Die Ausmaße sind beachtlich: Ein über 40 Meter hoher und 46 Tonnen schwerer Betonmast steht an der Staatsstraße 2200 zwischen Lahm und Effelter. Aber wozu? Alles streng geheim!

Keine Behörde aus der Region sagt was, bzw. verweist auf "VS-NfD". "Verschlusssache - nur für den Dienstgebrauch" heißt das im Beamtendeutsch. Gemeint ist, die Kenntnisnahme durch Unbefugte könne für die Interessen der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder nachteilig sein.


14 Anlagen werden errichtet

Wesentlich gesprächiger ist die Projektgruppe "Diginet" des Innenministeriums, denn beim Mast in der Nähe von Effelter handelt es sich um eine Sendeanlage für den behördlichen Digitalfunk, der ab dem kommenden Jahr den bisherigen analogen Funk ablösen soll. Polizei, weitere Behörden und Feuerwehr werden mit Hilfe dieses Funknetzes kommunizieren. Darauf verweist Markus Dengler von der Projektkommunikation von "Diginet".
"Zur flächendeckenden Versorgung mit dem BOS-Digitalfunk werden insgesamt 14 BOS-Sendeanlagen benötigt", informiert Dengler. Alle befänden sich in der Bauphase, elf, darunter der in der Nähe von Effelter, seien bereits fertig errichtet. BOS steht dabei für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben.

"Beim Aufbau des Digital funk netzes versuchen wir zunächst, bestehende Antennenstandorte von Polizei, Feuerwehr oder Landesbehörden sowie bestehende Funkmasten von Rundfunk- oder Mobilfunkbetreibern zu nutzen", berichtet Markus Dengler. Nur wo dies nicht möglich sei, müssten neue Standorte errichtet werden. Schließlich wolle man das Netz flächendeckend, das heiße, ohne Lücken, aufbauen.


Eine Mitnutzung ist möglich

Für die Mobilfunkbetreiber tut sich dabei eine Möglichkeit auf, Funklöcher zu schließen, denn der Mast bei Effelter ist so ausgelegt, dass, wenn die Gemeinde Wilhelmsthal zustimmt, die "Mitnutzung durch Dritte möglich ist". Der Mast bei Effelter ist ein ganz schöner Brocken: rund 43 Meter hoch, hat 1,1 Meter Durchmesser, wiegt 46 Tonnen und besteht aus zwei Fertigteilen, die per Tieflader zur Baustelle gebracht und von einem Autokran aufgerichtet wurden. Der Mast steht auf einem soliden Fundament, das eine Fläche von 4,5 mal 4,5 Metern hat und drei Meter tief ist.

Markus Dengler informierte auch zur Strahlung. Basisstationen, sowohl für den kommerziellen Mobilfunk als auch für den professionellen Digitalfunk, senden immer mit der Leistung, die notwendig sei, um den Nutzern einen störungsfreien Empfang zu ermöglichen. "Die Sendeleistung beträgt durchschnittlich 20 Watt pro Frequenzträger, maximal 40 Watt", sagt Dengler. Eingebuchte Endgeräte passten ihre Leistung an die Entfernung zur Sendeanlage dynamisch an. Je weiter das Endgerät vom Funkmast entfernt sei, desto stärker müsse es senden. Beim BOS-Digitalfunk betrage die Sendeleistung der Endgeräte maximal ein Watt. Diese liege unter der Sendeleistung der Analogfunk-Geräte.