Auf dem Kronacher Friedhof gibt es viele Grabdenkmäler zu bestaunen: Erinnerungen an berühmte Menschen, an Soldaten und hohe Offiziere, an Künstler. Doch nicht nur die historischen Grabdenkmäler sind erstaunenswert künstlerisch, sondern auch moderne Grabdenkmäler erzählen Geschichten von den Menschen, an die erinnert werden soll.

"Der Trend geht eindeutig weg vom großen Familiengrab. Es werden immer mehr Urnengräber angelegt", sagt Steinmetz Marco Ebert. Und das kann auch Adam Wieczorek von der Friedhofsverwaltung bestätigen. Tatsächlich werden immer mehr kleinere Gräber angekauft. "Wir haben auch einen Bereich für Menschen, die keine Angehörigen haben", erklärt Wieczorek. Aber anonyme Bestattungen gibt es in Kronach nicht.

Die meisten Steine sind poliert

"Die meisten Grabsteine bei uns sind poliert", erklärt der Friedhofswärter. Und das hat auch einen guten Grund: Denn die polierten Steine setzen keine Patina an, sie verwittern nicht und vermosen nicht. Außerdem lassen sie sich leicht reinigen.

Bei der Gestaltung sehen es die Kronacher nicht so eng. Das Prozedere ist so, dass die Entwürfe an die Friedhofsverwaltung eingereicht und dann genehmigt werden. Die Einzelgräber sind in der Regel 80 Zentimeter breit, Doppelgräber 1,60 Meter breit. "Die meisten Menschen nehmen Steine, aber wir haben auch eiserne Kreuze, Holzkreuze oder Figuren auf dem Friedhof", erklärt Adam Wieczorek. Erlaubt ist fast alles, was gefällt.
Steinmetz Marco Ebert, der schon in vierter Generation das Steinmetzgeschäft führt, weiß, dass die meisten Kronacher heimischen Granit bevorzugen. Deshalb arbeiten die Steinmetze eng mit dem Granitsteinwerk zusammen. "Wir kaufen dort heimisches Material, aber es gibt auch brasilianische und skandinavische Steine", sagt Ebert.

"Manchmal, das wird immer häufiger, lassen ältere Menschen auch im Nachhinein noch Platten für die Gräber fertigen. Dann muss nichts mehr oder nicht mehr so viel angepflanzt werden", sagt Marco Ebert. "Die Jugend ist oft nicht da", kennt der Steinmetz das Dilemma. Und deshalb sind der Unterhalt und die Pflegeleichtigkeit immer ein Thema.

"Wir haben aktuell eine Anfrage für den Friedhof in München. Dort dürfen nur handwerklich gestaltete Steine aufgestellt werden, also auch nur handwerklich geschliffene Steine, keine polierten", kennt Ebert die feinen Unterschiede zwischen den Friedhöfen.

Geschmack der Hinterbliebenen

"Gestalterisch gibt es viele Möglichkeiten. Eigentlich kann man viel machen - das hängt immer vom Geschmack der Hinterbliebenen ab", sagt Ebert. Die Klassiker sind natürlich Kreuze und Rosen. Aber auch prachtvolle Bronzefiguren werden immer mal wieder genommen.

Eine absolute Neuheit sind Grabsteine, die mit funkelnden Swarowskisteinen verziert sind. Oft werden diese Steine mit Sternenmotiven kombiniert, zeigt Ebert. "Aber im Trend sind auch zweifarbige Steine oder eine Kombination von poliertem Stein und mattem Stein", erklärt Ebert.

Den letzten Schliff bekommen die Grabsteine natürlich durch die Inschrift. Manche wollen eingearbeitete Schriften. "Das ist wieder pflegeleicht und ebenfalls abwaschbar", sagt der Steinmetz. Doch viele finden auch aufgesetzte Bronze- oder Aluschriften schön. "Wir setzen immer auf Individualität", sagt Ebert. Bewusst verzichtet die kleine familiengeführte Steinmetzfirma aus Friesen auf große Ausstellungsflächen. "Wir gehen lieber mit den Kunden auf den Friedhof und zeigen verschiedene Steine, verschiedene Schriften und verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten. "Aber es kommt auch immer wieder vor, dass einfach die Kosten ausschlaggebend sind.

Denn Grabsteine stehen heute nicht mehr ganz oben auf der Prioritätenliste der Hinterbliebenen. Es kommt immer wieder vor, dass nicht mehr so viel für die Steine ausgegeben wird", sagt Ebert. Marco Ebert ist mit Herz und Seele Steinmetz. "Unser Beruf vereint Kunst und Technik", sagt Ebert.

Nichts aus Indien

Nicht im Angebot hat der Steinmetz aus Friesen vor-bearbeitete indische Grabmäler. Denn solche Grabsteine machen immer wieder Schlagzeilen, weil sie mit Hilfe von Kinderarbeit hergestellt werden. "Aber ich glaube, man kann das nur sehr schwer kontrollieren", sagt Ebert. Und außerdem setzen die Kronacher sowieso auf heimisches Material. Tatsächlich gibt es in vielen Friedhöfen in Deutschland bereits die Vorgabe, dass indische Grabsteine ein Unbedenklichkeits-Zertifikat brauchen. Dafür wurde von Misereor die Organisation XerifiX gegründet. Auch das "Fair Stone"-Siegel soll die Unbedenklichkeit bescheinigen.