Es hatte durchaus seine Berechtigung, als Eyleen Valita in Gedichtform von einem "zauberhaften Kräutergärtlein in Schmölz, gelegen hinter dem Pfarrhaus" sprach. Denn es war beeindruckend, was man beim oberfränkischen Kräutertag im Kräuterlehrgarten, der seinen 20. Geburtstag feierte, sah: eine Vielfalt von Kräutern, Bauerngartenpflanzen, idyllisch umrahmt von alten Bäumen.

Und dazu gab es reichlich Informationen: Die über 200 Pflanzen waren beschildert. Und es gab viel Wissenswertes über die Bienen-, Färbe-, Wild-, Heil-, Schmetterlings- und Gewürzpflanzen, beispielsweise über die Nutzung und über deren Wirkung, zu erfahren. Es wurde auf die jeweiligen Verwendungsmöglichkeiten und Besonderheiten, wie Herkunft, Giftigkeit oder die Bedeutung im Volks- und Aberglauben hingewiesen. Und an Ständen wurde gezeigt, was man aus Kräutern so alles machen kann: Brotaufstriche, Liköre, Naturseifen aus Milch und Honig, die Schmölzer Gurkenseife etc.

"Pflanzen im Brauchtum zwischen Geburt und Tod", hieß eine Ausstellung. Dabei erfuhr man beispielsweise, dass Lein- oder Flachssamen früher als Liebesorakel galt, oder dass kleine Mädchen in Liebstöckel-Badewasser gewaschen worden waren, damit sie später den Männern gefielen. Es war es auch nicht verwunderlich, dass sich die Ehrengäste beim Obst- und Gartenbauverein Schmölz sowie deren Vorsitzender Gisela Schorn für ihr Engagement bedankten. 20 Jahre ist es her, als unter der Federführung von Ewald Zöller aus dem, in seiner historischen Form, noch alten Garten beim Pfarrhaus der Kräuterlehrgarten angelegt wurde. Seitdem ist ein Kleinod daraus geworden, in dem man der Natur nahe sein und sein Wissen über Kräuter erweitern kann.
Auch der Schirmherr, Wilhelm Wenning, zeigte sich beeindruckt. Bei seinem Gang durch die "Apotheke Gottes" ließ es sich der Regierungspräsident nicht nehmen, den Duft einzelner Kräuter einzuatmen. Gespannt folgte er den Ausführungen des zweiten Vorsitzenden, Walter Näher, als dieser über Hornissenkästen sprach, die zur Ansiedlung und Umquartierung von Hornissenvölkern eingesetzt werden können.

Zuhause, so erklärte der Regierungspräsident, habe er lediglich "Wildkräuter". Dennoch, er habe bei diesem Fest gerne die Schirmherrschaft übernommen, denn Kräuter verleihen beim Kochen den zubereiteten Gerichten nicht nur einen besonderen Geschmack, sondern sie dienen auch als Heil- und Gesundheitsmittel. Außerdem befürworte auch er die Bayerische Biodiversitäts strategie, wonach die biologische Arten- und Sortenvielfalt geschützt und das Umweltwissen bei der Bevölkerung vertieft werden soll.

"Bewahrt dieses Kleinod", forderte Landrat Oswald Marr die Gartenfreunde auf. Als die "Toskana des Frankenwaldes" bezeichnete Bürgermeister Herbert Schneider seine Gemeinde. Er dankte dem Obst- und Gartenbauverein für sein Engagement für die Natur. Die Landtagsabgeordnete Christa Steiger sprach von einem "wunderschönen Genuss". Lobende Worte fand zudem der Gartenbaukreisvorsitzende, Peter Cembrowicz.

Das Fest startete am Morgen mit einem Festgottesdienst, am Nachmittag fanden Führungen statt.

Bereits im Jahre 1881 wurde der Obstbau-Verein Schmölz gegründet. Im Jahre 1988 übernahmen die Schmölzer Gartenfreunde unter der Leitung von Ewald Zöllner schließlich die Pflege des kleinen Paradieses am Dorfrand und eröffneten 1994 den Kräuterlehrgarten.