Die FOS am Rennsteig hat Fuß gefasst. Nun gilt es für die Verantwortlichen, diese private Bildungseinrichtung in Ludwigsstadt auf Kurs zu halten. Deshalb findet am kommenden Freitag, 22. März, um 18 Uhr im Schulgebäude in Ludwigsstadt ein Infoabend statt. "Wir haben für das Schuljahr 2013/14 bereits über 20 Anmeldungen, aber unser Ziel sind 30", betont der Projektleiter und Ludwigsstädter Bürgermeister, Timo Ehrhardt.

In der aktuellen ersten Stufe nehmen 22 Schüler die Gelegenheit wahr, an der FOS am Rennsteig ihr Fachabitur zu erreichen. 15 davon haben sich für den wirtschaftlichen, sieben für den technischen Zweig entschieden.

Wie Timo Ehrhardt erläutert, seien die Verantwortlichen bemüht, das Angebot ständig zu erweitern. Bereits jetzt sei es gelungen, die von Seiten der Bayerischen Staatsregierung geforderten Richtlinien und die Wünsche der an der FOS beteiligten Betriebe - immerhin fungieren rund 30 Unternehmen als Partner - sowie das pädagogische Konzept in Einklang zu bringen. Neben Englisch werden noch zusätzliche Sprachen wie Spanisch angeboten. Auch das Schulgebäude wurde unter die Lupe genommen. So wurde in den ersten Praktika-Wochen der Physik- und Chemiesaal modernisiert.

Weitere Hürden nehmen

Jetzt werden Diskussionen dahingehend geführt, das Angebot der Fachrichtungen zu erweitern. Man denkt daran, neben den bereits vorhandenen Fachrichtungen Wirtschaft und Technik einen sozialen Zweig zu etablieren. "Der Bedarf ist vorhanden", ist Timo Ehrhardt überzeugt. Und in der Tat: Laut Kreiskämmerer Günter Daum besuchen derzeit 63 Schüler aus dem Landkreis Kronach die FOS in Kulmbach, davon sind 19 Jugendliche in der elften Klasse. Jeweils sechs haben sich für den technischen beziehungsweise wirtschaftlichen, sieben für den sozialen Zweig entschieden.

Die Zahlen an der FOS am Rennsteig sind nicht schlecht, dennoch müssen noch einige Hürden überwunden werden, bis aus der "staatlich genehmigten Schule" eine "staatlich anerkannte Schule" wird. Das bedeutet, es müssen mindestens 15 Heranwachsende die Schule besuchen. Zudem müssen mindestens zwei Drittel der Schüler der ersten beiden Jahrgangsstufen das Fachabitur mit Erfolg ablegen. Geht alles nach Plan, kann die FOS am Rennsteig ab dem Schuljahr 2015/16 mit Förderungen der Bayerischen Staatsregierung rechnen.

Die Investitionen

Bis dahin wird die Schule mit rund 250.000 Euro pro Jahr privat finanziert. Der Landkreis Kronach hat für dieses Jahr 125.000 Euro im Haushalt bereitgestellt, die verbleibende Summe wird durch heimischen Unternehmen und Spenden aufgebracht. Insgesamt müssen für die ersten drei Jahre 750.000 Euro berappt werden, 400.000 Euro kommen von den Unternehmern Carl-August Heinz und Nikolaus Wiegand, 300.000 investiert der Landkreis, der Rest kommt durch Spenden und Schulgeld zu Stande.

Projektleiter Timo Ehrhardt und die Projektgruppe sind fest entschlossen, die FOS am Rennsteig nachhaltig zu etablieren und zum Erfolg zu führen. Bleibt jetzt abzuwarten, was aus der von der Frankenwald-CSU angestrebten Außenstelle der FOS Kulmbach in Kronach wird und ob - falls sie denn kommen sollte - diese für Ludwigsstadt eine Konkurrenzsituation schaffen würde.

Außenstelle in Kronach?

"Fakt ist", so Kreiskämmer Günter Daum, "die Kinder werden nicht mehr." Es ist noch nicht lange her, dass es schon einmal solche Bemühungen gegeben hat. Damals wurde eine staatliche FOS-Außenstelle in Kronach sowohl von der Kulmbacher Seite als auch von der Bayerischen Staatsregierung abgelehnt. Und diese Entscheidung gab letztendlich die Initialzündung für die FOS am Rennsteig.


