Der Arm des Krans hebt die starre, zentnerschwere Last zentimeterweise in die Höhe. Nach einigen Sekunden richtet sich die steinerne Säule am Haltegurt hängend auf. Sie schwebt von der Ladefläche des Lastwagens zum Straßenrand hinab. Drei Männer bringen sie dort mit Muskelkraft in Position und sorgen für einen festen Halt im Boden. Der Stein, der die frühere Grenze zwischen den Landkreisen Kronach und Lichtenfels sowie zwischen den Gemarkungen Küps und Burkersdorf kennzeichnet, steht wieder an seinem Platz an der Kreisstraße 22.

"Der Grenzstein wurde beim Mähen beschädigt", erklärt Karl-Heinz Rebhan, der Burkersdorfer Feldgeschworenen-Obmann, warum eine Reparatur unumgänglich war. Das Mähwerk eines Traktors hatte das Flurdenkmal erwischt und ihm einen Bruch zugefügt. Rebhan zerrt an dem steinernen Zeitzeugen, um die Buchstaben B und K - für Burkersdorf und Küps - wieder richtig auf die Straßenflucht auszurichten. Ihm gegenüber packt der Initiator dieser Denkmalssanierung an, Kreisheimatpfleger Roland Graf. "Von dieser Form und Art gibt es bei uns keinen anderen mehr", spricht er dem schwer zu datierenden Stein eine Einzigartigkeit zu, die es zu erhalten gelte.


Nicht die erste Beschädigung

Der Grenzstein, der früher schon einige Male beschädigt worden war, befand sich über den Winter in der Werkstatt des Steinrestaurators Wilhelm Keim jun. in Wilhelmsthal. Dort wurden das Flurdenkmal mit Wasser gereinigt sowie der Bruch mit Edelstahldübeln verdübelt und zudem verklebt, wie Keim und Graf schildern. Dass diese Säule wirklich ein Grenzstein ist, zeigt sich, als sie von der Ladefläche abhebt. An der Unterseite ist deutlich ein eingeschlagenes Kreuz zu erkennen. Laut Graf ist das ein untrügliches Zeichen für einen Gemarkungsstein.

Und der Kreisheimatpfleger, dessen Amtszeit nach 40 Jahren bald endet, muss es wissen. "Wir haben über 1000 Kleindenkmäler in unserer Flur", erklärt er. Diese Zeitzeugen sind ihm alle bestens bekannt. "Davon sind etwa 600 geistlicher Art. Die übrigen schätzungsweise 400 bis 500 sind so genannte rechtsarchäologische Denkmäler." Ein wichtiges dieser Kulturgüter konnte nun bei Burkersdorf erhalten werden.


Neugierde geweckt

Roland Grafs Vorhersage, dass ein Grenzstein mehr als ein bloßes Relikt der Vergangenheit sein kann, zeigt sich schon nach wenigen Minuten. Ein älterer Autofahrer hält hinter dem Lastwagen, nimmt die Arbeiten in Augenschein und ist im Nu im Gespräch mit den drei Bewahrern der Heimatgeschichte. Etwas später stoppt ein Radfahrer und wird gleich zu einer Brotzeit am Ort des Geschehens eingeladen.

Genau das ist es, was für Graf den Reiz an der Heimatkunde ausmacht: Die Menschen kommen miteinander ins Gespräch und erleben die Geschichte der Region hautnah mit. In Burkersdorf hat der Grenzstein diese Aufgabe jedenfalls sofort wieder erfüllt.