Als Rosemarie H. (56) vor elf Jahren ins Haus am Rosenberg gebracht wurde, war ihr Leben völlig aus den Fugen geraten. Ihre Ehe, in der sie nicht gut behandelt worden war, war zerbrochen. Sie litt unter Schizophrenie, hatte eine Psychose.
"Ich habe mit total in meiner Wohnung abgeschottet, hatte in der Wohnung all meine Kleidungsstücke verbrannt. Alles, bis auf vier Pullover", erzählt die 56-Jährige. Sie hörte Stimmen. "Die Stimmen haben mir gesagt, was ich tun soll. Manchmal haben sie gesagt, ich soll den Abhang runterspringen oder so etwas", berichtet Rosemarie.
Weil sie nicht mehr daran glaubte, irgend etwas wert zu sein, habe sie ihre Kleidung verbrannt, sie hat kaum noch etwas gegessen. "Es kam dann jemand vom Landratsamt vorbei, die Polizei hat mich aus der Wohnung. getragen. Ich hatte Angst", sagt die 56-Jährige.
Dann kam sie ins Haus am Rosenberg und lernte, wieder am Leben teilzuhaben. "Die Stimmen sind immer noch da, aber sie sind nicht bedrohlich. Ich kann kontern und muss nicht mehr tun, was sie befehlen", erklärt Rosemarie. Die Frau lebt inzwischen in einer Außenwohngruppe mit zwei Frauen und mit drei Männern selbstständig in einem Haus.
"Es war wichtig, dass sie einen Platz zum Leben findet, dass sie zur Ruhe kommt", erklärt der Einrichtungsleiter des Hauses am Rosenberg, Albrecht Opl. "Ich habe hier ein Zuhause gefunden", sagt Rosemarie. Inzwischen hat sie sogar einen Freund. Sie versorgt sich, wäscht, putzt, übernimmt hausmeisterliche Tätigkeiten im Haus, arbeitet in der Grünpflege. "Das ist manchmal schon anstrengend. Aber ich schaffe etwas", sagt Rosemarie selbst.


Individuell fördern

"Die Arbeit ist auf jeden Bewohner individuell zugeschnitten. Es geht bei uns immer darum, sich auch weiter zu entwickeln", erklärt Opl. Auch beim Jubiläum der Einrichtung ist das Motto "Miteinander - Erleben - Verstehen - Gestalten". Opl hofft, dass zum Tag der offenen Tür viele Kronacher ins Haus am Rosenberg in die Friesener Straße kommen, um sich die Einrichtung anzuschauen. Denn Opl möchte Vorbehalte nehmen, zeigen, wie gearbeitet wird.
Vor 30 Jahren hat das Konzept mit zwölf Bewohnern begonnen. Von Anfang an ging es darum, Bewohnern mit psychischen Erkrankungen den Weg in ein möglichst normales Leben zu ermöglichen. Und zwar nicht hinter verschlossenen Türen, sondern unter realistischen Bedingungen mit Freiraum, mit Außenkontakt. "Wir möchten, dass unsere Bewohner am Leben in der Stadt Kronach teilhaben können", sagt Opl.
Inzwischen hat das Haus 46 Bewohner, davon sind 28 im Haupthaus in der Friesener Straße untergebracht. Es gibt Außenwohngruppen in der Friesener Straße und in der Kreuzbergstraße. 28 Mitarbeiter betreuen die Menschen, machen Arbeitstherapie, helfen in den Wohngruppen. "Psychisch kranke Menschen sind - wenn sie zu uns kommen - oft sehr unsicher, sehr zurückgezogen, sehr ängstlich. Sie leiden oft unter Suchtproblematiken und unter Psychosen. Und diese Psychosen sind dann oft ein Mittel, um mit unangenehmen Gefühlen zurechtzukommen", erklärt der Einrichtungsleiter.
Mit viel Geduld geht es im Verlauf der Therapie darum, solche Menschen zu lehren, auch negative Gefühle auszuhalten: "Wir versuchen, hinter die Probleme zu schauen, wir versuchen, den Menschen eine Heimat zu geben, Vertrauen aufzubauen und ihnen Orientierung zu geben."
In der Praxis bedeutet das, dass die Bewohner des Hauses am Rosenberg Taschengeld bekommen, dass sie einen Wochenplan bekommen, den sie erledigen müssen. "Ich bin vor achteinhalb Jahren gekommen. Inzwischen bin ich im betreuten Wohnen", erzählt Thomas G. (34). Er hatte eine Psychose, litt unter einer Sozialphobie.


Qualifikation nachgeholt

Thomas G. hatte Probleme beim Sprechen, manchmal verstanden ihn andere nicht. Er hatte Angst, von seiner Umwelt abgelehnt zu werden, geriet mit Drogen in Kontakt. Inzwischen hat er seine Sprechtechnik verbessert, hat den Hauptschulabschluss und eine Ausbildung gemacht. "Ich kann meinen Wochenplan erfüllen. Ich suche jetzt einen Job in einem Handwerksberuf", sagt der 34-Jährige. Auch in der Einrichtung hilft er bei Renovierungsarbeiten.


Knasterfahrung

Auch Thomas, ein 34 Jahre alter Mann, hat den Weg zurück ins Leben gefunden. Thomas B. hat Crystal konsumiert, aber auch andere Drogen und Alkohol. Er war im Gefängnis, war in verschiedenen Einrichtungen.
Seit neun Jahren ist er in Kronach. "Ich hatte Rückfälle. Ich habe hier viele Chancen bekommen. Ich konnte früher einfach nicht Nein sagen, ich wollte dazugehören", sagt der 34-Jährige selbst. "Manchmal müssen die Bewohner auch lernen, mit Einsamkeit zurechtzukommen", erklärt Opl. Bei Thomas B. ist das geglückt. Er übernimmt hausmeisterliche Tätigkeiten, macht Grünpflege.


Jubiläum

Zeiten Das Haus am Rosenberg feiert am Samstag, 22. Juli, ab 13 Uhr sein 30-jähriges Bestehen. Es gibt Hausführungen, Interessierte können die Arbeits- und Wohnbereiche anschauen. Besucher sind willkommen.

Angebot Die Bewohner haben viele schöne Sachen vorbereitet, die gekauft werden können.

Imbiss Es gibt ein Café.