Unter dem Motto "Leben und Wirtschaften" hatte der Verein "Unser Frankenwald" zu einer Veranstaltung in die Zecherhalle eingeladen. Nachdem ein Nationalpark Frankenwald vom Tisch sei, so der stellvertretende Vorsitzende Erwin Schwarz, gehe es dem Verein um die Entwicklung des Frankenwaldes und die Frage: "Wie wird es möglich sein, die Entvölkerung zu stoppen?" Der Geschäftsführer des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, Carl von Butler, sprach zudem in einem Impulsreferat über die Grundprinzipien und rechtlichen Rahmenbedingungen eines Biosphärenreservats.


An einem Strang ziehen

Unter den Podiumsteilnehmern war man sich einig, dass man künftig an einem Strang ziehen müsse. Aber was kann man tun, um den Wald und den Frankenwald fit für die Zukunft zu machen?

Der Sägewerker Reinhard Müller-Gei wies darauf hin, dass die Fichte die besten Voraussetzungen im Frankenwald habe. Wenn andere Baumarten nun eingebracht werden, sollte man auch daran denken, wie man diese später wieder verkaufen könne. Die Fichte habe qualitative Vorteile, sie könne für alles verwendet werden. Müller-Gei stellte klar: "Wir verschließen uns dem Waldumbau nicht, doch bisher gebe es keine Garantie, mit welcher Baumart man Probleme lösen kann!"

Für den Junglandwirt Michael Heyder hat seine Branche, trotz der zunehmenden Arbeits- und psychischen Belastungen Zukunft. Allerdings wünscht er mehr Akzeptanz seines Berufsstands innerhalb der Bevölkerung. Zudem appellierte er an die Verantwortlichen, zumindest eine Außenstelle des Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Kronach zu lassen. Der Ebersdorfer sprach von langen Wegen, dies sei auch das große Problem des nördlichen Frankenwaldes. Und: "Die Naturschutzflächen werden zu sehr geschützt!"

"Ich finde es super, dass der Naturschutz seit drei Monaten eine Rolle spielt!", so Wolfgang Degelmann vom Bund Naturschutz Frankenwald. Großes Lob bekam CSU-MdL Jürgen Baumgärtner, der es mit der Idee eines möglichen Nationalparks geschafft habe, Waldbesitzer, Staatsforsten und Bund Naturschutz an einen Tisch zu bringen. "Wir müssen jetzt dranbleiben, bis wir zu einem konkreten Ergebnis gekommen sind." Und er appellierte dahingehend, dass man nicht gleich über ein Biosphärenreservat herziehen, sondern eher darüber reden sollte. Er sprach von einem Leitbild, das der Frankenwald entwickeln müsse, in dem Naturraum geschützt wird. "Wir müssen ein Prädikat schaffen."


Agrotourismus als Chance

Es sei ein Prädikat vorhanden, so der Vorsitzende des Vereins "Unser Frankenwald" und MdL Freiherr Ludwig von Lerchenfeld. "Wir haben das schönste Waldgebiet Deutschlands und darauf sind wir stolz."

Guido Winter, der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, erwähnte den vor fünf Jahren ins Leben gerufene Agrotourismus in der Landwirtschaft. Hier gehe es darum, dass Gäste auf den Bauernhöfen nicht nur übernachten, sondern einen landwirtschaftlichen Betrieb mit allen Facetten erleben können. Bisher gebe es 99 Anbieter. Er wünschte sich, dass der Agrotourismus im Verein "Unser Frankenwald" mit eingebunden werden könnte.


Den Holzbau forcieren

Der Leiter des Forstbetriebs Rothenkirchen, Peter Hagemann, sah in einem Holzkompetenzzentrum, in dem Forschung, die Förderung von Holz und die Ausbildung von Forstwirten eingebunden werden, eine Zukunft. Der Holzbau müsse forciert werden, denn dies sei die Zukunft des regenerativen Bauens. Er begründete auch, warum der Frankenwald die Auszeichnung als schönstes Waldgebiet erhielt. Es gebe hier bayernweit die steilsten Hänge, die entsprechende Forsttechnik und zudem Erfahrungen im Waldumbau.

Bürgermeister Rainer Detsch sprach von Anstrengungen der Kommunen, sich dem demografischen Wandel zu stellen. Er meinte, dass zuerst Perspektiven für die Menschen vor Ort geschaffen werden müssten. Dazu gehörten Mobilität, Infrastruktur, Arbeitsplätze.


"Unterschutzstellung bringt nicht weiter"

Carl von Butler vom Bayerischen Waldbesitzerverband setzte sich mit dem Biosphärenreservat nach den bayerischen, nationalen und nach den Regeln der Unesco auseinander, die teilweise differieren. Die bayerische Regelung will auf Unesco-Standard gehen. Der Regel nach müssten mindestens 30 000 Hektar und maximal 150 000 Hektar zur Verfügung gestellt werden. Diese Flächen seien aufgeteilt in Kern-, Pflege- und Entwicklungszonen. Der Anteil der Kernzone sollte drei Prozent betragen, die Pflegezone rund 17 Prozent. Die Entwicklungszone müsse mindestens 50 Prozent der Gesamtfläche einnehmen. Diese wird nur schwach geschützt.

Von Butler ging anhand des Beispiels Biosphärenreservat Rhön Bayern/Thüringen auf die Jagd ein. Diese findet dort in allen Zonen statt. Allerdings unterliege die Jagd in der Kern- und Pflegezone einer besonderen Beobachtung. In der Kernzone richte sich diese wesentlich auf das Raubzeug. Die Bejagung aus seuchenhygienischen und forstwirtschaftlichen Gründen spiele bei diesen Konzepten keine Rolle. Die Jagdausübung beim Schwarzwild sei sehr sensibel zu sehen. Ihm mache die Schweinepest Kummer. "Diese Krankheit macht nicht vor unseren Grenzen Halt!" Wenn diese da sei, müssten viele Tiere getötet werden. Es sei daher besser, das Vordringen der Schweinepest durch konsequente Bejagung zu verzögern beziehungsweise zu verhindern.

Die Staatsregierung sei sich bewusst, dass der Frankenwald eine sehr schöne Region mit vielen Schutzgebieten sei. "Sonst wären sie nicht darauf gekommen, hier einen dritten Nationalpark einzurichten!". Carl von Butler gab auch ein persönliches Pläydoyer. "Dieser Wald ist so, weil Sie ihn so gemacht haben!" Er forderte die Waldbesitzer auf, weiterhin auf ihr Eigentum zu achten, den Wald zu ehren und zu bewirtschaften. "Dann machen Sie das Richtige!" Er war überzeugt, dass die Waldbesitzer flexibel genug seien, um auf Veränderungen schnell reagieren zu können.

Für Carl von Butler steht fest, dass eine Unterschutzstellung des Frankenwaldes weder die Waldbesitzer, die Landwirtschaft noch den Frankenwald weiterbringe. "Eine Unterschutzstellung ist ein Misstrauen Ihnen gegenüber!" Unverständnis äußerte er über die CSU. Zum einen setze sich die Partei für Klimaschutz, Biodiversität, für mehr Wälder für Erholungssuchende ein - und da sei eine Bewirtschaftung des Waldes unerlässlich -, zum anderen ziehe sie einen Nationalpark in Erwägung. "Der Spagat ist schwierig!"