Bericht vom 11. August 2012

Es ist strahlender Sonnenschein und es ist Ferienzeit. Nicht aber für Julia Lattner und Matthias Simon. Sie sind zwei von insgesamt acht Jugendlichen, die am vorbereitenden Englischkurs für die Fachoberschule teilnehmen. Seit Montag drücken die beiden zusammen mit einem Teil ihrer künftigen Schulkollegen die Schulbank.

Von 8 bis 13 Uhr wird Englisch gepaukt. Zusätzlich werden Hausaufgaben erteilt. Kein Murren ist zu hören, im Gegenteil: Die jungen Menschen verfolgen interessiert den Unterricht, stellen Fragen und machen Übungen.
Julia Lattner kommt aus Wallenfels. Rund 40 Kilometer einfache Fahrtstrecke und damit mehr als eine Dreiviertelstunde Fahrzeit nimmt sie in Kauf, um die FOS am Rennsteig zu besuchen. Der Bus bringt sie von ihrem Heimatort nach Kronach, von dort geht es weiter mit der Bahn. "Ich will die besten Voraussetzungen mitbringen", begründet die Realschülerin ihre Teilnahme am Vorkurs. Für sie ist die FOS am Rennsteig eine gute Sache, denn - "mit 90 Euro Schulgeld monatlich halten sich die Kosten im Rahmen und zudem lerne ich während meiner Schulzeit verschiedene Unternehmen kennen". Dass die Wirtschaft sich mit engagiert, sei für sie ein ausschlaggebender Punkt gewesen, sich für Ludwigsstadt zu entscheiden.

Ihr Kollege Matthias Simon kommt aus Tettau: "Ich bin nach der elften Klasse aus dem Kaspar-Zeuß-Gymnasium ausgetreten, war anschließend zwei Jahre bei der Bundeswehr. Nun will ich zumindest das Fachabitur machen!"

Kurze Anfahrtswege

Die FOS am Rennsteig wird eine gute Einrichtung, ist der 21-Jährige überzeugt. Der Tettauer spricht in diesem Zusammenhang von kurzen Anfahrtswegen und von Kontakten mit Unternehmen. "Ich freue mich schon darauf, Unternehmen kennen zu lernen. Ich bin auch sicher, dass wir nicht nur in der Schule, sondern auch von den Partnerbetrieben gefördert werden. Diese Chance will ich mir nicht entgehen lassen!" Lange ist es her, dass er Englisch paukte. Daher besucht er auch den Vorkurs in Englisch. "Es ist eine tolle Möglichkeit, meine Sprachkenntnisse aufzufrischen."

Ihre ersten Erfahrungen mit ihren künftigen Schülern macht derzeit Ulrike Eckhardt. Die Kronacherin wird nun nach ihrer Elternzeit an der FOS die Fächer Englisch und Deutsch unterrichten. "Die Schüler sind motiviert und voll bei der Sache. Man merkt, dass sie erfolgreich sein wollen!"

Alles ist neu

Für sie ist es eine spannende Sache, im ersten Jahr an der FOS unterrichten zu können. Alles sei neu, jeder habe Erwartungen - jeder sei gespannt, wie sich diese Bildungseinrichtung entwickelt. "Und da macht es einfach Spaß, mit dabei zu sein!"

Außerdem ist sie überzeugt, dass der eine oder andere Jugendliche durch die Kontakte mit der Wirtschaft seinen späteren Arbeitgeber finden wird. "Somit können junge Menschen in der Region bleiben!" Erfreut ist auch der Projektleiter der FOS, der Ludwigsstädter Bürgermeister Timo Ehrhardt (SPD). 31 Anmeldungen liegen vor, 25 Schulverträge seien bis dato unter Dach und Fach. Knapp 15 Schüler nehmen an den Vorbereitungskursen in Englisch, Mathematik, Physik und Chemie auf freiwilliger Basis teil.

