Die Gründe, warum vor allem junge Verkehrsteilnehmer so häufig in schwere Unfälle verwickelt sind, sind vielfältig: Oft sind jugendliche Risikofreude, Überschätzung des Fahrkönnens und das Nicht-Einschätzen-Können von Fahrzeugreaktionen sowie Situationen die Auslöser. Im vergangenen Jahr jedenfalls sind überdurchschnittlich viele Jugendliche in schlimme Verkehrsunfälle verwickelt gewesen, wie Georg Papstmann von der Polizeiinspektion Kronach bestätigte.

"Eigentlich haben wir mit Jugendlichen immer das Problem der Raserei und dass Situationen falsch eingeschätzt werden. Mit Alkohol haben wir in dieser Altersgruppe kaum Probleme, wenn dann eher mit anderen Dingen", sagt Papstmann.

Kontakt mit Neulingen gesucht

Deshalb schreibt das Landratsamt in den nächsten Tagen wieder alle Führerscheinneulinge an - und bietet das Programm "Könner durch Er-Fahrung" kostenlos an. Möglich ist das Programm nur durch die finanzielle Unterstützung der Sparkasse Kulmbach-Kronach. Denn diese übernimmt die Hälfte der Kosten für die Durchführung der örtlichen Seminare, wie Uli Förtsch von der Sparkasse erklärt. Als kleinen Anreiz für alle, die für ihre Sicherheit üben, verlosen der Sparkassenverband Bayern und die LBS wertvolle Preise.

38 junge Leute starben

Roland Pyka von der Kreisverkehrswacht Kronach jedenfalls kann mit dem Programm eine Erfolgsbilanz vorlegen. "Aber die Zahl der Unfälle, in die junge Autofahrer verwickelt sind, ist unvermindert hoch", gibt Pyka zu bedenken. Laut Innenministerium ist die Zahl der Unfälle, die von Führerscheinneulingen verursacht wurden, im vergangenen Jahr sogar noch einmal um 4,1 Prozent gestiegen. 9352 junge Menschen sind verunglückt, 38 sogar tödlich.

"Das Fahrfertigkeitstraining ist eine gute Sache. Es kann mithelfen, die Unfallzahlen zu senken. Denn es hilft viel, wenn man das Auto gut kennt", sagt Pyka und hofft auf viele Teilnehmer. Die Zahl der Teilnehmer allerdings hält sich in Kronach in der Regel in Grenzen. Vielen jungen Menschen ist der Weg zum Verkehrsübungsgelände nach Nordhalben zu beschwerlich. "Und wenn man die Leute anschreibt, meldet sich keiner. Deshalb telefonieren wir jetzt", sagt Pyka.

Auf dem Übungsgelände

Durchgeführt wird das Training ab 20. Juli. Auf dem Verkehrsübungsgelände können Führerscheinneulinge mit ihrem eigenen Auto auf einer Gleitfolie bremsen. Das ist genau so, als ob man auf einer Eisplatte oder einer Ölspur bremst. Es geht um den Abbau der Hemmschwelle, darum, richtig auf das Bremspedal zu treten, aber auch darum, richtig zu reagieren, wenn eine unvorhergesehene Situation eintritt. Pyka hofft, dass die Quote der teilnehmenden Fahranfänger bei mehr als fünf Prozent liegt.

Nicht nur mit dem Programm "Könner durch Er-Fahrung" suche die Kreisverkehrswacht gezielt den Kontakt mit jungen Menschen, sondern es gebe auch weitere Sicherheitstrainings, fügt Pyka an.