"Die Fenster, die wir fertigen, sind keine Standard-Serien. Wir machen alles nach Aufmaß, wir machen Spezialanfertigungen", erklärt Peter Roth (47), der Chef der Roth GmbH in Nordhalben.
Was so unspektakulär klingt, ist eine durch und durch aufregende Geschichte. Denn die Nordhalbener Firma hat Hochsicherheitsaufträge. Derzeit fertigt sie Fenster für ein achtstöckiges UN-Gebäude in New York. Die Sicherheitsvorkehrungen sind immens. "Wir müssen alles dokumentieren. Jede Schraube, jeden Dübel, den wir verwenden. Alles ist vorgeschrieben", erklärt Peter Roth und erzählt, dass sogar Profile, Leisten und Zwischenräume überprüft werden. Denn natürlich muss sichergestellt werden, dass keine Abhörgeräte oder sonstigen verbotenen Dinge in die Fenster eingebaut werden können.
"Seit dem 11. September sind die Sicherheitsvorkehrungen noch höher geworden. Das ist für uns deutlich zu merken", so Peter Roth. Und er hat den Vergleich. Denn er arbeitet seit Jahren viel mit amerikanischen Kunden zusammen - kommt immer wieder als Subunternehmer an hochkarätige Aufträge. So hat die Firma die Eingangstüren in den Warner Barracks in Bamberg vor zwei Jahren erneuert, die Caserna Carlo Edlere in Vincenza Italien mit druckwellenhemmenden Elementen ausgestattet.
Die Fenster für New York sind trotz aller hochkarätiger Aufträge eine echte Besonderheit - vom Innenleben her, aber auch äußerlich. Sie sind mit einer Pulverbeschichtung ausgestattet, haben eine Art Glimmereffekt. "Wir bauen in diese Fenster auch spezielle Stahlteile ein. So etwas hatten wir bisher noch nie", zeigt Peter Roth solch ein Teil.
Die Ecken sind immens schwer und verfügen pro Stück über unglaubliche 35 Kilometer Schweißnaht. Vier Arbeiter sind derzeit nur mit den Fenstern für New York beschäftigt. Doch bis Mitte August müssen sie fertig sein, so Peter Roth. Jedes Fenster bringt, wenn es fertig montiert ist, dank seines aufwendigen Innenlebens 200 Kilo auf die Waage. Nur etwa vier Lieferanten können solche Fenster in ganz Bayern fertigen, erklärt Roth.

15 Mitarbeiter


Sicherheitstechnik ist die eine Sparte, auf die sich die Nordhalbener Firma konzentriert, doch auch öffentliche Bauwerke stattet sie mit Aluminium-Fenstern aus. Und die Fenster werden allesamt in der eigenen Werkstatt gefertigt.
15 Mitarbeiter hat das Unternehmen. Erst vor einem Jahr wurde ein neues Bürogebäude errichtet. Das hat auch etwas damit zu tun, dass der Verwaltungsaufwand und der Genehmigungsaufwand immer umfassender werden.
"Früher haben wir handgemachte Skizzen gehabt, sonst nichts", erzählt Seniorchef Karl Roth (72) und berichtet davon, dass er mit zwei Mitarbeitern und einer Halbtageskraft im Keller seines Hauses angefangen hat. "Die Garage in unserem Wohnhaus war das Lager", so Karl Roth. Damals hat die Firma vorwiegend für andere Firmen Fenster montiert. Die Grenzöffnung bescherte dem Unternehmen einen Boom. Allein in Finsterwalde, Leipzig und Chemnitz hat Roth aus Nordhalben 30 000 Fenster eingebaut. Meistens in Wohnblöcke, meistens Kunststofffenster. "Wir hatten 1994 18 Mitarbeiter und damals haben wir dann auch die Halle gebaut. Dort haben wir dann angefangen, Alufenster selbst zu produzieren", hat Seniorchef Roth die Zeichen der Zeit erkannt. Schon zwei Jahre später war die Halle wieder zu klein, musste erneut angebaut werden.
Inzwischen mischt die Roth GmbH im Kunststofffenstermarkt nicht mehr mit. "Die Kunststofffenster sind aus Osteuropa zu Wahnsinnspreisen erhältlich, das geht zwar auch schon wieder zurück. Aber wir haben uns auf Sicherheit, Brandschutz, Objektschutz der Klassen eins bis drei spezialisiert", so Peter Roth.
Inzwischen müssen die Fenster Anschlägen mit TNT von bis zu 100 Kilo auf eine Entfernung von 15 Metern aushalten. "Da ist viel Stahl drin, da muss viel verstärkt werden. Das Glas kaufen wir zu", sagt Roth.

Einbruch nicht gespürt


Montagearbeiten sind selten geworden. So bauen Vor-Ort-Unternehmer die Fenster aus Nordhalben in New York ein. Auch in anderen Botschaften und UN-Gebäuden der Amerikaner sind heimische Monteure tätig.
Doch hin und wieder gibt es auch Aufträge, in denen die Montage inklusive ist, bei denen wirklich Monteure von Nordhalben in die Welt geschickt werden. Bei der US-Botschaft in Bratislava wurde die Alu-Fassade beispielsweise von deutschen Monteuren vor Ort installiert.
Da die Fensterfirma Roth erst vor einem Jahr das neue Bürogebäude errichtet hat, sind in diesem Jahr - außer in Maschinen - erst einmal keine größeren Investitionen geplant.
Peter Roth ist froh, dass er vom Einbruch im Baubereich so gut wie nichts zu spüren bekommen hat. Aufträge aquirieren, Umsatz halten ist derzeit die Devise. Und natürlich hat die Firma Roth auch mit anderen Aufträgen wie Einkaufszentren, Schulsanierungen, energetischen Sanierungen eine Menge zu tun. So wurde im vergangenen Jahr das Klinikum Erlangen mit Drehsperren und Fliegengitter nachgerüstet oder eine Spielothek in Kronach mit Alu-Türen ausgestattet. Aber auch die Alu-Türen an der Schule Nordhalben sind von Roth.
"Wir machen auch Wintergärten, Haustüren, Fenster für privat - aber immer nur nach Aufmaß, keine Standardprodukte", erklärt Peter Roth.
Die Ehefrau des Juniorchefs Monja Roth hilft natürlich mit: Sie bringt die Schutzfolie auf, damit die besondere Lackierung keine Kratzer und Beschädigungen erleidet.