Sie stehen auf Methan- und auf Ammoniakverbindungen. Und bei Schwefelwasserstoffen in der Luft flippen die Hunde der Arbeitsgemeinschaft Mantrailing aus Kronach und Umgebung vor Freude geradezu aus. Methan, Ammoniak und Schwefelwasserstoffe sind gasförmige Verbindungen, die entstehen, wenn menschliche Überreste verwesen. Vor gut zwei Jahren hat die Arbeitsgemeinschaft Mantrailing das Projekt "Human Remains Detection Dog" gegründet und bildet seitdem ausgewählte Tiere zu Leichenspürhunden aus.

Das Projekt "Human Remains Detection Dog" ist auf Anregung der Internationalen Rettungshundeorganisation mit Sitz in Salzburg (Österreich) entstanden, deren Mitglied die Arbeitsgemeinschaft Mantrailing von Anfang an ist. "Rettungshunde werden dazu ausgebildet, lebende Personen zu finden und jene Menschen zu ignorieren, die ein Unglück nicht überlebt haben", erklärt Manfred Burdich von der Arbeitsgemeinschaft: "Das ist natürlich sinnvoll, denn zunächst geht es darum, Leben zu retten. Aber auch die Toten haben ein Recht, in Würde geborgen und nicht - etwa nach einem Hauseinsturz - vom Abräumbagger in Stücke gerissen zu werden". Ein Jahr lang hat die Arbeitsgemeinschaft Mantrailing ein Ausbildungskonzept erarbeitet und seit einem Jahr läuft bereits die Ausbildung.

Trainiert wird an echtem menschlichen Leichengeruch - nicht an synthetischen Ersatzstoffen, um die Hunde nicht fehlzuprägen. Woher der Geruch bezogen wird, ist Geschäftsgeheimnis. Bei diesem Projekt geht es einzig um die Unterstützung bei Katastropheneinsätzen. Denn die Suche nach menschlichen Leichen ist keine Rettung, sondern Hilfe zur Bergung von Opfern. "Der Bereich Forensik" ist und bleibt Aufgabe der Polizei", verdeutlicht Burdich", wir sind keine Hobbykriminalisten."

Die Hunde müssen auf einem Gelände von der Größe eines Fußballplatzes einen menschlichen,etwa reiskorngroßen Geruchsartikel (der auch noch eingegraben sein kann) aufspüren und anzeigen. Aber auch das Training der Hundeführer ist Teil des Projekts. Denn Hundeführer, die im Bereich der Leichensuche tätig sind, stehen dabei unter enormer psychischer Belastung.

Obwohl fast alle teilnehmenden Hundeführer im beruflichen Umfeld häufig mit Leben, Sterben und Tod zu tun haben, darf die Belastung im Einsatzfall nicht unterschätzt werden. Deswegen kann der Verein jederzeit auf professionelle psychologische Unterstützung aus den eigene Reihen zurückgreifen.

Mit dem Projekt "Human Remains Detection Dog" setzt die Arbeitsgemeinschaft Mantrailing erneut Maßstäbe. "Als wir mit der Ausbildung und dem Einsatz von Mantrailern (speziellen Personenspürhunden) begonnen haben, waren wir die ersten und einzigen im Bereich der Integrierten Leitstelle (ILS) Coburg. Mit der Ausbildung und dem Einsatz von Leichenspürhunden sind wir wieder die ersten - nicht nur im genannten Leitstellenbereich, sondern weit darüber hinaus", sagt Burdich.

Finanziert wird dieses Projekt - sowohl die Ausbildung, als auch die späteren Einsätze - ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Trotzdem sind die Sucheinsätze der Arbeitsgemeinschaft kostenfrei.

Und zwar ganz egal, ob ein vermisster Mensch, ein entlaufendes Tier und ein tödlich Verunglückter gesucht wird.

Denn gerade für den Realeinsatz haben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Mantrailing einen eigenen Ethikgrundsatz entwickelt, denn hinter jedem Einsatz verstecken sich menschliche Schicksale. Da wird ein Mensch vermisst - das Ungewisse dabei nagt an allen Beteiligten und hinterlässt tiefe Spuren.

Die Angehörigen treibt die Angst und die Sorge nach dem vermissten und geliebten Menschen umher. Und oftmals werden die Verunglückten nur tot gefunden. Die Angehörigen, die freiwilligen und ehrenamtlichen Helfer, die professionellen Einsatzkräfte von Polizei und Rettungsdiensten - alle stellen sich die selbe Frage: "Haben wir alles richtig gemacht?"

Die Spürnasen
Weitere Projektteilnehmer sind Simone Gerstmayer mit Appenzeller Sennenhund Spike (Kronach), Manfred Burdich mit Berner Sennenhund Barney (Kronach), Sabine Kuhla-Lichenheldt mit Mischling Nana (Steinwiesen), Alexandra Schulte mit Labrador-Retriever Chen Po (Neudrossenfeld), Frank Schulte mit Deutsch-Drahthaar Kliff (Neudrossenfeld) und Helmut Winter mit Malinois Wolfi (Schwanstetten).