Wenn sich das alte Jahr dem Ende zuneigt und das neue zum Greifen nah ist, liegt Vorfreude in der Luft, was das kommende wohl bringen mag. Wie könnte man diesen besonderen Abend stimmungsvoller begehen als mit heiter-vergnüglichen Meisterwerken der verschiedensten Genres? Kirchenmusikdirektor Marius Popp an der Kirchenorgel sowie Sopranistin Katrin Küsswetter hatten traumhafte anspruchsvolle Musikliteratur zusammengestellt, für deren Umsetzung es besonderer künstlerischer wie interpretatorischer Qualitäten bedurfte.

"Königliche" Klänge

Mit ihrer reinen und farbenreichen Stimme sang sich Küsswetter - dem treuen Kronacher Stammpublikum in der Christuskirche wohlbekannt - einmal mehr in die Herzen ihrer Zuhörer. Ihr glockenheller Sopran erklang im harmonisch verschmelzenden Zusammenklang mit dem Orgelspiel von Marius Popp, der ihre wunderbare Stimme liebevoll in "königliche" Klänge einbettete. Gemeinsam zeigten sie, was es für herrliche Erlebnismöglichkeiten gibt, wenn sich Worte und Töne zu schönster Zweisamkeit verbinden. In jeder einzelnen gesungenen Phrase verbindet die aus dem Raum Nürnberg stammende Opern- und Konzertsängerin Textausdruck und Klangschönheit, wobei sie sich auch in der heiteren Welt des Gesanges sichtlich wohlfühlt.

Dabei begeistert sie nicht nur mit ihrer großartigen Stimme, sondern auch mit Charme und Emotionen, die jedoch nie übersteigert wirken.

Einfach köstlich

Das von ihr spritzig-prickelnd und mit schauspielerischem Können dargebotene "Schwips-Lied" aus der Strauß-Operette "Eine Nacht in Venedig", bei dem sie auch gekonnt mit dem Publikum kokettierte: "Mir ist auf einmal so eigen zumute. Irgendwas prickelt und kitzelt im Blute..." Ihre Adele aus der "Fledermaus", ebenfalls aus der Feder von Johann Strauß jr., kam keck und schnippisch daher; Mit ihrem weichen - auch in den Höhen ästhetisch reinen - Sopran umschmeichelte sie die Ohren ihrer Zuhörer bei der Arie der Olympia "Les oiseaux dans la charmille" aus der Jacques-Offenbach-Oper "Hoffmanns Erzählungen", die sie ebenso mit bewunderungswürdiger Gesangstechnik und musikalischer Kraft interpretierte wie die Arie der Musetta aus "La Bohème". Das geht unter die Haut; das ist große Puccini-Kunst.

Nicht minderen musikalischen Glanz erhielt die Silvester-Gala durch das Spiel von Marius Popp an der Orgel. Mit Orgelmusik verbinden viele Menschen oftmals nahezu ausschließlich getragene Kirchenlieder. Doch weit gefehlt: Der Dekanatskantor zeigte, dass die romantische Steinmeyer-Orgel auch "heiter" kann. So ließ er gleich zu Beginn die "Leichte Kavallerie" von Franz von Suppé in das Gotteshaus einziehen. Immer wieder meinte man im Publikum, ein Orchester zu hören; so vielfältig kann Orgelklang sein - auch beim berühmten "Radetzky-Marsch" von Johann Strauß (Vater) sowie bei der rasanten - als musikalisches Ratespiel gestalteten - "Petersburger Schlittenfahrt".

Am Ende des - erstmals von der Empore hinab in das Kirchenschiff übertragenen - musikalischen Reigens dankte das Publikum mit Rhythmusklatschen ebenso wie mit Standing Ovations, wofür dieses mit zwei wunderbaren Zugaben belohnt wurde. Auf vielfachem Wunsch ließ Küsswetter noch einmal die Vorjahres-Zugabe "O mein Papa" aus dem "Feuerwerk" erklingen - und "natürlich" kam sie auch nicht "davon", ohne vorher noch einmal das "Schwips-Lied" angestimmt zu haben. Derart beschwingt, wurde das Publikum in die kalte Silvester-Nacht entlassen wie auch in ein neues Jahr voller neuer kirchenmusikalischer Höhepunkte in der Christuskirche.

Perfekte musikalische Mischung

Eingebettet in das Programm waren zwei Lesungen von Achim Durynek aus seinem Buch "Unterm orangenen Baum". Sein Erstlingswerk mit dem Untertitel "Kronacher Krippenkinder" umfasst auf 260 Seiten phantasie- und geheimnisvolle, heitere und nachdenkliche Kurzgeschichten aus Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft sowie eigene Gedichte und Zeichnungen. Zu Gehör brachte er "Helena-Herfisch-Hype" sowie "Benny". In "Helena-Herfisch-Hype" geht es um ein schwer krankes Mädchen und deren Begeisterung für die Tanz- und Singgöttin "Helena Herfisch". In der Mitte der Erzählung ließ Popp den folkloristisch geprägten "Feuertanz" des spanischen Komponisten Manuel de Falla auf der Orgel erklingen. Eine nette Alltags-Episode, über die man einfach schmunzeln muss, ist "Benny" - der hässlichste Hund, dem Durynek je in seinem Leben begegnet ist.