Der hohe Wasserstand im Steinachfluss könnte das Projekt gefährden. Durch das Engagement vor allem der Jugendgruppe des Fischereivereins Mitwitz sollen eine natürliche Alterspyramide geschaffen und der Bestand der Bachforelle gestützt werden. Der Anfang wurde in den vergangenen beiden Jahren erfolgreich gemacht, aber da waren die Voraussetzungen besser als heuer.

Der damalige Jugendleiter Stefan Dötschel hat das Projekt der Wiederansiedlung der Bachforelle in der Steinach zusammen mit Robert Hertha auf den Weg gebracht.

Einfach kleine Fische in den Fluss zu geben, ist nicht des Rät- sels Lösung, denn die Bachforelle laicht vorwiegend dort ab, wo sie zur Welt gekommen ist. Die im Fluss geschlüpften Bachforellen sind von Beginn an mit den Bedingungen ihres Lebensraums vertraut. Das macht sie widerstandsfähiger gegen eventuelle Krankheitserreger. Die Fischchen sind das Nahrungsangebot des Gewässers gewohnt und verfügen über ihren angeborenen Fluchtreflex, der sie vor Fressfeinden schützt. Folglich muss man Bach forellen eier in den Fluss tun und warten, bis die Larven ausgeschlüpft sind. Das funktioniert nur, wenn man den Eiern die nötigen Voraussetzungen schafft, die von Natur aus oft nicht mehr gegeben sind.


5000 Eier in der Brutbox

Robert Hertha und Stefan Dötschel haben Brutboxen gebaut, die jeweils 5000 Eier fassen. Das sind Holzkästen mit einem Metallsieb am Boden, durch das die geschlüpften,noch schwimmunfähigen Larven, ins Kiesbett darunter sinken können. Obendrauf auf die Brutbox kommt eine Plexiglasscheibe, damit die Jugendgruppe alle zwei Tage kontrollieren kann, wie es den künftigen Steinachfluss-Bewohnern geht. Verpilzte oder durch Sedimentanschwemmung getötete Eier müssen immer wieder aus den Brutboxen entfernt werden, damit die gesunden Eier nicht angesteckt werden.

Vor wenigen Tagen haben Robert Hertha, Jakob Wenzel sowie die Jugendlichen Xaver Holach, Josef Höhn und Leon Gröschel die Brutboxen ins zweieinhalb Grad kalte Wasser der Steinach eingesetzt. Das war trotz der Wathosen und langen Gummihandschuhe recht kalt für Hände und Beine. Das Quintett konnte die Boxen gut im Kiesbett verankern, so dass sie auch bei der starken Strömung des Hochwasser führenden Flusses nicht weggeschwemmt werden. Der 15-jährige Xaver, der 14-jährige Josef und der 16-jährige Leon sind seit über drei Jahren im Fischereiverein Mitwitz aktiv und betreuen das Brutboxenprojekt für die Bachforelle gerne.

Vor zwei Jahren haben Robert Hertha und StefanDötschel an einem Brutboxenseminar des Fischereiverbandes teilgenommen - und waren so begeistert, dass sie beschlossen, das auch in Mitwitz durchzuführen. Jeder Seminarteilnehmer baute unter Anleitung des Referententeams des Fischereiverbandes Schwaben eine Brutbox, Hertha und Dötschel auch. Der Verein unterstützte das Vorhaben und so werden seitdem beide Boxen, mit jeweils 5000 Eiern der Bachforelle befüllt,in den Fluss gesetzt und kontrolliert, was sich tut.


Ein tiefes Kiesbett

"Die Bachforellen hier haben es schwer, sich selbst zu reproduzieren. Das liegt an der zunehmenden Sedimentierung (Ablagerung von Erde, d. Red.) und Einflüssen von außen", berichtet Robert Hertha. Da die Bachforelle ein tiefes Kiesbett braucht, in das sie ihre Laichgrube schlagen kann, haben die Mitwitzer Fischer ein solches Kiesbett geschaffen. Das dient den winzigen Fischchen am Anfang ihres Lebens als Versteck. In ihrem späteren Leben laichen sie genau da, wo sie zur Welt gekommen sind, ab. Das Kiesbett muss man immer wieder auflockern und von Schwemmland säubern. Apropos säubern: Seit drei Jahren holt der Fischereiverein Mitwitz - vor allem mit dem Engagement der Jugend - allen möglichen Unrat aus dem Fluss. "Da haben wir schon alles Mögliche gefunden, von einer halben Waschmaschine über ein Fahrrad bis zu Autoreifen", berichtet Robert Hertha. Etwa 60 Reifen jährlich. Hertha schüttelt den Kopf über so viel Kopflosigkeit der Umweltsünder.

Der Traum von Robert Hertha ist es, weg von den Brutboxen Marke Eigenbau zu kommen. Man will professionell gefertigte und speziell entwickelte Brutboxen anschaffen. Die sind zwar teuer, aber die Überlebens-Chancen der Fischchen sind durch das besser geeignete System deutlich höher.


Schlupfquote ist hoch

Bei den selbst gefertigten Brutboxen ist die Schlupfquote trotzdem recht hoch. Die noch schwimmunfähigen Larven sind nach dem Schlupf allerdings viel stärker gefährdet. "Vergangenes Jahr haben wir zweimal 10 000 Eier gesetzt und hatten eine Schlupfquote von 95 bis 98 Prozent", ist Robert Hertha stolz. Da waren allerdings die Bedingungen deutlich besser als heuer. Von 10 000 Eiern erreichen etwa 300 bis 800 Fische das geschlechtsreife Alter.


So funktioniert die Brutbox

Vorbereitung In der Lehranstalt für Fischerei des Bezirks Oberfranken in Aufseß werden Eier von Bachforellen befruchtet und vorgebrütet.

Abholung Wenn die Augen der Larven in den Eiern zu sehen sind, werden die Eier abgeholt, damit sie im jeweiligen Bachbett fertig gebrütet werden können. Die Dauer des Fertigbrütens ist abhängig von der Wassertemperatur.

Aussetzen Jeweils 5000 Fischeier der Bachforelle kommen in eine Brutbox, die wiederum in einer Kiesbox im Fluss stationiert wird.

Kontrolle Es muss immer wieder nachgeschaut werden, dass die Eier genügend mit Wasser umspült werden. Sie dürfen nicht trocken liegen und es darf sich auch keine Erde ablagern, weil die Fische sonst ersticken würden.

Schlüpfen Wenn die Larven geschlüpft sind, fallen sie durch das Metallsieb nach unten. Es ist wichtig, dass sich darunter Kies befindet, damit sich die Babys verstecken können. Sonst werden sie Opfer von Fressfeinden.

Unterstützung Robert Hertha, der das Brutboxenprojekt als Teil der Jugendarbeit des Fischereivereins Mitwitz sieht und dankbar für die Unterstützung durch den Nachwuchs ist, sucht am Brutboxenprojekt Interessierte.

E-Mail Zu erreichen ist er über roberthhertha@aol.com.