Schon Ende des Jahres könnte der Landkreis Kronach zu einem Testfeld für automatisiertes Fahren werden. Darum bemüht sich der französische Automobilzulieferer Valeo, der seit einem Jahr am Standort Neuses an Fahrerassistenzen forscht. Bereits im Juni begannen auf der Kronacher Stadtautobahn erste Fahrzeugtests. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir gegen Dezember erste Testbereiche beschließen können", sagt Jörg Schrepfer, der neben dem Standort Neuses auch die Fahrerassistenzforschung Deutschland leitet.

Während auf der A9 zwischen Himmelkron und Triptis das automatisierte Fahren auf der Autobahn erprobt werden soll, sind die Tests für das Verhalten der Fahrzeuge auf Landstraßen in den Landkreisen Kronach, Kulmbach und Hof geplant.
Zum vorgesehenen Testfeld gehören dann auch die jeweiligen Kreisstädte, um dort das Fahren in der Stadt zu testen. Im Rahmen der Tests würden dann zudem fahrerlose Shuttles durch die drei Städte rollen - allerdings nur für die offiziellen Tester. Eingestiegen werden darf in die Kleinbusse freilich noch nicht. "Ich habe so einen Shuttle in Lyon bereits ausprobieren dürfen", sagte Dorothee Bär, die parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur am Dienstag in Kronach. "Ich weiß gar nicht, warum in Deutschland so viele Leute Angst davor haben, wenn es ohne Fahrer fährt."


Bei den Menschen werben

Lust auf die neue Technik könne man aber nicht per Gesetz machen, vielmehr müssten den Menschen die Möglichkeiten deutlich gemacht werden - denn da gebe es einige. "Wenn ein älterer Mensch etwa wegen seines Grauen Stars nicht mehr selbst fahren kann, muss er mit dieser Technik keine Verwandten mehr fragen, ob sie ihn fahren können", liefert sie ein Beispiel.


Video: Neuseser Unternehmen entwickelt Technik für autonomes Einparken

Doch bis es soweit ist, muss noch weiter geforscht werden. Schon in diesem Monat könnte das Förderprojekt "@City" an den Start gehen. In dessen Rahmen würde die Stadt Kronach komplett vom Programm "HD Map" erfasst und als Testgelände verwendet werden. Dabei handelt es sich um eine Software, die autonomes Fahren und Navigieren möglich macht. Das sei eine hohe Anforderung für Sensorik und Pfadplanung, erklärt Schrepfer.


"Größten Kosten-Nutzen-Faktor"

Erhält die Region die Förderung, dienen die Parkhäuser und Parkplätze der drei Kreisstädte auch als Testfeld für automatisiertes Parken oder auch Valet-Parken (Parken eines Fahrzeugs als Dienstleistung).

Eine Zusage für die Fördergelder könnte es schon bald geben. Die Gespräche befänden sich gerade in der abschließenden Phase, teilte Bär mit. Daher könne sie auf diesen Aspekt gar nicht so sehr eingehen. "Die nordöstliche Region Oberfranken sehe ich als guten Testbereich", erklärt sie. Denn im ländlichen Bereich habe das autonome Fahren den größten Kosten-Nutzen-Faktor.


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