Vom Bäckermeister zum Bürgermeister. Das ist das Ziel von Hubert Russ, der bei den Kommunalwahlen am 15. März den Chefsessel im Tettauer Rathaus erobern will. Der 52-Jährige gestaltet seit zwölf Jahren als Gemeinderat die Entwicklung seiner Heimat mit.

Die Arbeit im Gemeinderat sei in den letzten Jahren schwieriger geworden, sagt er. Der Zusammenhalt und auch die Informationen lassen seiner Ansicht nach zu wünschen übrig. Er habe zudem den Eindruck, dass nicht alle Anliegen und Belange, die die kommunale Entwicklung betreffen, offen kommuniziert werden, übt er Kritik.

Hubert Russ will frischen Wind ins Rathaus bringen. Aufgrund dessen, dass er die Gewissheit habe, dass - falls ihm die Bürger mehrheitlich ihr Vertrauen schenken und er die Bürgermeisterwahl somit für sich entscheiden könnte, sein Sohn Valentin die Bäckerei übernehmen wird, könne er sich mit voller Kraft auf dieses Amt konzentrieren, meint er.

Bürgernähe und Familienfreundlichkeit werden seine Schwerpunktthemen sein, erklärt er. Und natürlich verstehe es sich von selbst, dass ein Tettauer Bürgermeister auch ein offenes Ohr für die Anliegen der Unternehmer haben müsse. "Tettau ist ein Industrieort und soll auch einer bleiben!" Und: "Die Gemeinde muss ein starker Partner der Industrie sein!"

Hubert Russ weiß um die Schwierigkeiten, junge Familien in seinem Heimatort anzusiedeln. "Deshalb müssen wir versuchen, die Leute, die hier sind, auch in der Gemeinde zu halten". Ihm schwebt die Einführung eines Wohnungsbaumanagements vor. Tatsache sei doch, so Hubert Russ, dass viele ältere Leute allein in ihrem Eigenheim leben. Für Unterhalt und Renovierungen reichen kaumen die Renten.

Wenn nun junge Menschen solche Häuser mit bewohnen würden, könnten Synergien entstehen. Abgesehen davon, dass sich dadurch die Problematik mit den Leerständen minimieren könnte, verbinden solche Wohnmodelle auch Generationen. Die Gemeinde müsste hier Vermittlungsfunktionen übernehmen.

Alle Möglichkeiten für Bauwillige

Als eine Herausforderung sieht Hubert Russ es an, den Spagat zu schaffen zwischen der Ausweisung von Baugebieten und der Schließung von Baulücken innerorts. Ein Bauwilliger sollte alle Möglichkeiten offen haben, meint er. Durchaus könne er sich Vorstellung, dass die Kommune auch Bauherren unterstützt, beispielsweise mit einem Kommunalen Förderprogramm.

Auch würde er mehr Bürgernähe praktizieren. Für Hubert Russ bedeutet das, bei angedachten Projekten erst die Bürger zu fragen und danach erst entsprechend tätig zu werden.

Hubert Russ vermisst auch kulturelle Veranstaltungen, die es einst in Tettau gab. In diesem Zusammenhang spricht er von der "Bunten Nacht", von den Passionsspielen. "In Tettau ist ein Stück Kulturleben verloren gegangen!" Hier möchte er mehr auf die Vereine zugehen und die Zusammenarbeit zwischen ihnen und der Kommune vertiefen.

Ein weiteres Anliegen ist für den Bäckermeister, mit der Einführung eines Gemeindebürgerbusses das vom Landkreis initiierte Mobilitätskonzept, das im August 2020 an den Start gehen soll, zu ergänzen.

Zudem hält er einen Kindergartenbus für notwendig. In Tettau gebe es mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze als Einwohner und nur einen Kindergarten. Es gehöre zu einer familienfreundlichen Gemeinde, dass die Eltern von Kindergartenkindern aus allen Ortsteilen auf so ein Angebot zurückgreifen können und das ohne Kosten.

Hubert Russ kandidiert für die SPD. Eigentlich, so denkt er kurz nach, spiele eine Parteizugehörigkeit bei der Kommunalpolitik keine Rolle. Es komme auf die Person an, die das Amt eines Bürgermeisters ausführt. Es komme darauf an, wie ein Rathauschef es verstehe, seine Bürger mit ins Boot zu holen und wie diese sich mitgenommen fühlen.

Deshalb schwebt Hubert Russ auch die Einführung von regelmäßigen Bürgersprechstunden vor. Außerdem will er seine Gemeinderatssitzungen nicht nur im Rathaus, sondern in allen Ortsteilen abhalten. "Ich will raus zu den Menschen!"

Hubert Russ spricht von einer aktuell spannenden Zeit. Der Terminkalender sei voller, aber es mache auch Spaß. Er hofft, dass seine Liste - die nicht nur aus Kandidaten mit einem SPD-Parteibuch besteht, sondern auch aus parteilosen Bürgern - die Mehrheit erzielt.

"Wir sind gut aufgestellt - wir haben einen guten Mix!" Klar ist für ihn aber auch, es wird immer weitergehen, egal wie die Wahl ausgeht.