"Ich will meine ganze Kraft dafür einsetzen, dass die Erfolge der europäischen Einigung nicht zurückgedrängt werden." Es ist einer dieser Sätze, die Carlos Abad mit der Überzeugung eines Mannes sagt, der seit vielen Jahren gegen den Nationalismus streitet und dessen eigener Lebenslauf ein internationaler ist.

"Im Gegensatz zu den meisten Deutschen habe ich mich drei bis viermal bewusst für ein Leben in Deutschland und gegen andere Möglichkeiten entschieden", sagt der 56-Jährige, den die Kronacher Kreis-SPD am Freitag im Rahmen eines Pressegesprächs als ihren Kandidaten für die nächste Europawahl im Mai 2019 präsentierte.


Vorstand unterstützt einstimmig

"Der Kreisvorstand unterstützt den Vorschlag einstimmig", erklärt Ralf Pohl. "Carlos Abad bringt sein Know-how in Sachen Wirtschaftswissenschaften ein und kann auch aufgrund seiner Vita produktiv im EU-Parlament arbeiten", sagt der Kreisvorsitzende über den 56-Jährigen, der im Kreisvorstand als Ausländerbeauftragter tätig ist und dem Bezirksvorstand angehört, wo er als Mitglied im Arbeitskreis Europa wirkt.

Abad hat einen interessanten Lebenslauf: Als Gastarbeiterkind kam der Spanier im Alter von acht Jahren nach Frankfurt/Main. Während 23 andere Familienmitglieder, die ebenfalls in Deutschland lebten, wieder in die Heimat gingen, blieb er hier und studierte in Frankfurt Volkswirtschaftslehre.
Anschließend war er 18 Jahre lang als Manager im internationalen Handel tätig und wechselte deshalb häufig seinen Wohnort. "Ich habe nichts gegen das Reisen, finde neue Orte immer spannend", sagt Abad, der etwa schon 70 Mal in Indien war.

Irgendwann jedoch machte seine Tochter das Ganze nicht mehr mit. "Sie hat gesagt, ich müsse alleine umziehen", erinnert sich Abad an eine vorpubertäre Aussage der heute 23-Jährigen. Außerdem hat der SPD-Kandidat mit seiner deutschen Frau einen 18-jährigen Sohn.


Im Kronacher Raum geblieben

So blieb Abad im Kronacher Raum, wo er zu jener Zeit tätig war. Zunächst lebte die Familie in Ziegelerden; seit sechs Jahren in Küps. Abad hat die Branche gewechselt und lehrt an der Hochschule Hof als Dozent für Spanisch und Wirtschaft.

"Meine Vita zeigt, dass man in Deutschland als Ausländer Chancen hat." In der dritten, vierten Klasse habe Abad kaum Deutsch gesprochen, dann aber Glück gehabt. "Ich hatte gute Lehrer, die sich intensiv für mich einsetzten." Aber er weiß: "Es gibt auch Probleme, die es auszubalancieren gilt."

Käme er ins EU-Parlament, würde er dort seine Reden dreisprachig halten - Deutsch, Englisch und Spanisch. In die SPD eingetreten ist er in Frankfurt 1989, als - wie er sagt - der Oberbürgermeisterwahlkampf rassistische Züge angenommen habe. "Ich sehe mich als Gegenstimme zum Nationalismus. Aus Heimatgefühl darf nicht Nationalismus werden", sagt Abad.

Die wichtigsten Themen des Spaniers aus Küps: Er möchte die Kultur- und Wirtschaftsbeziehungen Europas zum indischen Subkontinent und nach Lateinamerika verbessern und seine Wirtschaftskompetenz einsetzen. "Der Binnenmarkt funktioniert, muss aber um Soziales ergänzt werden." Außerdem ist Abad ein Verfechter der europäischen Einigung: "Die EU kommt viel zu schlecht weg. Der europäische Friede ist die größte Errungenschaft, die wir haben."


Der Weg der SPD-Kandidaten nach Europa


Bundesliste Zwar werden Spitzenkandidaten beworben, offiziell gibt es aber keine Direktwahl. Der Wähler kreuzt die Bundesliste einer Partei an. Wer dort einen guten Platz auf der Liste hat, hat gute Chancen.

Oberfranken
Bis Juli laufen Vorabfagen in den SPD-Orts- und Kreisverbänden, danach wählt ein Unterbezirkstag Vertreter für den Bezirkstag im September. Dort findet die Kandidatenwahl dann statt.