Die beiden damals angetrunkenen Angeklagten sollen zudem auf den am Boden Liegenden eingetreten haben. Deshalb lautet die Anklage nicht nur auf gefährliche Körperverletzung, sondern auch auf versuchten Totschlag.
Mit seiner unterfränkischen Clique besuchte der Geschädigte das muntere Treiben im Frankenwald. Zu später Stunde, sichtlich angetrunken, stolperte er mit seinem vollen Becher Whiskey-Cola und schüttete das Gebräu einer jungen Frau über die Bluse.

Diese beschwerte sich darüber bei ihrem Freund. Der wiederum verfolgte den vermeintlichen Rüpel und wollte ihn zur Rede stellen. Es kam zu einem Gerangel, das zur Schlägerei ausartete. Beide Männer fielen zu Boden. Zwei Bekannte des Geschädigten wollten die beiden trennen. Der zweite Angeklagte, der ebenfalls von der besudelten Frau zu Hilfe geholt wurde, mischte sich nun in das Geschehen ein. Er stürzte sich auf den einen Streitschlichter, schleuderte den anderen zur Seite und sprang auf den Geschädigten, der immer noch am Boden lag.
Was dann passierte, wurde am Montag in mehreren Versionen geschildert. Der Geschädigte konnte sich lediglich an die Schubserei erinnern. Zu dem weiteren Geschehen klaffte jetzt eine große Erinnerungslücke; am Tatabend hatte er sich noch an Schläge und Tritte erinnern können.

Bluttropfen auf dem Schuh

Der Angeklagte, der den Zusammenstoß mit herbeigeführt hatte, gab an, sich an eine Schlägerei zu erinnern, getreten habe er aber auf gar keinen Fall. Allerdings will er mitbekommen haben, wie sein Kumpel, der zweite Angeklagte, zwei oder drei Mal getreten hat. Damit belastete er ihn: "Da sind zwei oder drei Tritte passiert. Aber das war mehr geschoben als getreten." DNA-Spuren, die an seinen Schuhen gefunden wurden, erklärte er damit, dass nach dem ersten heftigen Faustschlag, den er seinem Gegner auf den Mund verpasst hatte, wohl Blut des Opfers auf seine Schuhe getropft sein musste.

Der zweite Angeklagte, der sich seit der Tat in Untersuchungshaft befindet, gab zu, sich heftig in das Gerangel eingemischt zu haben: "Als ich die am Boden gesehen habe, bin ich mit einem ,Bodycheck‘ rein", erklärte er. Im weiteren Gerangel sei er erst gestürzt, dann wieder aufgestanden und über den Mann, der am Boden gelegen habe, gestiegen. Dann habe er einen anderen Beteiligten weggeschleudert und sei über das Opfer, das am Boden gelegen habe, gestolpert und "aus Versehen darauf getreten". Dies tue ihm leid, mit Absicht sei es nicht geschehen.

Nicht viel mitbekommen

Fast alle Zeugen sagten aus, dass sie vom eigentlichen Geschehen nicht viel mitbekommen haben. Faustschläge hatten einige gesehen oder selbst abbekommen. Mehrere Tritte beider Männer gegen das Opfer hingegen hatte nur ein Zeuge ganz genau erkannt. Dieser junge Mann erschien sehr aufgewühlt bei seiner Vernehmung vor Gericht. Er erklärte, dass er nicht genau sagen könne, ob beide Angeklagte wirklich gegen den Kopf des Opfers getreten hätten. Heute sei er sich nämlich sicher, dass nur einer der Angeklagten "irgendwohin" getreten habe; wie oft wisse er nicht mehr.

Auf Vorhalt, dass er bei der Polizei sehr detaillierte Angaben gemacht habe, erklärte er, dass er sich in der Zwischenzeit Gedanken gemacht habe. Der Zeuge zeigte immer mehr Unsicherheiten und bat darum, noch einmal nachdenken zu dürfen. Staatsanwältin Ursula Haderlein wollte wissen, welche Aussagen denn nun der Wahrheit entsprächen. "Es stimmt alles zwei!", sagte er fast verzweifelt. Er erklärte, dass er bei seiner ersten Aussage unter Schock gestanden habe. Deshalb habe er erst einmal behauptet, nichts gesehen zu haben. "Ich hab' auch Angst gehabt, dass die mich mal daheim aufsuchen", fügte er hinzu. Dann habe er seine Aussage jedoch korrigiert und beide belastet. Gestern glaubte er sich genau zu erinnern und belastete nur noch einen der Täter schwer.

Entscheidende Aussage

Verteidiger Till Wagler, der sich über die veränderte Version des Tatablaufs wunderte, rief dem Zeugen ins Gewissen: "Wegen ihrer damaligen Aussage sitzt mein Mandant nun seit acht Monaten in Haft!" Die Staatsanwältin, die Kammer und die beiden Verteidiger waren sich einig, dass der Hauptbelastungszeuge auf seine Aussagetüchtigkeit hin überprüft werden sollte. Richter Gerhard Amend unterbrach darauf dessen Vernehmung.
Ein Rechtsmediziner rückte nüchtern zurecht, was durch die vielen unterschiedlichen Zeugenaussagen zeitweise in Verwirrung geraten war: "Wir hatten hier bei dem Geschädigten richtig schöne, klassische Trittverletzungen."

Vor allem eine Verletzung am rechten Schlüsselbein und am linken Rippenbogen seien sichere Trittverletzungen, möglicherweise auch noch zwei Wunden im Gesicht und am Hals. Zudem hatte das Opfer eine Gehirnerschütterung ersten Grades. "Dass da nur leicht mit dem Fuß geschoben wurde und nicht getreten, ist eher optimistisch ausgedrückt", erklärte der Gutachter.

"Das hätte natürlich auch ganz anders ausgehen können. Jedes Kind weiß, dass man jemanden zu Tode treten kann, wenn man ihm gegen den Kopf tritt!" Auch die Spurenlage am Schuh des einen Angeklagten lasse sich schwer durch ein Herabtropfen von Blut erklären. Beide Angeklagte blieben trotz des Gutachtens bei ihren Versionen des Geschehens. Am kommenden Montag sollen weitere Zeugen gehört werden. Die Verhandlung wird am 25. März um 9 Uhr fortgesetzt.