"Früher war der Beruf des Glasformenmachers ein manueller Beruf. Man musste drehen und fräsen können, heute ist das anders", erklärt Firmenchef Matthias Zitzmann (47). Denn die Maschinen sind CNC-gesteuert. In wenigen Arbeitsgängen wird gedreht, gefräst, geschliffen. "Man braucht ein mathematisches und räumliches Vorstellungsvermögen", sagt Matthias Zitzmann klipp und klar.
Auch Frauen wären in der Branche willkommen. Doch keine einzige ist in der Produktion zu finden. "Aber wenn eine Frau das machen möchte, ist sie herzlich willkommen. Wir haben sogar getrennte Umkleiden und Toiletten. Natürlich ist der Formenbau keine leichte Arbeit. Denn die Formen wiegen schon ein bisschen etwas", erklärt Matthias Zitzmann. Allerdings ist der Diplom-Kaufmann, der sich darüber im Klaren ist, dass die "weißen Büroberufe" bei den jungen Menschen höher im Kurs liegen, bestrebt, so viele Erleichterungen wie möglich im Alltagsgeschäft zu etablieren. Denn natürlich ist schweres Heben auch für die Männer Gift. "Wir wollen ja nicht, dass unsere Mitarbeiter Probleme bekommen", so Zitzmann.
Matthias Zitzmann hat seit 2008 die Führung des Familienunternehmens übernommen. Er ist gelernter Diplom-Kaufmann, hat in der Auto- und Dentalindustrie Erfahrungen gesammelt und hat in Europa und in den USA Firmen aufgebaut. "Es war mir wichtig, meine eigenen Erfahrungen zu sammeln. Ich wollte nicht von Anfang an in der Familiensuppe schwimmen", sagt Zitzmann und erklärt ohne Chef-Allüren, dass er viel Selbstbewusstsein gewonnen hat.

Die Herausforderungen reizen
Und das kann er im Glasformenbau brauchen. Qualität ist und bleibt das oberste Gebot der Zitzmann-Formen. Rund eine Million Flaschen können mit einer Form gefertigt werden, ein Formensatz, den Zitzmann herstellt, umfasst mindestens 36 Formen. Und wenn die Formen aus Bronze gefertigt werden, dann halten sie noch länger.

Es sind die Herausforderungen - auch designerisch, die Matthias Zitzmann reizen. Da gibt s die bekannte Wodka-Flasche, die eigentlich auf den ersten Blick ganz normal aussieht, aber eine "gealterte" Seite hat. Ob Wein-, Bier-, Spirituosenflaschen oder aufwendige Parfümflakons oder Kosmetikbehältnisse, Zitzmann baut für alle Fälle die richtigen Formen. "Wir sind sehr breit aufgestellt, und das macht uns auch gegen Schwankungen am Markt unempfindlich", erklärt der Chef.

Jedes Detail muss stimmen
Designer tüfteln über den Zeichnungen, setzen sie am Computer um. Jedes Detail muss stimmen: Gravierungen, Erhebungen, die Formgebung. Und erst dann werden die Formen - aus Bronze, Guss oder Stahl - gefertigt. Aber auch Spezialmaterialien wie Bromalloy, Dameron oder Commonoy kommen zum Einsatz. Die Tettauer Firma steht in engem Kontakt mit glas- und schweißtechnischen Instituten und mit Hochschulen.
"Glas hat Zukunft", darüber lässt Matthias Zitzmann nicht mit sich diskutieren. Im Gegenteil: Wenn man ihn auf Plastik, das Glas immer ähnlicher wird, als Ersatzstoff anspricht, dann wird er sogar richtig ideologisch: "Plastic kills", sagt er und erinnert an den Kinofilm, den niemand sehen wollte, weil er so traurig ist. "Ich habe beim Tauchen in Ägypten auf dem Meeresboden Plastikflaschen über Plastik gesehen. Die Fische fressen Plastik, weil sie das für Plankton halten. Das ist doch verrückt, wir sägen uns den Ast ab, auf dem wir sitzen. Jeder denkende Mensch sollte nicht zu Plastik greifen", sagt Zitzmann.

Bei der Herstellung von Glas wird alles wieder recycelt. Jeder Glassplitter, die alten Flaschen, die zerbrochenen Flaschen. Und ähnlich ist es auch beim Formenbau. Die Stahl und Gussabfälle - und natürlich vor allem die Bronzesplitter - werden wiederverwertet.

Derzeit erschließt Matthias Zitzmann neue Märkte. "Wir sind im deutschsprachigen Europa in nahezu allen Glashütten vertreten, da ist unser Wachstum begrenzt", erklärt er offen. Doch in Süd- und Nordamerika, in Osteuropa, Russland, der Ukraine und in Afrika wird dem deutschen Formenbau ungeheuere Wertschützung entgegengebracht. Deshalb setzt Zitzmann auf neue Vertriebsstrategien. Derzeit liegt der Export der Glasformen bei 30 Prozent, doch dieser Anteil wird in den nächsten Jahren rapide steigen, ist sich Zitzmann sicher.
"Glas hat Zukunft", dafür tritt der 47-Jährige mit aller Kraft und mit viel Elan ein. Matthias Zitzmann gibt offen zu, dass es ihn reizt, sich neue internationale Marktnischen zu eröffnen, doch er tut es mit Charme und Sympathie. Gerade in den Ländern, in denen der Name Zitzmann noch nicht so gängig ist wie in Deutschland, möchte Zitzmann punkten. "Ich habe auch schon Aufträge mitgebracht", sagt er über seine erfolgreichen Geschäftsreisen.

Zu Ausbildung ermuntert
Zitzmann möchte deshalb auch die jungen Menschen in Franken und in den benachbarten Bundesländern ermuntern, eine Ausbildung in der Branche aufzunehmen. Schon jetzt kommen 40 Prozent der Belegschaft aus Thüringen. Aber das Familienunternehmen, das in Tettau und in Werne Betriebe hat, setzt auf eigene Mitarbeiter. In den nächsten Tagen stehen Mitarbeiterjubiläen an. Fast alle, die geehrt werden, haben schon in der Firma gelernt. Walter Bauersachs (55) beispielsweise ist einer davon. Er ist seit vierzig Jahren bei der Firma in Tettau. Angefangen hat er als Werkzeugmacher-Azubi, dann hat er sich hochgearbeitet und leitet heute die Dreherei. Er hat die CNC-Programme kennen gelernt - und wird wohl bis zur Rente in der Firma bleiben.
"Natürlich sind auch jetzt noch Bewerbungen möglich", sagt Matthias Zitzmann. Er selbst pendelt zwischen Tettau, wo er während der Woche lebt, und München, wo seine Frau und seine beiden Kinder wohnen. Denn seine Frau ist die bekannte japanische Filmproduzentin Yoko Higuchi-Zitzmann, die soeben ihren neuesten Kinofilm "Frisch gepresst" (mit Diana Amft, Tom Wlaschiha, Alexander Beyer, Jule Ronstedt, Sylvester Groth, Sunnyi Melles) in den Kinos präsentiert.