Seit zwei Jahren erfolgt die Generalsanierung des Kronacher VHS-Gebäudes. Ein Ende der umfangreichen Baumaßnahmen ist nun in unmittelbare Nähe gerückt. Diese Bildungseinrichtung mit großer Tradition präsentiert sich mittlerweile in einem völlig neuen Outfit. Ab 1881 war in diesem Gebäude die ehemalige "königlich bayerische Realschule" untergebracht. Seit dieser Zeit prägt der dreigeschossige spätklassizistische Backsteinbau mit Sandsteingliederung - er ist als Einzeldenkmal in die Denkmalliste eingetragen - ganz markant das Erscheinungsbild der Kulmbacher und Rodacher Straße.

Der repräsentative Solitärbau mit parkähnlichem Baumbestand wirkt wie eine Oase inmitten der Verkehrshektik.

Dem Kronacher Kunstmaler und Zeichenlehrer von Format, Lorenz Kaim (1813-1885), haben wir eine aussagestarke Gesamtansicht von 1881 zu verdanken, die deutlich erkennen lässt, wie das zunächst freistehende Bauwerk auf die Kronacher gewirkt haben mag. Darüber hinaus haben wir Lorenz Kaim hervorragende Kunstwerke, darunter den Schwedensturm auf Kronach 1633, zu verdanken. Unter anderem erinnert die Lorenz-Kaim-Schule an das Wirken des Kronachers, der 38 Jahre die "Volkszeichnungsschule" leitete. Noch im hohen Alter übernahm er 1879 den Zeichenunterricht an der Realschule.

Ab 1879 wurde in Kronach als erste "höhere Lehranstalt" eine vierstufige Realschule gegründet. Aus ihr entwickelte sich später das heutige Kaspar-Zeuß-Gymnasium. 1894 folgte dann die Einrichtung einer sechsstufigen Realschule. Das erste Abitur nach dem Zweiten Weltkrieg bestanden 1949 dreizehn Abiturienten mittlerweile an der Oberrealschule. Die Umbenennung zum Kaspar-Zeuß-Gymnasium geschah 1965.

Die schulischen Aktivitäten begannen in diesem traditionsreichen Gebäude im Jahre 1881. In der Tageszeitung "Fränkischer Wald" wird man in der Ausgabe vom Dienstag, 4. Oktober 1881, zu diesem Top-Ereignis fündig. Dazu die Meldung: "Die Feier der Übergabe des neuen Realschulgebäudes dahier nahm gestern ihren programmmäßigen Verlauf. Vormittags 9 Uhr zogen die Realschüler mit ihren Herren Lehrern unter Vorantritt der hiesigen Musikkapelle in die Stadtpfarrkirche, um dem dort stattfindenden Festgottesdienst beizuwohnen, zu welchem sich auch Herr Regierungsrat Stang als Vertreter der hohen Kreisregierung, ferner die Mitglieder der beiden städtischen Gremien und viele Andächtige eingefunden hatten. Nach Beendigung desselben ging der Festzug zum neuen Realschulgebäude, wo die Übergabe desselben durch Reden und musikalische Vorträge gefeiert wurde. Nachmittags fanden sich zahlreiche Gäste zu einer Unterhaltung im Cammerers-Garten ein, welche durch die gelungenen musikalischen Vorträge seitens der Realschüler sowie durch deren muntere Spiele angenehm überrascht wurden."

Doch bereits am 23. März 1881 informierte der "Fränkische Wald" über die Grundsteinlegung des neuen Realschulgebäudes, die in "würdevoller Weise um 10 Uhr dahier vorgenommen worden war. Bürgermeister Ferdinand Sertorius hielt eine kurze Ansprache und brachte am Schlusse derselben ein ,Hoch' auf Se. Majestät König Ludwig II., den hohen Protektor der bürgerlichen Mittelschulen, aus, in das die Anwesenden mit Begeisterung einstimmten." Der Baubeginn der Realschule erfolgte im Oktober 1880, also vor 140 Jahren.

Nachdem die Oberrealschule 1957 am Langen Steig eine neue Bleibe fand - 1964 kam es dann zur Umbenennung zur Kaspar-Zeuß-Oberrealschule - erfuhr das alte Realschulgebäude von 1881 eine neue Nutzung. Insbesondere die Volkshochschule Kreis Kronach - die Gründung erfolgte 1947 - sorgt bis heute als eine Stätte der Begegnung und der Fortbildung für wichtige Orientierungshilfen. Vor allem nimmt die Erwachsenenbildung einen hohen Stellenwert ein.

Untrennbar verbunden mit der Weiterentwicklung sind vor allem Heinz Stenglein und Elke Grötzner, die diese Einrichtung mit großer Einsatzfreude mitgeprägt haben. Mittlerweile nutzt die VHS das Gebäude - das lediglich sporadische Teilrenovierungen erfuhr - seit 1991. Zuvor fand die Grundschule in diesem Gebäude vorübergehend eine Bleibe.