"Ich fühlte mich unwohl dabei, als ich nur zu Hause saß und nichts machte", sagt Solafa Kashash, während sie ein paar Vasen in dem kleinen Innenraum auf die Tische stellt. Alles ist liebevoll eingerichtet und ein dunkelroter Stoff auf den Tischen und Bänken sorgt für eine angenehme Atmosphäre. Der süßlich-würzige Duft des Essens, das mit orientalischen Gewürzen verfeinert ist, lässt vergessen, dass sich die Bar in Kronach befindet.

Mit der Eröffnung ihrer Shisha- und Imbissbar hat sich das jetzt für die 39-jährige Syrerin geändert. Dort bietet sie landestypisches Essen an und nebenbei noch die arabischen Wasserpfeifen.

Flucht nach Deutschland

Mit seinen zwei Kindern floh das Ehepaar zunächst von Aleppo aus in die Türkei. Dort verbrachte die Familie zwei Jahre und hatte ein Nähgeschäft. Als sie sich dort auch nicht mehr sicher fühlten, ging die Reise schließlich nach Deutschland weiter. "In Berlin waren wir ungefähr zwei Wochen und sind dann für weitere zwei Monate in einem Flüchtlingscamp in Bayreuth gewesen", erzählt die 20-jährige Tochter Diana.

Nachdem die vierköpfige Familie ihre Aufenthaltsgenehmigung erhielt, zog sie im April nach Kronach in ihr neues Domizil an der Europabrücke ein. Nach zweieinhalb Jahren Ungewissheit und Unterstützung durch den Staat verdienen sie und ihr Mann endlich ihr eigenes Geld.

Tochter beginnt bald Ausbildung

Das ist auch Diana und ihrem Bruder Omar ein wichtiges Anliegen. Sie hat ihre Sprachkurse alle bestanden und wartet darauf, dass sie finanzielle Unterstützung für ihre schulische Ausbildung erhält. "Wenn das nicht klappt, muss ich mir einen Nebenjob suchen und wieder ein Jahr warten, bis ich mit der Ausbildung zur Apothekerin anfangen kann", erzählt sie.

Ihr Vater versuchte ebenfalls vergeblich einen Job in Kronach zu finden. Das sei aufgrund seiner schlechten Deutschkenntnisse sehr schwierig gewesen, erzählt seine Tochter. Und so entstand nach der erfolglosen Suche nach einer Arbeitsstelle die Idee für ein Geschäft: eine Imbiss- und Shisha-Bar. "Das gab es hier nämlich noch nicht", erklärt Solafa. Dabei bekamen sie viel Unterstützung von Barbara Heinlein, die seit 30 Jahren ehrenamtlich als Flüchtlingsarbeiterin hilft.

Hilfe war selbstverständlich

"Für mich war es selbstverständlich zu helfen. Das würde ich mir auch wünschen, wenn ich in Deutschland alles zurücklassen müsste und in einem völlig fremden Land neu anfangen müsste", sagt Heinlein. Die aktuelle Abschiebesituation mache sie wütend und traurig zugleich. "Das ist eine Katastrophe! Und das hat alles rein gar nichts mit christlichen Werten zu tun", schimpft sie.

Sie half der Familie Kashash bei Behördengängen und den restlichen Umbaumaßnahmen. "Dafür sind wir sehr dankbar, ohne ihre Hilfe hätte das nicht geklappt. Gerade die Formulare waren sehr kompliziert und die Genehmigung hat auch noch so lange gedauert", sagt Diana, während ihre Mutter zustimmend nickt.

Das sei die letzten sechs Monate viel Arbeit gewesen. Menschlich gesehen hält Heinlein die 39-jährige Solafa für eine tolle Frau und findet es schön, dass diese von ihrem Mann unterstützt wird und beide in ihrer Bar gut zusammenarbeiten. "Das ist eine sehr tolle Sache. Wir sollten neue Menschen bei uns nicht als Bedrohung sehen, sondern vielmehr als Bereicherung", sagt die Flüchtlingshelferin überzeugt. So könne man viel voneinander lernen.

Für Barbara Heinlein ist Arbeit ein sehr wichtiger Aspekt für die Integration und die Prävention dafür, dass junge Männer nicht in die Kriminalität abrutschen. Dazu sagt sie: "Sicherlich gibt es einige, die Straftaten begehen. Aber das heißt doch noch lange nicht, dass alle Flüchtlinge so sind!" All die Hetzparolen und Stigmatisierungen sind ihr ein Dorn im Auge, erklärt sie weiter.

Familie Kashash möchte unbedingt in Deutschland bleiben, weil es ihr hier gefällt. "Deutschland hat so viel für uns getan", sagt Solafa Kashas. "Jetzt wollen wir auch etwas zurückgeben." Sie ist jetzt sehr glücklich, dass alle in der Familie schon einen Beruf haben oder wie ihre Tochter eine Ausbildung beginnen. "Wir verdienen unser eigenes Geld und können unser Leben wieder selbst in die Hand nehmen", sagt Solafa mit einem Lächeln.