Für Touristen gehört das Bild zum Pflichtprogramm: Der Anblick der Festung, die über den historischen Gebäuden der Oberen Stadt thront, ist einfach zu verführerisch, um nicht doch schnell ein Foto zu schießen. Erst Recht, wenn die Sonne untergegangen ist. Während Scheinwerfer das Kronacher Wahrzeichen hell ausleuchten, ist im Vordergrund das Steinerne Wehr in ein warmes blaues Licht getaucht. Um 23 Uhr findet das farbige Lichtspiel allerdings ein jähes Ende.

Dass die Nacht in bayerischen Städten und Gemeinden wieder dunkler wird, geht auf das erfolgreiche Volksbegehren "Rettet die Bienen" zurück. Seit dem 1. August 2019 besagt nämlich das neue Bayerische Naturschutzgesetz, dass überprüft werden muss, welche Auswirkung auf Insekten eine Lichtquelle hat, die in einem Außenbereich angebracht wird.

Für wen das Gesetz nicht gilt

So soll die sogenannte Lichtverschmutzung - wie sie etwa durch Himmelsstrahler oder Beleuchtungsanlagen entsteht - eingedämmt werden. "Mit ,Außenbereich‘ ist nicht ,draußen‘ gemeint", erklärt Bernd Graf, der Pressesprecher des Kronacher Landratsamts. Die private Garten- oder Hausbeleuchtung falle zum Beispiel nicht darunter. "Sie darf also auch weiter eingeschaltet sein", so Graf.

Auch Schwimmbäder oder Fußballplätze müssten sich keine sorgen machen. Ihre Flutlichtanlagen dürfen weiterhin genutzt werden. Anders sieht das bei Scheinwerfern aus, deren Licht gezielt in den Nachthimmel strahlt und weithin sichtbar ist. Skybeamer werden diese Strahler genannt, die bislang gerne von Diskotheken benutzt wurden.

Geändert wurde aber nicht nur das Naturschutzgesetz, sondern auch das Bayerische Immissionsschutzgesetz - das Kommunen aufhorchen lassen müsste. Nach 23 Uhr ist es bis zur Morgendämmerung verboten, die Fassaden von öffentlichen Gebäude zu beleuchten. Also Kirchen, Rathäuser, Schulen - oder die Festung Rosenberg. Eine Ausnahme ist nur erlaubt, wenn Sicherheitsgründe oder eine Rechtsvorschrift es erforderlich machen. So sollen nicht nur Tiere, sondern auch Menschen vor zu viel künstlichem Licht geschützt werden.

Verwirrte Tiere

Welche Auswirkungen eine zu helle Nacht haben kann, hat Ingrid Neder-Guth von der Kronacher Frauenliste schon mehrmals am Schulzentrum erlebt. "Als wir dort Freunde besucht haben und gegen Mitternacht nach Hause gegangen sind, haben die Vögel noch gezwitschert", erzählt sie. "Die dachten, es wäre noch Tag."

Schuld am dadurch gestörten Tages- und Nachtablauf der Tiere seien die Fahrradständer am Kronacher Schulzentrum, die die ganze Nacht über beleuchtet seien. "Aber es geht ja nicht nur um die Tiere, sondern auch um die Menschen, die dort wohnen und sich ebenfalls von dem Licht gestört fühlen."

"Keine Ordnungswidrigkeit"

Ob die geänderten gesetzlichen Bestimmungen auch eingehalten werden, kontrolliert die im Landratsamt angesiedelte untere Naturschutzbehörde und die untere Immissionsschutzbehörde. Die Frage ist, welche Anreize Kommunen haben, sich auch daran zu halten. Eine Strafe haben sie nicht zu befürchten. Ein Verstoß gegen den neuen Artikel stelle "grundsätzlich keine Ordnungswidrigkeit dar" sagt Graf.

Eine Art Vorreiterrolle im Landkreis nimmt Mitwitz ein. Bereits vergangenen November beschloss der Marktgemeinderat, Lichtverschmutzung so gut es geht, vermeiden zu wollen. Dass das Rathaus nun nur noch bis 23 Uhr und nicht mehr bis Mitternacht angestrahlt wird, ist dabei nur die erste von mehreren Veränderungen. "Letztes Jahr kam eine Bürgeranfrage, ob wir von dem Gesetz gehört haben und ob wir es umsetzen werden", erinnert sich Bürgermeister Hans-Peter Laschka (CSU). "Wir haben dann recherchiert und waren ziemlich überrascht, dass das Gesetz schon seit Sommer in Kraft war, man es aber gar nicht mitbekommen hat." Er wundere sich vor allem darüber, dass der bayerische Gemeindetag das Thema nicht aufgegriffen und allen Mitgliedern vorgestellt hat.

Zwar schreibt keine der beiden Gesetzesänderungen vor, auch die Straßenbeleuchtung anzupassen, Mitwitz will diesen Weg aber dennoch gehen. Die Ortsdurchfahrt soll auch weiterhin vollständig ausgeleuchtet, die Straßenlaternen ab Mitternacht aber trotzdem teilweise ausgeschaltet werden. "Das stellen wir derzeit gerade um", erzählt Laschka. Entweder werden künftig nur noch die Laternen auf der linken oder rechten Seite eingeschaltet oder jeweils abwechselnd auf beiden Seiten jede zweite Leuchte. An Kreuzungen verzichtet die Marktgemeinde hingegen auf dieses Modell, um den Straßenverkehr nicht zu gefährden.

Solch ein Engagement wünscht sich Neder-Guth auch von anderen Landkreis-Kommunen. "Das Gesetz ist beschlossen, aber davon weiß kaum jemand", ärgert sie sich. Es gehe ihr nicht darum, Kronach um das Lichtevent "Kronach leuchtet" oder in der Adventszeit um die Weihnachtsbeleuchtung zu bringen. "Ich möchte nur, dass unsinnige Beleuchtung vermieden wird."

In der Kreisstadt steht man Veränderungen wie in Mitwitz eher skeptisch gegenüber. Derzeit sei nicht vorgesehen, mehr als die Objektbeleuchtung wie bei der Festung anzupassen. Einen großen Handlungsbedarf sehe er nicht, sagt Jochen Löffler, der Leiter der Stadtwerke Kronach: "Wir beleuchten unsere Straßen und Wege natürlich nicht aus Jux und Tollerei, sondern müssen da auch die Sicherheit gewährleisten." Daher werde genau berechnet, wie viele Leuchten an einer Straße benötigt werden.

Wege werden heller

Anstatt Licht zu reduzieren, kommen in Kronach bald sogar Straßenlaternen hinzu. Wie bereits berichtet, beschloss der Stadtrat, dass auf dem LGS-Gelände der Abschnitt von der Seebühne bis nach Neuses ausgeleuchtet werden soll. "Die Forderung, die dunklen Wege dort zu beleuchten, kam ja von der Bevölkerung", sagt der Leiter der Stadtwerke. Sobald die Stadt die dafür benötigten Gelder bewilligt hat, werde damit begonnen, die zusätzlichen Laternen zu installieren.