Schon der erste Auftritt hatte Gänsehaut-Potenzial. 110 überwiegend junge Holzbläser schritten musizierend durch den Mittelgang vor zum Altarraum und schließlich wieder auf ihre Plätze - ein Anblick, der jedem Musikfreund das Herz aufgehen ließ. Und erst die Musik!

Voller Freude hatten sich die Jungen und Mädchen zu einer konzertanten Würdigung des Erfinders der Kinderinstrumente, Guntram Wolf, im Gotteshaus eingefunden. In verschiedenen Ensembles zeigten die "kleinen Leute", was sie beim dreitägigen Frühinstrumental-Symposium auf der Festung Rosenberg auf ihren Holzblasinstrumenten einstudiert hatten. Festliche Musik auf einem bereits erstaunlich hohen Niveau wurde geboten. So hatten sich zum musikalischen Highlight nicht nur stolze Familienangehörige eingefunden, sondern auch viele weitere Freunde guter Musik.

Ein Klangerlebnis

Sie alle wurden für ihr Kommen mit einem klangschönen Konzert belohnt, bei dem sich die gespannte Stille schon mit den ersten Tönen in einem Klangerlebnis entlud. Dabei galten Oboe, Klarinette, Fagott lange Zeit als für Kinder ungeeignet. Die Instrumente waren zu groß, zu schwer, der Blas widerstand war zu groß. Früher konnten Jugendliche erst im Alter von 13 oder 14 Jahren angesprochen werden, in einem Alter, da sie längst andere Interessen entwickelt hatten: Ein großer Verlust für begabte Kinder. Basierend auf einer Idee des Leipziger Fagottisten-Ehepaars Heide und Stefan Pantzier wurde 2007 in Kronach das Frühinstrumental-Symposium "Große Harmonie für kleine Leute" gegründet.

Der Instrumentenbauer Guntram Wolf (†) aus Kronach hat in seinen berühmten, mehrfach ausgezeichneten Werkstätten Oboe, Klarinette und Fagott, ein Trio d'anches speziell für Kinder entwickelt und gebaut - ein neuer Weg und ein großer Fortschritt in der Geschichte der Holzblasinstrumente. Um die Möglichkeiten des Unterrichts und des gemeinsamen Musizierens an kindgerechten Instrumenten - verbunden mit Information und Weiterbildung der Lehrenden - fortzuführen, fanden bereits zum dritten Mal das Symposium und die Workshop-Tage statt. International erfahrene Dozenten und Dozentinnen beteiligten sich mit Fachvorträgen, Workshops und Konzerten - und das alles im stimmungsvollen Ambiente der Festung Rosenberg.

Mit Feuereifer dabei

Faszinierend beim Abschlusskonzert war diese Leichtigkeit, mit der - wie selbstverständlich - der Feuereifer und die Begeisterung der "kleinen Leute" auf das Publikum übersprang. Das Hauptstück des Abends war ein "Ausflug" der Bläserbande "in den Zoo", den Helga Werner-Buhlmann für alle Symposiums-Teilnehmer komponiert hatte. Was gab es da nicht alles zu hören: Zebras, Nandus, Pinguine, Eisbären und sogar einen Walzer für einen Floh. Das war aber bei Weitem noch nicht alles: Die begabten Nachwuchs-Musiker gaben noch - unter Leitung von Afra Fraefel" - "Benno Bär", "Hänschen Klein", "Die Forelle" und "Die Wanze" von Felix Holler zum Besten. Ebenso erklang eine Suite für ein junges Bläserquintett unter Leitung von Jörg Möller, zugleich Komponist des Stücks. Morgenstimmung mit der Workshop-Gruppe herrschte beim norwegischen Tanz Nr. 2 - Griegmix mit den Oboentigern. Hier hatte Marion Walker die Leitung inne.

Das Programm und die jungen Akteure sorgten dafür, dass sich jeder Zuhörer als Beschenkter bei dem an Höhepunkten reichen Abend fühlte.