Nur ein paar Meter von der Hauptstraße entfernt beginnt in Unterrodach der Wilde Westen: Auf einer Anhöhe, eingefriedet von üppigen Obstbäumen, finden sich Tipis, eine große Feuerstelle, Pferdekoppeln, eine Bar, ein Bogenschießplatz und ein Saloon mit wagenradgeschmückter Veranda. Mit viel Herzblut und Liebe zum Detail hat sich der Küpser Ingo Hofmann dort eine Wildwest-Enklave geschaffen: die Stoney Hill Ranch.

"Hier kann man Übernachten", erklärt Hofmann und verschwindet im Eingang eines Tipis. Drinnen, auf einem Holzbohlenboden, stehen Feldbetten. "Die Indianer sagen, dass nur in einem runden Haus die Energie richtig fließt. Ich glaube, da ist was dran. Ich schlafe hier viel besser als daheim."


Winnetou weckte sein Interesse

Direkt vor dem Eingang des Tipis ist die Feuerstelle, umgeben von Trapperstühlen, einfachen, aber bequemen Sitzgelegenheiten aus Holz. Ein paar Schritte weiter ragt das Tanz-Tipi auf - mit einem Holzboden für Line-Dance-Kurse und Veranstaltungen. Jüngste Ergänzung ist der Saloon, ein einstöckiger Bau aus hellem Holz. "Hier kann man sitzen, wenn das Wetter mal schlecht ist." Die Bar, untergebracht in einem alten Gartenpavillon aus Sandstein, bietet nämlich nur wenige ausgesuchte Sitzmöglichkeiten - unter anderem am Tresen, wo die Gäste in echten Westernsätteln Platz nehmen dürfen.

"Ich bin Westernfan mit Leib und Seele", sagt der 48-Jährige. "Schon seit meiner Kindheit. Meine Mutter hat immer Westernromane gelesen. Das und die Winnetou-Filme haben bei mir früh das Interesse geweckt." In seiner Jugend begann Hofmann mit Westernreitstunden, inzwischen bildet er selbst Pferde aus. Er lernte von einem Freund Bogenschießen, fuhr in seiner Freizeit Kanu. "Das alles war schon immer mein Hobby." Als er vor ein paar Jahren aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf als Schreiner aufgeben musste, fiel der Entschluss, sich mit Stoney Hill selbstständig zu machen. "Ich dachte mir: Mach ich halt das Hobby zum Beruf."


Vieles selbst gebaut

Schaden tut sein berufliches Können der Ranch freilich nicht - Saloon, Bar-Tresen, Trapper stühle und Tipi-Tanzboden hat er selbst gebaut. 25 000 Quadratmeter umfasst das Gelände in Unterrodach, das zu einem früheren Bauernhof gehört.

"Das ist ein wunderschönes Stück Erde", sagt er. "Direkt im Ort und doch mitten in der Natur." Hier richtet er Familienfeiern, Firmenevents oder Kindergeburtstage aus. "Wer will, kann einfach nur die Grillstelle nutzen und im Tipi übernachten. Aber wir bieten auch Bogenschießen, Hufeisenwerfen und Cowboy-Stiefel-Werfen. Und natürlich die Bar - aber nur für erwachsene Besucher."


Kletter- und Kanutouren

Außer den Aktivitäten auf dem Gelände organisiert, plant und begleitet Hofmann auf Wunsch auch Kletter- oder Kanutouren. Workshops gibt es auf Stoney Hill ebenfalls: Bei der Indian Spirit Night geht es um indianische Bräuche und Spiritualität, beim Line Dance wird nach Westernart das Tanzbein geschwungen. "Mich interessieren beide Seiten - die der Siedler und Cowboys, aber auch, und vielleicht noch mehr, die der amerikanischen Ureinwohner."

Anbieten möchte er auf seiner Ranch beides. "Ich würde auch gern einmal ein großes Indianer-Cowboy-Treffen ausrichten. An Plänen für die Zukunft mangelt es ihm nicht: "Sobald wir unsere Pferde hergeholt haben, wollen wir Pony- und Westernreiten anbieten."
Die Koppeln sind schon eingezäunt; in der Scheune des Bauernhofs sollen insgesamt acht Boxen entstehen, so dass dort neben Hofmanns drei eigenen Quarter-Horse-Pferden auch weitere Tiere untergebracht werden können. "Als zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten würde ich außerdem gern noch ein paar Planwagen-Attrappen auf die Hangterrassen bauen." Auch die Live-Musikveranstaltung, die kürzlich auf Stoney Hill stattfand, soll nicht die letzte gewesen sein. "Und wer weiß, vielleicht machen wir ja sogar mal einen Biergarten."