Viel ist von der alten Farbe nicht mehr zu sehen. Lediglich auf der Rückseite des Hauses leuchtet die Hauswand noch quietschgelb. "Das passt natürlich nicht zum Osten 1979", sagt Eva Weymann - die genau das ändern soll.
Mit jeder Fahrt der Farbrolle über die Wand schickt die Bühnenmalerin das Haus in der Nordhalbener Gartenstraße ein ein Stück weiter in die Vergangenheit. "Nachdem ich die Wand gestrichen habe, wird dann patiniert", erklärt Weymann, die in diesem zweiten Schritt die Hauswand künstlich altern lässt. Was darunter zu verstehen ist, wird bereits an der Straßenseite sichtbar. Dort wirkt es so, als habe sich eine dunkle Schmutzschicht auf die Hauswand gelegt. Ziel erreicht.


Auf den letzten Metern

Denn zuordnen sollen die Kino-Zuschauer das Gebäude später der DDR Ende der 70er Jahre. In dieser Zeit wird der Thriller mit dem derzeitigen Arbeitstitel "Ballon" spielen, den der Regisseur Michael "Bully" Herbig unter anderen in Nordhalben und Bereichen an der früheren Grenze zu Thüringen drehen wird. Die Vorbereitungen dazu laufen gerade auf Hochtouren. "Vieles befindet sich jetzt auf den letzten Metern und steht vor der Finalisierung", heißt es von der Agentur, die für den Film die Pressearbeit übernommen hat. Das betreffe viele Aspekte. Nähere Angaben möchte die Agentur allerdings noch nicht machen und verweist auf eine Pressemitteilung mit genaueren Informationen zur Produktion, die im Laufe des Monats herausgegeben werden soll.


Was unübersehbar ist

Dass es sich dabei jedoch auch um den Kulissenbau handelt, ist derzeit unübersehbar - schließlich ist Weymann nicht die einzige, die Nordhalben gerade auf Zeitreise schickt. Gleich nebenan arbeitet eine auf Bühnenbau spezialisierte Firma aus Erfurt daran, eine in die Jahre gekommene weiße Garage ebenfalls optisch in die DDR zu transportieren.
Nach Informationen unserer Redaktion soll sie den Ort darstellen, an dem der für die Flucht geplante Heißluftballon (siehe Infokasten) heimlich zusammengebaut wird. Während Eva Weymann das Haus auf der linken Seite bereits beige streichen kann, verkleiden die Erfurter Arbeiter das Gebäude auf der rechten Seite noch mit Holzplatten. Am Ende soll es ähnlich aussehen wie das einstmals quietschgelbe Haus.


Im Fokus der Kameras

Etwa drei Wochen werden die Bauarbeiten an den Nordhalbener Kulissen noch andauern - allerdings nicht nur in der Gartenstraße. Die Garage sei hier zwar das größte Projekt, ist von den Arbeitern zu erfahren, jedoch nicht das einzige. In der Ortsmitte etwa soll aus einer ehemaligen Bäckerei eine Apotheke werden. Noch befinden sich die Kulissen ausschließlich im Fokus der Bühnenbauer, bald aber wohl auch in dem der Kameras. Wenn der Oktober endet, sollen die vor Ort geplanten Außenaufnahmen alle im Kasten sein.


Grau passt ganz gut

Welche Komparsen zu diesem Zeitpunkt fürs passende Ambiente der Szenen sorgen, wird gerade noch geklärt. "Bei der Komparserie sind wir gerade in der heißen Phase", sagt de 2. Regieassistent Johannes Fröhlich.
Am Mittwoch wurden die über 200 Teilnehmer der Castings, die Ende August in Hof, Bad Lobenstein und Coburg stattfanden, darüber informiert, ob sie für den Film in Betracht kommen oder nicht. "Das sind konkrete Anfragen für Drehtage", erklärt Marc Körber von der Agentur "Producer's Friend", die das Casting organisierte.
Mitgeteilt werde in einer solchen Anfrage neben der Gage zudem der Drehtag "und meistens in der Kombination auch ein Terminvorschlag für eine Kostümprobe". 85 Euro beträgt die Tagespauschale für Komparsen. Wer einen Kleindarstellerpart ergattern konnte, kann sogar auf etwa 150 Euro hoffen. Dafür geeignete Kandidaten schnappte sich Fröhlich gleich vor Ort bei den Castings und nahm sie auf Video auf. Auch das diente als Entscheidungshilfe. "Bully schaut sich solch Videomaterial schon an", so Körber.
Und was passiert, wenn die Dreharbeiten beendet sind? Aus der Apotheke müsse wieder eine Bäckerei werden, so die Kulissenbauer. Weymann muss hingegen keine gelbe Farbe nach Nordhalben fahren. "Eigentlich wollte ich das Haus ja wieder gelb anstreichen lassen", sagt dessen Besitzer Ferdinand Schultes. "Aber jetzt gefällt mir das Grau ganz gut." Das passe auch besser zu den Nachbarhäusern, findet der 83-Jährige. Dann aber bitte ohne die extra aufgetragene Patina. "Denn so dreckig sieht das Haus ja schrecklich aus." Eben so wie in der DDR 1979.


Eine spektakuläre Flucht aus der DDR
Inhalt Der Film erzählt die Fluchtgeschichte der beiden thüringischen Familien Strelzyk und Wetzel. Am 16. September 1979 gelang ihnen mit einem selbstgebauten Heißluftballon die Flucht aus der DDR über die innerdeutsche Grenze nach Westdeutschland. Kurz vor der Grenze geht dem Ballon jedoch die Luft aus.

Buch und Film Ihre aufsehenerregende Flucht beschrieben die Strelzyks in einem Buch. Die erste Verfilmung des Stoffs wird der Thriller von Michael "Bully" Herbig jedoch nicht. Bereits 1980 produzierte der amerikanische Medienkonzern Disney den Film "Mit dem Wind nach Westen" (Originaltitel: "Night Crossing"), der schließlich zwei Jahre später in die Kinos kam.

Kinostart Die Premiere für Herbigs Film ist für den 27. September 2018 geplant.