"Der Treuner hat damals 100 Mark auf den Tresen geknallt und gesagt: Ab morgen legt der Schäck im Don Quichotte auf", erzählt Karlheinz Schäck und muss selbst über die Situation lachen. Damit war der heute 67-jährige nicht nur der erste Haus- und Hof DJ der Kult-Diskothek in Rothenkirchen, sondern vor allem auch der erste, für den eine Abfindung gezahlt wurde.

Schäcks "DJ-Karriere" beginnt schon Ende der 60er-Jahre, sein Werdegang als Musiker schon viel früher. Bereits als Kind habe er den Rhythmus im Blut gehabt, 1965 sitzt der damals 14-Jährige beim ersten Auftritt seiner Band "Avengers" in Kleintettau hinterm Schlagzeug. Seine Nachfolgeband, die "Muffins", seien damals "die Kultband in Kronach schlechthin" gewesen. Diese Kultband tingelte dann durch die "Kultsäle" der Region. "Damals haben ja nur die Tanzsäle gegolten", erinnert sich Schäck. Tanzmusik von 19 Uhr bis kurz nach Mitternacht. "Aber es war immer proppenvoll", sagt er. Zu den angesagten Adressen gehörte seit Ende der 60er-Jahre auch der Treuner Saal "Zum Goldenen Hirschen".

Seine ersten DJ-Gehversuche machte Schäck dann im Eiscafé "Delfino" am Bahnhof in Kronach. "Ganz simpel mit zwei Plattenspielern, zwei Verstärkern und einem kleinen Mischpult", sagt er. Bei den "Tanztees" in der Eisdiele lernt er auch Thomas Gottschalk kennen. Eine Zeit lang spielten die Discjockeys im Wechsel in Kronach und im Kulmbacher "Old Castle". Ob in Kulmbach, in Frohnlach in "Caroll's" oder im "Flash" oder im "Waikiki" in Kronach - Schäck ist überall mit von der Partie und steht hinterm DJ-Pult.
Der Tresen des Waikiki ist es auch, auf den Rainer Treuner damals die großzügige Ablöse knallt und Karlheinz Schäck als ersten Haus- und Hof-DJ des "Don Quichotte" engagiert. Und das mit Genehmigung von "ganz Oben". Schäck legt damals als einer der Ersten eine Prüfung bei der DDO ab, Den Ausweis der "Deutschen Disc-Jockey-Organisation" hat er bis heute aufbewahrt. Ganze Alben füllen Erinnerungsstücke aus der damaligen Zeit: Fotos, Zeitungsberichte und Autogrammkarten.
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Für ein Datum braucht Schäck keine Gedächtnisstütze: Den 25. Januar 1979. Die große Eröffnung des "Don Quichotte" hat der Schlagzeuger noch lebhaft in Erinnerung: "Das war damals eine Aktion da oben, da war was los." Mit von der Partie ist unter anderen das Schlager-Duo "Phil&John" ("Hello Mary Lou") und natürlich Schäck als DJ. "Das hat es vorher nicht gegeben", sagt er, "das waren schon die Highlights, wenn man so eine Band da oben hatten".

Und er habe sie alle nach Rothenkirchen gebracht: Hoffmann und Hoffmann, Pur, Münchner Freiheit, Wolfgang Ambros, Arabesque und viele mehr. "Der Petry war Stammgast", sagt Schäck stolz. Denn sein Job im "Don Quichotte" beinhaltete mehr als Musik aufzulegen. Veranstaltungen planen, organisieren, Bands buchen und betreuen. Das alles lag in der Hand des DJs.
Für viele Künstler sei das "Don Quichotte" damals ein Sprungbrett gewesen - sozusagen vom Frankenwald in die ZDF-Hitparade. "Das ,Don Quichotte" hat vielen den Weg geebnet, weiter zukommen", sagt Schäck und nennt dabei die Sängerin Nicki.

Zu vielen hat er heute noch Kontakt. "Das war beim Treuner immer ein Familienfest", schwärmt Schäck. Die Gemütlichkeit, das Miteinander, all die Partnerschaften die auf und neben der Tanzfläche entstanden seien, das sei einzigartig gewesen. "Und natürlich die top Musik die wir aufgelegt haben", lacht er. "Die Musik aus diesen Zeiten, die vergeht nicht."

Später wird aus dem "Don Quichotte" das "Brünnla" - heute trägt der ehemalige Treuner-Saal den Namen "Ursprung". Alles kein Vergleich zu damals, sagt Schäck. "Es war einfach ein anderes Flair, eine schöne, gemütliche Zeit." Sicher habe es auch mal Stunk und Schlägereien gegeben. "Aber nicht wie heute. Da hat vielleicht mal einer eine auf die Waffel bekommen, aber danach saßen die zwei wieder zusammen an der Bar." Ob er die schöne Zeit von damals nicht noch einmal aufleben lassen will, einen Revival-Abend vielleicht? "Das ,Don Quichotte", das kann man nicht wiederholen - und man soll eben aufhören, wenn es am schönsten ist."