Die beeindruckende Inszenierung des Schauspiels nach Friedrich Schiller fesselte die Zuschauer.
Die Ränge waren voll besetzt, die Erwartungen groß.

Zum Start in die neue Spielzeit stand "Die Jungfrau von Orléans" in einer Bühnenbearbeitung von Rolf Heiermann auf dem Programm. Der Mythos der Gotteskriegerin beeindruckte die Besucher. Dabei punktete das Stück mit reduziertem Bühnenbild, einfachen Kostümen, starken Persönlichkeiten und eindrucksvollen Bildern.


Ein Leben im Schnelldurchlauf


Die Schauspieler fesselten in persönlichkeitsstarken Rollen das Publikum und zeigten das Leben der Johanna von Orléans im Schnelldurchlauf.

Das Bühnenbild ist abstrakt, kubisch und dezent. Während die Zuschauer ihre Plätze in den Rängen des Kreiskulturrings einnehmen, ist auf der Bühne ein Scheiterhaufen aufgetürmt. Die Bühne wird erleuchtet, die Schauspieler versammeln sich, bereiten sich vor, werfen ihre Kostüme über. Ein ungewöhnlicher Start, der Sinnbild für das gesamte Schauspiel ist, denn Heiermanns Inszenierung ist sehr frei.

"Wir müssen umbauen. Das ist das Ende", einigen sich die Akteure über den Beginn des Schauspiels. Der Scheiterhaufen wird abgebaut, der Gerichtsprozess beginnt.


Das Ende kommt gleich zu Beginn


Erzählt wird die Geschichte der "Jungfrau von Orléans" immer wieder mit Rückblenden auf das Leben der jungen Bauerstochter aus Domrémy. Diese wird vom Bischof Cauchon in einem Prozess als Ketzerin verhört. Somit wird das Ende des Dramas gleich zu Beginn Teil der Inszenierung.

Als der Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich tobt und die entscheidende Schlacht um die Stadt von Orléans bevorsteht, hat Frankreich alle Ressourcen aufgebraucht und die Aussichten sind schlecht.


Mit Mut und Überzeugungskraft


Da taucht Johanna von Orléans auf, der die Mutter Gottes erschienen ist. Sie bezeichnet sich selbst als Retterin Frankreichs, will ihr Land befreien und ihren König zum Thron führen. "Mein ist der Helm und er gehört zu mir", entschließt sich die Gotteskriegerin mutig, ihren Visionen zu folgen und ihren Auftrag zu erfüllen.

Mit Mut und Überzeugungskraft gelingt ihre Mission - und aus der göttlichen Retterin wird ein irdisches Mädchen, das im Kriegsgebiet seine Leidenschaft und Schwäche entdeckt. "Du hast den Krieg geliebt", wirft der Bischof ihr am Ende vor. Schließlich soll sie sich der Kirche unterwerfen, ihre Männerkleidung ablegen und dem Irrglauben abschwören.

Während Schiller im Original Johanna von Orléans auf dem Schlachtfeld sterben lässt, wird sie in der Bühnenfassung von Rolf Heiermann auf dem Scheiterhaufen verbrannt.