Noch immer prangt das rote Hagebau-Logo in riesigen (Klein-)Buchstaben auf dem gleichfarbigen Gebäude in der Kronacher Siechenangerstraße. Gebraucht wird es nicht mehr. Denn nach dem Umzug des Karst-Hagebaumarkts, der in Fröschbrunn eine neue und vor allem größere Heimat gefunden hat, gibt es weder für das rote noch für die restlichen Gebäude auf dem etwa 18 000 Quadratmeter großen Grundstück eine Zukunft.

Sie alle werden komplett abgerissen, um an gleicher Stelle eine Finanzfachhochschule zu errichten (wir berichteten). Offiziell heißt sie natürlich anders. "Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern, Fachbereich Finanzwesen", wird das Projekt in der öffentlichen Ausschreibung genannt.

Dabei handelt es sich um eine Erweiterung der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern (HföD). Die wird ihren Hauptsitz zwar auch weiterhin in Herrsching am Ammersee haben, soll aber erweitert und dadurch teilweise nach Kronach verlagert werden. In rund drei Jahren soll alles soweit hergerichtet sein, dass dort 200 Studenten Seminare in Insolvenz-, Steuerstraf- oder Bilanzsteuerrecht besuchen können.

Wie die künftige Fachhochschule aussehen soll, steht allerdings nicht fest. Noch nicht. Denn die Entscheidung naht. "Am Freitag trifft sich das Preisgericht zu seiner abschließenden Sitzung", erklärt ein Sprecher des bayerischen Finanzministeriums. Gegen 12.30 Uhr wird Finanz- und Heimatminister Markus Söder (CSU) dann vor Ort vorstellen, für welchen Architekten-Entwurf sich das Preisgericht entschieden hat und über den Neubau informieren.


Unter der Lupe

Die Liste mit Entwürfen hat sich inzwischen stark verkleinert. Am 1. März endete die Frist, in der Architekten ihre Ideen beim Staatlichen Bauamt Bamberg einreichen konnten. Etwa 25 Bewerbungen sind in die engere Auswahl gekommen und werden vom Preisgericht nun genauer unter die Lupe genommen. Neben Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) und Markus Söder sind in dem Gremium unter anderem Architekten, Landschaftsarchitekten oder Vertreter der Hochschule in Herrsching zu finden.

Sie können aus den unterschiedlichsten Entwürfen wählen, die sich aber alle an die gleichen Vorgaben halten müssen. Denn das Raumprogramm muss zwingend eingehalten werden. Es umfasst einen zentralen Eingangsbereich (124 Quadratmeter), einen Lehrsaalbereich (2281), eine Mensa sowie einen Küchenbereich (603), sogenannte zentrale Dienste (318), einen Mehrzweckbereich der für Sport oder als Aula benutzt werden kann (1137) und Nebengebäude (133). Für Wohnbereiche sind in der Ausschreibung 4054 Quadratmeter vorgesehen, da die 200 Studenten dort auch alle untergebracht werden sollen.


Was integriert werden muss

Frei steht es den Architekten hingegen, ob sie die Gesamtnutzfläche von 8650 Quadratmetern auf eines oder mehrere neue Gebäude verteilen. Pflicht sind hingegen wieder 124 Pkw-Stellplätze (davon insgesamt sechs barrierefrei), die auf dem Grundstücksareal untergebracht werden müssen.

Im Rahmen des Wettbewerbes wird nun unter anderem geprüft, in welcher Form die Stellplätze am sinnvollsten erstellt werden können. Die vorhandenen öffentlichen Wegeverbindungen durch das Grundstücksareal von Ost nach West als übergeordneter Fuß- und Radweg und die Verbindung von Nord nach Süd als Fuß- und Radweg müssen erhalten und in die Planung der Freianlagen integriert werden.


Trotz der hohen Dichte der Bebauung sollen großzügige und gut nutzbare Freiflächen entstehen. "Ziel des Wettbewerbs ist es, einen gestalterisch hochwertigen und funktionalen Entwurf zu erhalten, der vor allem eine hohe Nutzungsqualität aufweist und die erforderliche Bebauungsdichte überzeugend in das städtebauliche Umfeld einfügt", heißt es in der Ausschreibung.

Laut Medienberichten dürfen die Gesamtbaukosten eine Brutto-Summe von 36 Millionen Euro nicht überschreiten.