Nach der Wahl im März liefen die Drähte zwischen den einzelnen Parteien heiß - ging es doch darum, wichtige Posten zu besetzen. Dabei geht es mitunter auch darum, Mehrheiten zu bilden. Solche Mehrheiten sind erforderlich, wenn es darum geht, die drei Stellvertreterposten von Landrat Oswald Marr zu vergeben. Und wie es aktuell aussieht, scheint die SPD leer auszugehen. Dies liegt offensichtlich an der Person, die die Sozialdemokraten vorschlagen wollen: den Ludwigsstadter Bürgermeister Timo Ehrhardt.

"Wir tragen jeden SPD-Kandidaten mit - nur nicht Timo Ehrhardt", betont CSU-Kreisvorsitzender Jürgen Baumgärtner. Für die CSU hätten die inhaltlichen Diskussionen in der Vergangenheit gezeigt, dass der Ludwigsstadter Bürgermeister kein Mann für den Konsens sei. Baumgärtner wirft ihm vor, einen möglichen Nord-Süd-Konflikt ständig zu befeuern. "Das ist für die CSU kein guter Weg. Eine solche Diskussion lassen wir uns nicht aufdrücken", erklärt der Kreisvorsitzende, der in Ehrhardt keinen verlässlichen Partner sieht, der in der Lage sei, die Interessen des gesamten Landkreises zu vertreten.

Zwei Posten für die Freien

Diese Situation führt nun wohl dazu, dass die Freien Wähler (FW) die beiden Posten des weiteren Stellvertreters des Landrates bekommen werden. Dementsprechend äußerte sich Fraktionssprecher Peter Hänel: "Wir werden uns um zwei Stellvertreter-Posten bewerben." Die Personen, die diese beiden Ämter bekleiden sollen, sind Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein und Bernd Steger, der bereits bislang weiterer Stellvertreter des Landrates war. Dass die CSU diese beiden Bewerber mittragen wird, gilt als sicher. Gemeinsam haben die CSU und die Freien Wähler die Mehrheit.

Dass der bisherige Stellvertreter des Landrates, Gerhard Wunder (CSU), weiterhin in dieser Funktion bleiben wird, steht offensichtlich außer Frage. Selbst SPD-Fraktionsvorsitzender Richard Rauh erklärt, es sei ein ungeschriebenes Gesetz, dass die stärkste Fraktion den ersten Stellvertreterposten erhält. "Wir werden niemanden für den ersten Stellvertreter des Landrates vorschlagen. Da muss man seine Grenzen kennen." Allerdings behält sich die SPD laut Rauh vor, sich bei der Wahl von Wunder zumindest zu enthalten.

Dass Ehrhardt polarisiere, wies Rauh deutlich zurück. Der Ludwigsstadter Bürgermeister bringe die erforderliche Qualität mit und erfülle zudem den Regionalproporz: "Alleine das zählt. Das sieht im Übrigen auch Oswald Marr so", betont Rauh und bedauert, dass der Landkreis-Norden dann keinen Landratsstellvertreter mehr hätte. Dies will Baumgärtner nicht gelten lassen und verweist auf andere mögliche Kandidaten wie Jens Trebes, Gabriele Schülein oder Dietmar Schmidt: "Wenn sie unbedingt jemanden aus dem Norden gewollt hätten, hätten sie einen bekommen." - Nur eben nicht Timo Ehrhardt. Rauh wiederum kontert diesen Vorschlag: "Die anderen haben uns doch auch nicht gefragt, wen sie vorschlagen werden."

Die Nord-Süd-Diskussion wollen CSU und Freie Wähler erst gar nicht aufkommen lassen. "Wir leben in einer Region. Da gibt es kein Nord und Süd oder Ost und West." In die gleiche Kerbe schlägt Peter Hänel: "Wir dürfen nicht so tun, als gebe es zwei Gebilde. Wir sind ein Landkreis und müssen mit einer Stimme sprechen. Ein Landratsstellvertreter muss deshalb den gesamten Landkreis repräsentieren."

Hänels Stellvertreter Stefan Wicklein will es nicht überbewerten, dass die SPD wahrscheinlich keinen Stellvertreterposten erhält: "Die SPD stellt den Landrat, die zweitstärkste Fraktion stellt den Stellvertreter und dann hat die drittstärkste doch das Recht zu sagen, sie will die weiteren Stellvertreterposten."

Raueres Klima?

Dass durch diese Entwicklung das Klima im künftigen Kreistag rauer werden könnte, könnte zumindest vorübergehend der Fall sein. "Wenn mir jemand gegen das Schienbein tritt, sage ich mit Sicherheit nicht danke", lässt Rauh erahnen, dass der Ton ein anderer werden könnte. Baumgärtner glaubt das wiederum nicht, räumt allerdings ein: "Der Kreistag wird mit Sicherheit politischer werden." Und Peter Hänel hofft, dass nach möglichen ersten Unstimmigkeiten schnell eine Rückkehr zur Sachpolitik erfolgen wird, "sonst haben wir keine Chance".