In mittelalterlichen Schriften und Urkunden finden sich immer wieder erschütternde Berichte über verheerende Brände in den Städten und Dörfern. Kein Wunder, denn die meisten Häuser waren noch aus Holz gebaut, hatten oftmals keine Kamine und die Dächer waren mit Holzschindeln oder Stroh gedeckt. Die kleinste Unachtsamkeit mit offenem Feuer konnte deshalb dazu führen, dass ein kleines Schadensfeuer einen Großbrand auslöste.

Schon sehr frühzeitig erkannten die Landesherren diese Gefahr und erließen in den jeweiligen Stadt- und Dorfordnungen genaue Vorschriften zum Hausbau mit Steinen und Ziegeln. Eigens verfügte Feuerordnungen regelten den Umgang mit offenem Feuer und stellten ein Zuwiderhandeln unter höchste Strafe. Denn wer abgebrannt war, der konnte dem Landesherren keine Abgaben mehr liefern.


Eintrag im Ratsprotokoll

Angesicht dieser strengen Feuerordnungen und Vorschriften, die es auch in Kronach gab, machte dem Autor dieses Artikels ein Eintrag im Ratsprotokollbuch der Stadt aus dem Jahre 1711 mehr als neugierig. Darin bestätigen Bürgermeister und Rat der Stadt, dass in diesem Jahr nur noch fünf Johannisfeuer innerhalb der Stadtmauern gleichzeitig abgebrannt werden dürfen. Man muss sich vorstellen: Innerhalb der Stadtmauern, in der Oberen Stadt! Zwar wird nicht darüber berichtet, wie groß die Feuerstellen waren, aber eine Feuersgefahr ging dennoch von ihnen aus.

Der Originaltext im Ratsprotokoll lautet: "Incidenter (=gelegentlich) wegen villfältigen Johannes Feuer Remedur (= Abstellung eines Missbrauchs) bedacht und dahin geschlossen worden, dass Eins vf den Roßmarckht, Eines bey Hn. Tribl, Eines bey der Kirchen, Eines bey der Martins Kirchen, und Eines bey Sünder mahlerischen Hauß, mehrer aber nit in der Stadt geduldet, und gleich nach der Spörr glockhen durch die Knecht außgelöschet werden; belangend aber die Vorstadt sollen die Hrn. Visitatores die Plätz außsehen und es mit den außlöschen durch die Virtlmaister gehalten werden, wie in der Stadt".

Als Rossmarkt bezeichnete man zu dieser Zeit den südöstlichen Teil des heutigen Marktplatzes. Tribls Haus befand sich in der Lucas-Cranach-Straße, zwei Häuser über dem Scharfen Eck. Das dritte Feuer erlaubte man auf dem Melchior-Otto-Platz. Feuer Nummer 4 brannte auf dem Martinsplatz, in der Nähe vom "Grünen Baum" und das fünfte Feuer auf der Straße vor dem heutigen Amtsgericht. Mit dem allabendlichen Läuten der "Sperrglocke" wurde den Bürgern kundgetan, dass in Kürze alle Stadttore verschlossen werden, und niemand mehr weder in die Stadt gelangen wird noch die Stadt verlassen kann. Am Johannistag zeigte die Glocke zudem an, dass bei ihrem Ertönen die Stadtknechte alle Johannisfeuer gewissenhaft zu löschen hatten.


Einschränkung erforderlich


Geht man der Ursache dieser "Feuer Anordnung" etwas näher auf den Grund, dann kommt man sehr schnell zu dem Schluss, dass, ungeachtet aller Feuerordnungen, am Anfang des 18. Jahrhunderts der Brauch des Feuerabbrennens zu Johanni (24. Juni) in der Stadt derart ausgeufert war, dass eine Einschränkung und ein Einschreiten absolut notwendig wurden. Zwar ist nicht bekannt, wie viele Johannisfeuer damals in der Oberen Stadt brannten. Ihre Anzahl muss jedoch besorgniserregend gewesen sein, sonst wäre man nicht eingeschritten.

In Anbetracht der stetigen Feuersgefahr war bereits im Jahre 1710 die gesamte Stadtbevölkerung aufs Rathaus bestellt worden. Anlass war die Verkündung der neu verfassten Feuerordnung, die jedermann zur Kenntnis nehmen musste. So war jeder Bürger der Stadt verpflichtet, vor seinem Haus einen gefüllten Wassereimer zu stellen, um bei Feuersgefahr unverzüglich eingreifen zu können. Verständlich, dass deshalb vor dem Johannesfest die Stadtverantwortlichen dies besonders überprüfen ließen. Wer gegen den Befehl verstieß, verfiel der Geldstrafe von 36 Kreuzern.

Gleichzeitig fand auch eine Feuerkontrolle der Hausschlöte statt. Als bei einem Bürgerhaus bereits das dritte Mal der Schlot als "mangelhaft" befunden wurde, verfiel der Hausbesitzer der bereits erwähnten Geldstrafe und man eröffnete ihm, dass er innerhalb von acht Tagen eine Reparatur durchzuführen hatte. Bei Nichteinhaltung des Termins solle "der Schloth eingeschlagen" werden. Wer mehrfach die Vorschriften nicht erfüllte, dem drohte zudem das Badhaus, in dem der Hausbesitzer seine Strafe abarbeiten musste.


Auftrag an Viertelmeister

Um die Einhaltung der Feuervorschriften zu gewährleisten, beauftragen die Stadtväter den Viertelmeister Johann Pfaff, für die Sauberkeit der Stadtplätze Sorge zu tragen. Denn eine weitere Feuersgefahr ging von den Backöfen aus. Hier beanstandete das Ratsgremium den davor liegenden Mist, der sich bei unvorsichtigem Hantieren leicht entzünden konnte. Dieser Mist sei beiseite zu schaffen und ganz zu entfernen.

Um die Bevölkerung immer wieder an ihre Pflichten in Sachen Feuervermeidung zu erinnern, zog der Tambour durch die Stadt und verkündete durch Trommelschlag, dass es des Bürgers Pflicht und Schuldigkeit sei, "Wasser vor die Thür zu setzen."


Kein Bier, keine Steaks

Früher war das Abbrennen der Johannisfeuer an den 24. Juni gebunden. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg war es ein erhebendes Gefühl, wenn man auf dem Kreuzbergplateau stehend, ringsum die hell auflodernden Feuer bewundern konnte. Zehn, 15 Feuer waren gleichzeitig zu sehen. Am Feuer wurde gesungen.

Mutige sprangen über die Glut. Es gab weder Bier noch Bratwürste, noch Steaks. Und dennoch war es ein Erlebnis.

Und heute? Die Feuer brennen acht Tage vor und acht Tag nach Johanni. Die Sommersonnenwende wird wie viele andere Bräuche auch als Event vermarktet. Die Zeit, in der wir leben, hat es mit sich gebracht.