Tobias Zinkand (22) fährt in Richtung Bamberg. Um über das Verkehrsgeschehen und die Blitzer auf der Strecke informiert zu sein, läuft sein Radio. Unterwegs bedeutet das aber nervige Senderwechsel. So sah es Anfang 2011 aus. Heute läuft das ganz anders. Das Internet liefert via Facebook alle wichtigen Infos. Und dafür ist er selbst verantwortlich.

"Im Juli 2011 habe ich damit angefangen", denkt der Disponent aus Kronach an den Start der Internetseite "Blitzer Lkr. Kronach & Lichtenfels" (facebook.com/BlitzerKC) zurück. Es dauerte nicht lange, da fand er im Fischbacher Stefan Wich-Herrlein (30) tatkräftige Unterstützung. Im November 2011 ist der Lehrer eingestiegen. Weil er in seiner Freizeit auch noch als DJ unterwegs ist, spult er jedes Jahr etliche Kilometer im Auto ab. Schon aus dieser Erfahrung heraus fand er es wichtig, die Seite noch professioneller aufzuziehen, um noch mehr Leute zu erreichen.


Schon fast 10.000 Likes

"Wir haben uns das in Bamberg etwas abgeschaut", verweist Wich-Herrlein auf die Pionierarbeit in der oberfränkischen Nachbarschaft. Dass die beiden Kronacher gute "Schüler" sind, zeigen die mittlerweile über 9700 "Gefällt mir"-Angaben ihrer Facebook-Seite. Noch Ende 2011 sei die Nachfrage nach der Seite sprunghaft gestiegen, unterstreicht Wich-Herrlein.

Der Erfolg hat aber noch ein drittes Gesicht. Vor etwa eineinhalb Jahren ist aus dem Duo ein Trio geworden. Der Brauer und Mälzer Niklas Hartmann (20) aus Marktzeuln hat sich auf einen Aufruf hin gemeldet, die Probephase bestanden und ist ins Team eingestiegen.

Die drei Betreuer der Seite nehmen die Meldungen von Verkehrsteilnehmern entgegen, die Blitzer an der Straße entdecken. Die Benachrichtigungen werden von ihnen ergänzt, zum Beispiel durch den Straßennahmen oder die zulässige Geschwindigkeit, und auf Facebook veröffentlicht.


Beitrag zu bewussterem Fahren

Warum sie das machen? Viele Blitzer würden an Stellen aufgebaut, an denen es nicht nur um vorsätzliche Raser gehe, sondern an denen Verkehrsteilnehmer auch gerne mal unbewusst etwas zu schnell unterwegs seien, schildern sie ihren Eindruck. Dagegen wollten sie etwas machen. Ihr Engagement trage somit "auch zu einem bewussteren Fahren bei", meint Zinkand. Und da es nicht nur um die Blitzer, sondern auch um wichtige andere Störungen des Verkehrs wie Geisterfahrer, Sperrungen oder Stau gehe, trage die Seite zur Verkehrssicherheit bei.

Damit das Projekt in der Praxis funktioniert, ist jedoch ein hoher Arbeitsaufwand nötig. Der Facebook-Auftritt muss einerseits technisch gepflegt werden, andererseits gilt es, die eingehenden Meldungen zeitnah einzustellen und aktuell zu halten. "Wenn man in der Arbeit eine freie Minute hat, schaut man gleich drauf, ob's was Neues gegeben hat. Und in der Freizeit sowieso", erklärt Wich-Herrlein. Schließlich würde es nicht in ihr Konzept passen, wenn ein Blitzer erst dann gemeldet würde, wenn die Kontrolle schon fast vorbei ist. "Es ist eigentlich schon wie ein Ehrenamt. Es sorgt für Stress, macht aber auch Spaß", stellt der Lehrer fest. Und zumindest familiär haben die Drei noch Freiräume für ihr ungewöhnliches Hobby, sind sie doch alle noch ledig.


Ohne die Nutzer ginge nichts

Bei allem Arbeitseifer würde das Projekt jedoch nicht funktionieren, wenn sich nicht auch die Nutzer einbringen würden. Teilweise greifen die Leute so schnell zum Smartphone, dass die Meldungen schon bei Zinkand und seinen Mitstreitern eingehen, ehe die Messanlagen komplett installiert sind. "Wie schnell ein Blitzer gemeldet wird, kommt auf die Straße an", schildert Hartmann seine Erfahrungen. Und Wich-Herrlein erläutert: "Je größer die Straße, desto schneller haben wir ihn."

Inzwischen ist die Ausbeute des Trios beachtlich. Bis zu etwa 15 Blitzer-Meldungen werden täglich bearbeitet. Dadurch stößt das Trio erneut langsam an seine Grenzen. "Eigentlich könnten wir schon wieder jemanden als Unterstützung gebrauchen", stellen die Blitzer-Warner einmütig mit einem Schmunzeln fest. Dann setzen sie sich in ihre Autos und machen sich auf den Heimweg. Ohne ständige Senderwechsel. Und doch auch ohne geblitzt zu werden.

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