Die FOS bezeichnet der Projektleiter insgesamt als einen Kraftakt. Viele Hürden mussten bewältigt werden, angefangen von der Finanzierung bis zur Realisierung. Zahlreiche Gespräche mit Vertretern der Partnerunternehmen und Ämtern habe er geführt. Hinzu kam die Auswahl von Lehrkräften, die vom bayerischen Kultusministerium anzuerkennen sind. Weiterhin mussten Anträge zwecks Bewilligung von Förderungen für die Einrichtung der FOS gestellt werden. Sowohl die Projektgruppe, der Träger als auch die beteiligten Unternehmen legen bei der FOS am Rennsteig die Maßstäbe hoch. Es sollen die bestmöglichen Voraussetzungen geschaffen werden. Nicht zuletzt deshalb wird zurzeit die Sanierung des Physik- und Chemiesaals in Angriff genommen.

Zufrieden ist auch der Geschäftsführer der Sabelschule, Michael Wilde. Obwohl er jahrelange Erfahrungen mit Privatschulen vorweisen kann, ist für ihn die FOS am Rennsteig eine Herausforderung. Ihn habe das Engagement der Unternehmer unheimlich beeindruckt, die sich für die FOS in Ludwigsstadt stark gemacht haben.
Beeindruckt habe ihn zudem, wie die Unternehmer ihre Vorstellungen in Gesprächen vorbrachten. Ihre Anliegen wurden im Erstellen des Lehrplans, zumindest was den praktischen Teil betrifft, berücksichtigt.

Während ihrer zweijährigen Schulzeit werden nun die Schüler 80 Tage in mindestens zwei verschiedenen Betrieben verbringen. Dort werden sie sukzessive an die Anforderungen eines Unternehmens herangeführt. Für Julia Lattner und Matthias Simon steht fest, wenn sie diese Zeit hinter sich haben, dann fällt ihnen die Entscheidung der Berufswahl leichter. Und Matthias Simon hofft, dass er später seinen Lebensunterhalt in der Region bestreiten kann.


Bericht vom 13. September 2012

Nicht nur für Bürgermeister Timo Ehrhardt (SPD) ist es ein besonderes Ereignis. Er ist Projektleiter der FOS am Rennsteig und hat zusammen mit der Projektgruppe in den vergangenen Monaten zahlreiche Stunden investiert, um diese langersehnte Bildungseinrichtung zum Tragen zu bringen. Und er freut sich, dass er bereits nach einer Woche Unterricht positive Meldungen einiger Schüler und Eltern verzeichnen kann.

24 Jugendliche nehmen die Chance am Rennsteig wahr, um ihr Fachabitur zu erreichen, um aber auch Kontakte mit den beteiligten Unternehmen zu knüpfen. Immerhin: Rund 30 Unternehmen fungieren als Partner der FOS, dessen Träger die Sabel-Schule in Saalfeld ist. "Der Weg bis hierher ist nicht immer leicht gewesen, aber es hat sich gelohnt", sagt Timo Ehrhardt.

Viele Kontakte und Erfahrungen hat er mit Behörden, Unternehmern, Politikern in den vergangenen Monaten sammeln können. Viele Gespräche wurden geführt. Die FOS bezeichnet Ehrhardt als einen Kraftakt, zumal schon einige Hürden seit der Antragstellung am 19. Oktober 2011 bis zur Genehmigung am 23. August 2012 bewältigt werden mussten. Es mussten Anträge zwecks Fördergelder für die Einrichtung der FOS gestellt werden.

Viele Marketingaktionen

Hinzu kamen zahlreiche Marketingaktionen, die er zusammen mit dem Hauptabteilungsleiter der Heinz-Holding, Thomas Kneitz, durchgeführt habe. In diesem Zusammenhang spricht er von der Vorstellung der FOS an Schulen, in Kommunen, Unternehmen und in den Medien im Landkreis Kronach und in benachbarten thüringischen Gemeinden.

Timo Ehrhardt ist dankbar, dass die FOS am Rennsteig über sämtliche Parteigrenzen hinweg einstimmige Unterstützung fand und dass der Landkreis dieses Projekt mit 300.000 Euro unterstützt. Aber letztendlich: "Ohne das Engagement der Wirtschaft wäre die FOS am Rennsteig nicht zu Stande gekommen!" Und in der Tat: Über 400.000 Euro stellten heimische Betriebe zur Verfügung, damit ein langer Traum endlich wahr wird.

