Gefährliche Falter oder harmlose Raupen? Gute Frage - die sich momentan auch Mitglieder der Facebook-Gruppe "Kroniche" stellen. Ein Mitglied hat ein verpupptes Insekt an Sträuchern in Dörfles entdeckt und ist verunsichert: Handelt es sich hierbei um die gefährlichen Eichenprozessionsspinner, vor dessen gefährlichen Brennhaaren immer wieder gewarnt wird? Oder entpuppt sich der Fund als harmlos?

Fragen, die das Landratsamt Kronach beantworten kann. Wir haben für Sie die wichtigsten Antworten zusammengetragen.

1. Woran erkenne ich, dass es sich um den für Mensch und Tier gefährlichen Eichenprozessionsspinner handelt?

Wie der Name schon verrät, leben die Raupen des Eichenprozessionsspinners tatsächlich hauptsächlich an Eichen - tauchen aber in starken Befallsjahren auch an anderen Bäumen, insbesondere an der Hainbuche auf. Die weißen Gespinste der Raupen ähneln einem Nest, das am Stamm des Baumes hängt. Zu Beginn sind die Tiere gelblich-braun, später graublau bis schwarz und können bis zu fünf Zentimeter groß werden - dabei ist ihr Körper vollständig mit den gefährlichen Brennhaaren bedeckt.

Verwechslungsgefahr besteht mit Gespinstmotten, die oft ganze Sträucher spinnwebenartig mit einem weißen Schleier einhüllen - aber völlig ungefährlich für den Menschen sind. Man findet sie vor allem auf Traubenkirschen, aber auch auf Weißdorn, Pfaffenhütchen, Pappeln und Weiden. Die Raupen sind unbehaart und gelblich gefärbt mit schwarzen Punkten.

2. In welchen Monaten sollte man besonders aufmerksam sein?

Die Raupen schlüpfen bereits Anfang Mai - in den ersten beiden Larven- beziehungsweise Raupenstadien besitzen sie allerdings noch keine Brennhaare. Und eben diese sind das Gefährliche für den Menschen. Erst vom dritten bis zum letzten Larvenstadium, also bis zur Verpuppung, entwickeln sich die feinen mit Widerhaken versehenen Härchen. Bereits bei leichter Berührung fallen sie ab und können mit dem Wind über weite Strecken transportiert werden. Am kritischsten ist die Zeit von Ende Juni bis Anfang Juli.

Es folgt die sogenannte "Puppenruhe" für drei bis fünf Wochen. In dieser Zeit befinden sich die Tiere in den Nestern beziehungsweise Gespinsten. Danach fliegen die kleinen Nachtfalter aus - doch die Gefahr ist nicht vorüber. Die Gespinste bleiben weiter am Baum, inklusive der Brennhaare - manchmal bis ins darauffolgende Jahr, wobei sich die Nester in der Regel durch die Witterung mit der Zeit auflösen.

3. Wie soll ich bei einem Verdacht vorgehen? Wo kann ich mich melden?

Wer Bäume entdeckt, die befallen sind, sollte die betreffenden Areale meiden und sich zunächst mit der jeweiligen Gemeinde in Verbindung setzen. Beraten können - je nach Fragestellung - das Gesundheitsamt, die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt sowie das Gewerbeaufsichtsamt. Ist der Befall im Wald, kann auch die Bayerische Forstverwaltung um Unterstützung gefragt werden.

4. Was passiert nach der Benachrichtigung? Welche Schritte werden eingeleitet?

Für Wald- beziehungsweise Baumschutzmaßnahmen ist grundsätzlich der Grundstückseigentümer zuständig. Die Sicherheitsbehörden (in der Regel die Gemeinden) können allerdings Einzelfallanordnungen zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners erlassen.

Das Sachgebiet für Öffentliche Sicherheit und Ordnung beim Landratsamt kann die Gemeinden beratend unterstützen. Beseitigt werden sollten die Raupen und Gespinste nur von ausgebildeten Schädlingsbekämpfern.

5. Wie verhalte ich mich in der Zwischenzeit, wenn der Befall an einem Weg oder in meinem Garten ist?

Wer Nester oder Raupen sieht, sollte Abstand wahren und sich nicht unter den Bäumen aufhalten - und sie keinesfalls berühren. Auch Arbeiten unter oder in der Nähe der Bäume sollten vermieden werden, da die heruntergefallenen Brennhaare aufwirbelt werden könnten - die abgebrochenen, fast nicht sichtbaren Brennhaare bleiben auch giftig, wenn sie etwa an Schuhen oder Pullovern haften.

6. Kann ich mich irgendwie schützen und präventiv etwas tun?

Bei Befallsverdacht können die Bäume vorsorglich im Spritzverfahren mit biologischen Mitteln besprüht werden. Dies muss aber vor dem dritten Larvenstadium erfolgen, solange die Raupen noch keine Brennhaare ausgebildet haben - und von Fachpersonal übernommen werden.

7. Wie gefährlich ist der Kontakt, welche gesundheitlichen Risiken bestehen?

Nach Kontakt mit den gefährlichen Brennhaaren kann es zu Hautentzündungen, Quaddelsucht und in Einzelfällen sogar zu einem allergischen Schock kommen. Die Folge ist oft starker, mehrere Tage andauernder Juckreiz. Beim Einatmen herumfliegender Härchen drohen zudem Atembeschwerden wie Bronchitis.

8. Wie verhalte ich mich, wenn ich doch in Kontakt mit den gefährlichen Brennhaaren gekommen bin?

Nach dem Kontakt sollte man sofort die Kleidung wechseln, sich schnellstmöglich duschen und die Haare gründlich waschen. Die Augen sollten mit Wasser ausgespült werden. Hautreaktionen können lokal mit Cortisonhaltigen Salben behandelt werden.

Bei starkem Juckreiz, ausgeprägten Hautreizungen, Kreislauf- oder Atembeschwerden oder Augenentzündungen empfiehlt es sich aber besser, einen Arzt aufzusuchen.

Quelle: Landratsamt