Der nächste Kronacher Kreistag wird kleiner. Nur noch 50 statt der bisher 60 Stühle im großen Sitzungssaal werden besetzt. Das Gerangel der etablierten Kommunalpoliker bei dieser "Reise nach Jerusalem" ist groß. Und es treten auch noch junge Kandidaten an, wobei ja die Parteien nicht müde werden, zu beteuern, dass sie auf die Jugend setzen.

Die Jüngsten auf den sechs Listen für den Kreistag sind zwischen 19 und 27 Jahre alt. Sie haben zum Teil bereits kommunalpolitische Erfahrung oder sind "familiär vorbelastet".

Der 27-jährige Systemadministrator Frank Müller aus Wallenfels ist Ortsvorsitzender der Freien Wähler seiner Heimatstadt und bekleidet schon seit dem Jahr 2008 Ämter. Unter anderem ist er auch Beisitzer im Kreisverband. Bei der Aufstellung der Liste habe der Ortsverband Kandidaten vorgeschlagen. So sei auch sein Name drauf gekommen. Müller meint, dass es ganz schwer werde, in den verkleinerten Kreistag einzuziehen, aber die Chance habe jeder, weil das eine Persönlichkeitswahl sei. Der Listenplatz sei nicht so entscheidend, weil nicht viele Stimmen über die Liste vergeben würden. Da aus dem Rodachtal bei den Freien Wählern nur Kandidaten aus Wallenfels und Nordhalben antreten, erhofft er sich Unterstützung aus den anderen Kommunen des Rodachtals, aus Steinwiesen und Marktrodach.


Eine "schwarze Familie"

Der erst 20-jährige Student Matthias Zeitler aus Wallenfels kommt aus einer - wie er sagt - "richtig schwarzen Familie", denn schon sein Opa Edmund und Vater Michael waren oder sind für die CSU der Flößerstadt aktiv, zum Beispiel im Stadtrat. Seit er 15 ist, engagiert sich Matthias Zeitler für die Junge Union. Mit 17 wurde er Vorsitzender des JU-Ortsverbands. "Wir in Wallenfels sind einer der aktivsten Ortsverbände im Kreis und haben viele Initiativen gezeigt, zum Beispiel für den Erhalt der Flößerei", betont Zeitler. Er sei vom Kreisvorsitzenden der Jungen Union gefragt worden, ob er kandidieren wolle, sagt Matthias Zeitler. Er studiere zwar in Nürnberg Wirtschaftswissenschaften, sei aber die meiste Zeit in Wallenfels und engagiere sich auch in den Vereinen. Wenn er nicht so oft in seiner Heimatstadt wäre, könnte er nicht kandidieren.


Familiär "vorbelastet"

Ebenfalls familiär "vorbelastet" ist die 24-jährige Krankenschwester Stefanie Gröger aus Kronach, die für die SPD antritt. Da sie bei den Jungsozialisten mehrere hochrangige Ämter bekleidet, "hat sich das mit der Kandidatur so ergeben". Stefanie Gröger ist stellvertretende Bezirksvorsitzende und stellvertretende Landesvorsitzende der Jusos. Auch im Juso-Stadtverband und -Kreisverband engagiert sie sich seit Jahren. Auf Grund ihres Berufs ist sie auch im Bezirksvorstand der Sozialdemokraten im Gesundheitswesen vertreten. Und sie organisiert Flashmobs, um die Bürger für die Belange des Gesundheitswesens zu mobilisieren. Der nächste Flashmob "Pflege am Boden", den Stefanie Gröger mit organisiert, findet am 8. März von 11.55 bis 12.05 Uhr auf dem Marktplatz oder vor dem Stadtcafé in Coburg statt. Der wird hoffentlich genauso erfolgreich wie der jüngste, an dem 112 Leute teilnahmen.


Eine gute Entscheidung

Obwohl sie in der Jungen Union Kronach im Vorstand ist, tritt die 23-jährige Fotografin Alexandra Schubert aus Höfles für die Frauenliste an. "Die Frauenliste bietet mir die Möglichkeit, mich aktiv im Kreistag mit einzubringen", begründet sie ihre Kandidatur. Beide Parteien hätten sich nach Abwiegen der Argumente für diese Entscheidung ausgesprochen. "Ich teile die Ansichten der Jungen Union. Die Frauenliste ist bereit, das zu akzeptieren", stellte sie klar. Am Anfang habe es schon Diskussionen gegeben, doch wichtig sei, dass junge Leute aus Kronach mitmischen und sich beteiligen könnten. "Für mich ist das eine gute Entscheidung", sagte Alexandra Schubert, die zwei Jahre Mitglied der JU in Höfles war und seit zwei Jahren Mitglied der JU Kronach ist.

Mit 19 Jahren der Jüngste aller Kandidaten für den Kreistag ist Benedikt Schäfer aus Schwärzdorf. Er tritt für die Grünen an. "Meine Eltern sind schon politisch aktiv, mein Vater ist im Gemeinderat Mitwitz", berichtet er. Bei einer Versammlung der Grünen in der elterlichen Gastwirtschaft sei er gefragt worden, ob er auf der Kreistagsliste kandidieren wolle - und er habe zugesagt. Zurzeit besucht er die Staatliche Berufsbildende Schule Sonneberg, um die allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Über seine beruflichen Ziele ist sich Benedikt Schäfer noch nicht im Klaren, "aber im Moment zieht es mich zur Politik hin. Die Politik war für mich immer schon ein interessantes Thema".

Seine Chancen auf einen Einzug in den Kreistag sieht der fast 27-jährige Johannes Wunder aus Nurn realistisch, denn er tritt für die FDP an. "Zur Kandidatur motiviert hat mich die Misere meiner Lieblingspartei in der jüngsten Zeit", sagt er. Politisch interessiert sei er schon immer, politisch aktiv erst seit heuer. "Nachdem die FDP aus dem Bundestag rausgeflogen ist, wollte ich mit meiner Kandidatur ein Zeichen setzen", verdeutlicht Johannes Wunder, der als Ingenieur einen Formenbau leitet.