Zufrieden mit der Entwicklung ist auch der Geschäftsführer der Sabel-Schule, Michael Wilde. Insgesamt sechs Lehrkräfte werden in Ludwigsstadt die Jugendlichen zum Fachabitur führen, teilte er auf Anfrage mit. Bei der Auswahl sei darauf geachtet worden, dass die Pädagogen aus der Region beziehungsweise aus dem Umland kommen. Da Schulwesen ja Ländersache sei, musste zudem - entsprechend der bayerischen Ländergesetzgebung - auf die entsprechende Lehrerausbildung geachtet werden. Hier habe es sich als Vorteil erwiesen, dass Sabel ihren Sitz in München hat.

Lehrplan wird konkret

Eine wesentliche Aufgabe sei die Konkretisierung des Lehrplans gewesen. Es galt hier, die von Seiten der Bayerischen Staatsregierung geforderten Richtlinien, die Wünsche der an der FOS beteiligten Unternehmen sowie das pädagogische Konzept in Einklang zu bringen. Zudem wurden neben Englisch, auch zusätzliche Sprachangebote wie Spanisch, Italienisch und Französisch erarbeitet. Weiterhin wurde das Schulgebäude unter die Lupe genommen. Geplant ist nun, während der ersten Praktikawochen den Physik- und Chemiesaal zu modernisieren. Auch denke man an die Einrichtung einer Bibliothek.

Wolfgang Feuerpfeil, der seit Jahren - ebenso wie eine Vielzahl heimischer Unternehmer - zu den Verfechtern einer weiterführenden Schule gehört, ist erleichtert, dass trotz mancher Niederlagen das Projekt weiter verfolgt wurde.

Der Ruf nach einer weiterführenden Schule im Norden existiert seit Jahrzehnten. Im Herbst 2007, als der Verein Rennsteig region im Frankenwald aus der Taufe gehoben wurde, lebte dieser Wunsch wieder auf, so der Vorsitzende.

Ursprünglich hatten die Verantwortlichen eine staatliche Berufsfachschule im Visier, mit dem Ziel, in der Rennsteig-Region einen Abschluss für einen Hochschulzugang erreichen zu können.

Nachdem die Bayerische Staatsregierung verlauten ließ, dass dieser Wunsch nicht zu realisieren sei und auch die Berufsschule in Kronach Bedenken dahingehend anmeldete, dass bei dieser Einrichtung Strukturen geschaffen würden, die eigentlich schon in ihrem Hause vorhanden seien, setzte man sich mit einer Privateinrichtung auseinander.

Privat und länderübergreifend

Es wurde eine private länderübergreifende Berufsfachschule beziehungsweise Fachoberschule in Erwägung gezogen, mit Sitz in Probstzella und Beschulung in Ludwigsstadt. Mit diesem Vorhaben habe man das im Landesentwicklungsplan erwähnte mögliche Mittelzentrum Ludwigsstadt-Probstzella beleben wollen. Während man beim thüringischen Kultusministerium auf offene Ohren stieß, stand das bayerische Kultusministerium diesem Vorhaben skeptisch gegenüber.

Die Zeit verstrich. Letztendlich, so Wolfgang Feuerpfeil sei der Rennsteig-Region zugute gekommen, dass eine staatliche FOS-Außenstelle in Kronach sowohl von Kulmbacher Seite aus als auch von der Bayerischen Staatsregierung abgelehnt worden ist. "Dies ist die Initialzündung gewesen!" Stolz ist er auf die heimischen Unternehmer, die einen Großteil des erforderlichen Startkapitals beisteuerten, dankbar ist er gegenüber dem Landkreis für die Unterstützung und auch gegenüber der Sabel-Schule, die die Trägerschaft übernommen hat.

Dass an der FOS in Ludwigsstadt auf hohem Niveau gearbeitet wird, daran gibt es keinen Zweifel. Schließlich müssen zwei Drittel der Schüler in den nächsten drei Jahren ihr Fachabitur erreichen. Erst dann gibt es staatliche Zuschüsse aus München.

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