"Wir können eigentlich ganz zufrieden sein. Als wir angefangen haben, hatten wir vielleicht 7000 Übernachtungen, inzwischen haben wir 9000 Übernachtungen im Jahr - Tendenz steigend", zieht Herbergsvater Hubert Backer (43) eine Bilanz nach den ersten drei Jahren in der Festungsherberge. Offen gibt er zu, dass er mit seiner Frau Nicole (40) und den beiden Zwillingen Arthur und Beat (3) gerne weiter auf der Festung leben würde.
Die Herbergseltern sind mit Feuereifer bei der Sache, wenn es um die Versorgung der Gäste geht. Fast täglich bekommen sie Komplimente dafür, wie viel Mühe sie sich geben. "Ende des Jahres steht eine Vertragsverlängerung an. Aus meiner Sicht steht dieser nichts im Wege. Wir können mit der Herbergsfamilie mehr als zufrieden sein", stellt auch Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) dem Betreiber der Herberge Bestnoten aus.
Zu den Gästen auf der Festung gehören vor allem Schulklassen und Kindergärten, aber hin und wieder kommen auch Radler, Touristen oder Familien. "Ich habe selbst private Gäste, die darauf bestehen, dass sie auf der Festung übernachten. Sie kriegen dort hervorragendes Frühstück", kennt Beiergrößlein den Reiz aus eigener Erfahrung und betont, dass die Festung derzeit allein von Mundpropaganda lebe.

Zeit ist stehen geblieben


Viele Jahre lang sei die Zeit dort stehen geblieben. Auch in der Herberge. Deshalb habe die Festungsherberge derzeit auch kein Gütesiegel. Der Standard für die Zimmer habe sich verändert.
Nasszellen seien ein Muss. Doch die seien noch nicht in allen Zimmern vorhanden. "Aber wir tun alles, um schnell wieder den Standard zu erreichen, der einem Gütesiegel entspricht", erklärt der Bürgermeister. Deshalb wurden langfristige Konzepte ausgearbeitet. Das bedeutet: Auf der Festung wird saniert und saniert. Und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.
Derzeit stehen 105 Betten in 21 Zimmern auf der Festung zur Verfügung: Ein Einzelzimmer, drei Zweibettzimmer, ein Dreibettzimmer, drei Vierbettzimmer, ein Fünfbettzimmer, acht Sechsbettzimmer, zwei Acht-Bettzimmer und das Schneewittchenzimmer mit zwölf Betten. Außerdem gibt es den Sommernachtsraum mit Doppelbett, wie der Herbergsvater erklärt. Das Schneewittchenzimmer wird gerne von Schulklassen und Gruppen gebucht, denn so können alle zusammen unterkommen.
Bei den derzeitigen Sanierungsmaßnahmen werden Deckenbalken ausgetauscht und neue Räumlichkeiten entstehen. "Wir wollen auf 110 Betten kommen. Neue Zimmer entstehen - natürlich mit Nasszelle", erklärt der Bürgermeister.

Festung wird wieder attraktiver


Offen gibt Beiergrößlein zu, dass er - als er das Amt übernommen hat - haushaltstechnisch vor einer fast auswegslosen Situation gestanden hat. Doch durch Förderprogramme ist es gelungen, die gesamte Festung aufzuwerten. Ausstellungen machen die Festung attraktiv. Und dass das Bollwerk so wieder zum Besuchermagnet wird, wirkt sich auch auf die Herberge aus.
"Die Festung ist ja eine freiwillige Aufgabe. Und wir hatten 2008 nicht mal einen genehmigten Haushalt. Wir mussten erst mal den Fokus auf die Pflichtaufgaben legen", erinnert sich Beiergrößlein noch an die Anfänge seiner Amtszeit. Doch inzwischen hat sich die Lage verändert. Seit zwei Jahren verabschiedet Kronach wieder einen genehmigungsfähigen Haushalt - und dieser wird fraktionsübergreifend mitgetragen, wie der Bürgermeister betont. Und es gehe aufwärts - in allen Bereichen.

Anträge auf Förderung


"Heuer läuft zwar das Förderprogramm aus, aber wir haben schon wieder Anträge gestellt. Ohne die Regierung, ohne das Landratsamt, ohne die Oberfrankenstiftung und ohne das Haus der Bayerischen Geschichte geht es jedoch nicht. Aber ich hoffe, dass wir noch im Herbst Bescheid kriegen", ist Beiergrößlein guter Dinge, dass es weitergeht mit der positiven Entwicklung der Festung. Denn sein Anliegen ist es, so schnell wie möglich die Sanierungsarbeiten so weit voranzutreiben, dass die Herberge wieder ein Gütesiegel des deutschen Jugendherbergsverbandes oder eines anderen Verbandes bekommen kann. "Aber wir sprechen hier von Millioneninvestitionen", so Beiergrößlein.