In der Vogtlandbahn zwischen Cheb und Marktredwitz in der Nähe des Grenzübergangs Schirnding/Schiene klickten die Handschellen: Am 5. Februar 2017 gegen 16.40 Uhr nahmen deutsche Polizeibeamte einen 37-Jährigen und seine zum Tatzeitpunkt 17-jährige Freundin fest. Bei der jungen Frau, die aus Mitwitz stammt, und ihrem Lebensgefährten aus Coburg fanden die Fahnder neben Bargeld in Höhe von 700 Euro auch Crystal Speed und ein Notizbuch, das auf einen Verkauf der Ware hindeutete. Das sagte ein Polizeibeamter aus, der das Pärchen an jenem Tag durchsuchte und nach dem Drogenfund schließlich verhaftete.

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten deshalb unerlaubte Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sowie gemeinschaftlichen gewinnbringenden Weiterverkauf, strafbar als unerlaubtes Handeltreiben vor. Der in Coburg wohnende, gebürtige Forchheimer und seine 17-jährige Freundin, die zeitweise auch in Coburg und im Landkreis Coburg wohnte, sollen die Drogen am selben Tag im tschechischen Cheb von einem unbekannten Dealer erworben haben. Das von den Beamten sichergestellte Crystal Speed wies laut Staatsanwaltschaft einen Wirkstoffgehalt von über 45 Gramm Methamphetaminbase auf.
Bereits zu einem früheren Zeitpunkt, voraussichtlich im Januar, soll das Pärchen in Tschechien Drogen eingekauft und diese an Abnehmer in Coburg verkauft haben, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Dabei soll laut Anklage der Wirkstoffgehalt des Crystal Speeds mit 70 Gramm deutlich höher gelegen haben als bei der Tat Nummer zwei.

Weil die junge Frau noch minderjährig ist, wurde ihr eine Sachbearbeiterin der Jugendgerichtshilfe zur Seite gestellt. Außerdem wird der Fall vor der Ersten großen Jugendkammer verhandelt. Ein bestellter Gutachter beobachtet den Prozess und soll zum Drogenkonsum der beiden Angeklagten Stellung nehmen.
Beide Angeklagten räumten die gegen sie erhobenen Vorwürfe ein. Zur Tat also solches aber wollten sich weder die 17-Jährige noch ihr 37-jähriger Freund äußern. "Weitere Erklärungen werden nicht abgegeben", sagte der Coburger Verteidiger des Mannes, Albrecht Freiherr von Imhoff. Die junge Frau, die mit ihrer Mutter zur Verhandlung erschien und zur Zeit eine Ausbildung im Landkreis Coburg absolviert, kam bereits ab dem 14. Lebensjahr mit Drogen in Kontakt. Zuerst habe sie Marihuana probiert, später Pilze, Koks, Kräuter und Speed, gab sie an. Im Alter von 15 Jahren seien Ecstasy und Crystal ins Spiel gekommen. Letztendlich habe sie täglich ein Gramm Crystal geraucht oder "in Lines gezogen". "Das hat sich dann ein bisschen ausgeartet mit den Drogen", erklärte die 17-Jährige.
Dem Gutachter gab sie nur bedingt Auskunft: Sie habe pro Gramm rund 90 Euro bezahlt, soviel verriet sie noch. "Wenn Sie jeden Tag konsumieren, sind in zehn Tagen 900 Euro weg", erklärte dieser und fragte nach der Finanzierung ihres Konsums. "Das kostet Geld, das wächst ja nicht auf dem Baum." Diese Frage allerdings konnte oder wollte die Angeklagte nicht mehr beantworten. "Ich weiß nicht, wo es herkam, ich hatte es einfach", erklärte die junge Frau, "es war immer etwas da." Für den Gutachter war klar: "Das ist ein richtig schwerer Missbrauch, den Sie da betrieben haben." Auch die Mutter der Jugendlichen kam zu Wort. Sie habe schon gemerkt, dass ihre Tochter drogenabhängig sei, gab sie an. "Das musste ich sie nicht fragen, das hat man gesehen." Sie machte den Freundeskreis der Tochter dafür verantwortlich und schaltete auch das Jugendamt ein. Dort habe ihre Tochter allerdings geleugnet, süchtig zu sein, erklärte sie.
Mittlerweile sei die 17-Jährige wieder auf "einem geraden Weg": "Jetzt ist meine Tochter wieder so, wie sie es vorher war." Der 37-Jährige gelernte Schreiner, der in Fußfesseln vorgeführt wurde, hat eine lange Drogenkarriere hinter sich. Marihuana sei sein Einstieg gewesen, informierte er die Richter. Da war er 17 Jahre alt. Ab dem Jahr 2000 habe der Angeklagte Crystal Meth konsumiert. Nach seiner Scheidung und seinem Umzug nach Coburg sei es richtig "rundgegangen". "Da war der Konsum tagtäglich", erklärte er. Seitdem er in der Justizvollzugsanstalt in Hof einsäße, habe er allerdings nichts mehr genommen. Er habe nachgedacht und wolle auf jeden Fall eine Therapie machen. Bisher sei er immer der Meinung gewesen, er habe das nicht nötig. "Ich habe mir selber eingebleut, du brauchst keine Hilfe (...), ich kann auch so funktionieren", gab er an.
Der Prozess wird am nächsten Freitag, 15. Dezember fortgesetzt.