Durch den Raum schweben die Töne einer Klaviersonate. In der Mitte des Zimmers ist ein marmorner Tisch, auf dem kleine Bronzefiguren stehen. Ringsherum sitzen einige Leute, deren Gespräch sich zur klassischen Musik gesellt. Einen Meter weiter, im Licht der Balkontür, malt Ana Iancu weiße Striche auf eine Leinwand.

Arbeiten, diskutieren, lachen, trinken. So hat sich der Keramiker und Bildhauer Cristian Ianza sein Künstlerhaus in Kleinvichtach vorgestellt, das er vergangenes Jahr gekauft und renoviert hat. Seit Mitte des Monats ist sein Traum mit Leben gefüllt - ein zweiwöchiges Symposium, an dem insgesamt sieben Künstler teilnehmen. Da gibt es nur ein Problem: das Wetter.

Alina-Daniela Deaconu hätte lieber im Garten gearbeitet, den Ianza als eigentliche Werkstatt vorgesehen hat. Der Regen hat das allerdings unmöglich gemacht. "Draußen sind Licht und Schatten ganz anders. Außerdem ist es wichtig für das Gefühl, wenn man draußen in der Natur malt." Die Natur hat auch Ana Iancu vermisst, dafür habe das Symposium andere Vorteile. "Wenn du allein in der Werkstatt arbeitest, erfährst du von den Eindrücken der Leute erst am Ende. Hier sind wir immer im Austausch miteinander."

Apokalypse neben Flößermuseum

Während Ana und Daniela an ihren Bildern malen, sitzen Iorgos Iliopoulos und Vlad-Dan Perianu auf Hockern um den Tisch und unterhalten sich. Für die beiden Bildhauer gibt es drinnen wenig zu tun. Wenn sie große Holz- und Steinbrocken sägen und schleifen, fällt viel Dreck an. Bleibt also nur, draußen zu arbeiten, was die beiden ganz unterschiedlich sehen.

Perianu arbeitet in der Nähe des Flößermuseums an einer Skulptur, die die Apokalypse darstellt. Wegen des Regens "waren wenig Leute bei mir", sagt er. Das sei ihm aber ganz recht gewesen, da er sich kaum mit ihnen unterhalten kann. Er fühle sich unwohl, da er nur wenig Englisch spricht.

Die steinerne Figur direkt vor dem Künstlerhaus ist das Werkstück von Iorgos Iliopoulos. Auch er schützt sich mit einem Pavillon vor dem Regen, braucht aber Seitenwände, dass er nicht nass wird. So zieht der Staub aber schlecht ab und behindert ihn. "Ich werde meine Skulptur dennoch bis zur Vernissage fertig haben", versichert er.

"Wie eine große Familie"

Ianza ist kaum zu seiner Arbeit gekommen. Kochen, einkaufen - darum musste er sich kümmern. Die Schattenseiten einer Künstler-WG auf Zeit. Vielmehr freut er sich über die gemeinsam verbrachte Zeit: "Zu Beginn kannten sich zwar schon einige von uns, aber am Ende der zwei Wochen sind wir eine Familie." Die Ausstellung am Donnerstag ist der Abschluss des Symposiums. Ob bald wieder Künstler nach Kleinvichtach kommen? "Ich hoffe", sagt Cristian Ianza, "das hängt von den Sponsoren ab." Dieses Symposium in Kleinvichtach hat er zumindest fast allein bezahlt.