen, was an der Heunischenburg bei Gehülz in den vergangenen Monaten passiert ist und was bald passieren soll. Dabei stellte sich schnell heraus, dass Forschungsergebnisse nicht das einzige sind, über das die Wissenschaftler und ihre Helfer nachdenken müssen. Sorge: Wenn unter der Erde nach den Spuren der Geschichte gesucht wird, ruft das nicht nur die Vertreter der Wissenschaft auf den Plan. Sondengänger bereiten den Forschern Sorge. "Sondengänge im Bereich von Bodendenkmälern sind absolut verboten!", betont Archäologe Philipp Schinkel. Doch hindert das die Hobby-Schatzsucher daran, ins Handwerk der Wissenschaftler zu pfuschen? Allzu oft nicht. Diese Erfahrung hat jedenfalls Dieter Wendler vom Arbeitskreis Geschichte und Archäologie Coburg gemacht.

"Solche Probleme haben wir überall", erzählte er. Deshalb sei es auch wichtig, die Öffentlichkeit für solche Vergehen zu sensibilisieren und die Polizei mit ins Boot zu holen. Diese habe bereits ein Auge auf die Heunischenburg, versicherte Gregor Förtsch, denn die unerlaubten Sondengänge "sind tatsächlich Unrecht". Welche Folgen das Ausgraben historischer Stücke hat, verdeutlichte Archäologin Julia Blumenröther: "Solche Funde sind unbrauchbar, weil der Kontext verloren geht." Zusammenarbeit: Der Arbeitskreis hofft auf weitere ehrenamtliche Helfer und blickt dabei auch über den Tellerrand. Schon jetzt sind Interessierte aus Nachbar-Landkreisen tatkräftig mit am Werk. "Gemeinsam ist man stärker", fand auch Dieter Wendler vom Coburger Arbeitskreis. "Für uns ist der Kreis keine Grenze und auch das Bundesland nicht." Gegenseitige Unterstützung und Austausch seien wichtig. Archäologe Philipp Schinkel hofft ebenfalls auf immer mehr kreisübergreifende Synergien. Name: Museologe Alexander Süß stieß mit einem Vorschlag auf offene Ohren: Der Arbeitskreis Heunischenburg solle sich in Arbeitskreis Archäologie umbenennen. Nach der Arbeit bei Gehülz gebe es schließlich noch viele mögliche Projekte im Kreis Kronach, in die er sich einbringen könnte.