Die weiß-grauen Rauchschwaden, die am Sonntagmorgen über den Melchior-Otto-Platz zogen, waren schon von Weitem zu sehen. Auch der laute Donnerhall war in der gesamten oberen Stadt zu hören. Als Ehrensalut an den Fürstbischof wurden auch heuer - nach dem feierlichen Lobamt in der Stadtpfarrkirche - bei der Ehrensäule mit dem Stadtwappen Schüsse aus den Lunten-Musketen abgefeuert.

Stadthauptmann Walter Schinzel-Lang hatte hierzu der Cronacher Ausschuss-Compagnie das Kommando erteilt. Auch ein Kanonenschuss erfolgte mit einem ohrenbetäubenden, alles übertönenden Kawumm. Hierfür zeichnete die historische Bürgerwehr Kronach unter Leitung von Hauptmann Karl-Peter Wittig verantwortlich.


Konfessionen vereint

Die historischen Gruppen waren zunächst in ihren schmucken Gewändern vom Alten Rathaus in der urkundlich vorgegebenen Formation zusammen mit "Oberbürgermeisterin" Angela Hofmann und den Ratsherren zur Stadtpfarrkirche gezogen. Hier wurde das feierliche Lobamt begangen, an dem auch viele evangelische Christen teilnahmen.

"In unserer Geschichte verwirklicht sich Gott", zeigte sich Regionaldekan Thomas Teuchgräber in seiner Predigt sicher. Dies verlaufe nicht immer geradlinig. Wir dürften uns aber sicher sein, dass Gott immer mit uns gehe und uns nie verlasse. Die Bibel erzähle von Grunderfahrungen, die wir alle kannten - Hoffnung, Furcht, Angst, Klage und Dank. Manche Geschichten und Gleichnisse berührten uns sofort, mit anderen täten wir uns zunächst schwer.

Anderseits sei manchmal das, was früher für uns einmal klar gewesen sei, mittlerweile nun nicht mehr so einfach zu verstehen. "Das liegt daran, dass bei uns andere Erfahrungen dazugekommen sind", so Teuchgräber. Jedes Wort habe seinen günstigen Zeitpunkt, wann es besonders bei uns ankomme. In biblischen Texten werde hierfür das Wort Kairos für einen von Gott gegebenen Zeitpunkt verwendet - eine besondere Chance und Gelegenheit.

Mitglieder der historischen Szene trugen die Fürbitten vor. Für die tief berührende musikalische Umrahmung des Lobamts zeichneten junge Schüler und Schülerinnen der Berufsfachschule für Musik Oberfranken in Kronach verantwortlich. Solo oder vierhändig brachten die Kinder, die von Yvonne Preising unterrichtet werden, stimmungsvolle Klavierstücke aus verschiedenen Zeitepochen bis hinein in die Neuzeit zu Gehör.


Dank für Tapferkeit im Krieg

Nach dem Gottesdienst versammelten sich auf dem Platz vor der Stadtpfarrkirche die Honoratioren der Stadt, Stadtvogt und Viertelmeister, die Kronacher Bürgerwehr, die Ausschusscompagnie und viel historisch gewandetes Volk. Sie alle gedachten am sogenannten "Ewigen Jahrtag" des großherzigen Gönners der Stadt. Fürstbischof Melchior Otto, Voit von Salzburg, hatte 1651 Kronach mit einem neuen, adeligen Wappen, den (Ober-)Bürgermeister mit einer "güldene Kette" und die Ratsherren mitdem spanischen Habit bedacht - als Belohnung für die Kreisstädter für ihre Tapferkeit und Treue im Dreißigjährigen Krieg.

An die Großherzigkeit des damaligen bambergischen Landesherrn erinnern die Melchior-Otto-Säule und die Benennung des Melchior-Otto-Platzes in der Oberen Stadt. Die steinerne Säule mit dem "neuen" Stadtwappen wurde von den Kronacher Bürgern aus Dankbarkeit errichtet. Noch zu Lebzeiten gestiftet, versprachen sie, Melchor Otto nach seinem Tod am 4. Januar 1653 zu Ehren ein jährliches Lobamt am "Ewigen Jahrtag".

Diesen Schwur halten sie noch immer - nunmehr 363 Jahre nach seinem Tod -, seit rund zehn Jahren mit Beteiligung der historischen Gruppen. Stadtvogt Hans Götz ging auf die Verbindung des Melchior-Otto-Tags mit dem Sebastiani-Fest ein; wird doch der Gedenktag traditionsgemäß am Sonntag nach Sebastiani begangen. Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann erinnerte an die großzügigen Geschenke beziehungsweise Privilegien, mit denen der einstige Landesherr die Kronacher bedacht hatte. Sie dankte allen historischen Gruppen und Vereinen, die den "Ewigen Jahrtag" feiern und diese schöne alte Tradition mit aufrecht erhalten.


Es geht auch um Kirchenpolitik

Eine schöne Tradition ist auch der kirchenpolitische Akzent des Gedenktages. Alljährlich treffen sich nach der Ehrbezeugung die örtlichen Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche, um mit den Stadtoberen anstehende Probleme zu besprechen - so auch heuer im Pfarrsaal von St. Johannes. Dabei berieten sie im Zeichen der Ökumene über die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Kommune.

Neue Mitglieder

Sehr freute sich Hauptmann Karl-Peter Wittig über die Neuaufnahmen der fünf neuen Kanoniere beziehungsweise Schützen - Max Werthmann, Matthias Söllner, Benedikt Schmidt, Tobias Heinlein sowie Andreas Philipp - in die historische Bürgerwehr Kronach. Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann sowie Regionaldekan Thomas Teuchgräber händigten den neuen Mitgliedern ihre Orden aus, die diese mit einem dreifachen "Ave Maria" zum Lobe der Gottesmutter annahmen.