Der langanhaltende Applaus der Kreisräte kann in München nicht überhört werden, wenn es nun darum geht, den Absichten der Staatsregierung auch Taten folgen zu lassen. Konkret handelt es sich um die Entwicklung des Landkreises hin zu einer Bildungs- und Hochschulregion und um die dafür erforderliche Finanzierung. Die Kommunalpolitik ist fest entschlossen, mit dem Lucas-Cranach-Campus neue Impulse für die Wirtschaft zu setzen.

Die Hoffnungen sind auf MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) und nach München gerichtet. Es geht um die Finanzierung, um die teilweise Berücksichtigung der Kosten im Nachtragshaushalt, der aller Wahrscheinlichkeit nach im ersten Quartal 2020 verabschiedet wird. Läuft alles nach Plan, könnte es bereits zum Wintersemester 2020/21 losgehen.

In einer von der SPD-Fraktion beantragten Sondersitzung wurde am Montag deutlich, dass der Campus Formen annimmt. Es kam zum Ausdruck, wie intensiv sich Landrat Klaus Löffler, der IHK-Gremiumsvorsitzende Hans Rebhan, MdL Jürgen Baumgärtner, die Fraktionen und auch die Partnerhochschulen mit dieser Thematik beschäftigt haben, um das gemeinsame Ziel, den Landkreis Kronach zu einer Bildungs- und Hochschulregion zu entwickeln, zu erreichen. Anwesend waren Professoren, die Studiengänge für den Lucas-Cranach-Campus vorstellten.

Mit Interesse folgte das Gremium den Ausführungen der Referenten. Es sind neue Studiengänge, die sich an die Bedürfnisse von Wirtschaft, Handwerk, Kommunen und Unternehmen anlehnen. Dabei geht es um Ausbildung in den Bereichen High-Tech, Informatik, autonomes Fahren und Gesundheit.

Landrat Klaus Löffler sprach wohl vielen Kreisräten aus dem Herzen, als er meinte: "Der Lucas-Cranach-Campus ist neben der Wirtschaftsförderung die wichtigste Entscheidung für eine Region!"

Der Landrat ist mit seinem Gremium und Verwaltung eifrig dabei, die dafür erforderlichen Hausaufgaben zu erledigen. So sind mittlerweile mit den Hochschulen Hof, Coburg und Weihenstephan Partner mit im Boot. Den Anforderungen für adäquate Verkehrsanbindungen soll mit der Einführung des Mobilitätskonzepts zum Schuljahresanfang 2020 Rechnung getragen werden. In den nächsten Wochen soll ein Wohnraumgipfel stattfinden, denn 1000 Studenten - so ist das Ziel für die nächsten Jahre - müssen auch irgendwo wohnen können.

"Es war ein langer Weg bisher", stellte Hans Rebhan fest. Er sprach von entschlossenen und gemeinsamen Bemühungen von Wirtschaft und Politik, diesen Weg zu beschreiten, um der demografischen Entwicklung entgegenzuwirken. "Ziel ist es, Kronach als eine überregionale Marke zu generieren."

Er erinnerte an grundsätzliche politische Entscheidungen zur Hochschulregion Kronach beim Kabinettsbeschluss im Juli 2018 und an den Austausch von beteiligten Institutionen in Kloster Banz. "Es ist heute ein historisches Ereignis und ein Wendepunkt, nicht nur in der Stadtgeschichte Kronachs, sondern im ganzen Landkreis".

Köhler: "Wir schaffen das!"

"Das wird ein Meilenstein - wir stehen allesamt hinter diesem Campus!", so Heinz Köhler (SPD). Und an die Professoren gerichtet, meinte der Altlandrat: "Sie haben uns positiv überrascht!", Er sprach von einer immensen organisatorischen und finanziellen Arbeit. Aber, so war Köhler überzeugt: "Wir schaffen das!"

Zuvor gingen die Professoren auf die Studiengänge für den Lucas-Cranach-Campus detaillierter ein. "Wir stehen zu unserem Wort", so Professor Jürgen Lehmann von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hof. Er erwähnte die Etablierung eines interdisziplinären Bachelorstudiengangs "Innovative Gesundheit". Darin werden Elemente aus Informatik, Medizin und Wirtschaft verschmolzen, um komplexen Anforderungen des Gesundheitswesens gerecht zu werden. Weiterhin sollen Studenten, die im Ausland eine akademische Ausbildung abgeschlossen haben, die aber in Deutschland nicht anerkannt wird, darauf aufbauen können. Weiterhin sei ein Transformationszentrum zum Thema 3-D-Druck angemeldet worden. "Wir möchte hiermit gerne im Kunststoffbereich unseren Beitrag im Sinne einer Vernetzung liefern!"

"Wir verstehen uns als Gestalter und bilden die Gestalter aus!", erklärte Professorin Christiane Fritze von der Hochschule Coburg. Sie wies darauf hin, dass die Hochschule Coburg mit dem Studiengang Zukunftsdesign bereits in Kronach präsent sei. Derzeit werde dieser von 120 Studierenden in Anspruch genommen. Nun denkt die Hochschule an Bachelorstudiengänge wie "User Experience Design, Data Analysis, Digital Engineering, Bioinformatik/Biomedizinische Analytik, Digitalisierung und sozialer Wandel. Im Rahmen eines Clusters soll ein Masterstudiengang "Autonomes Fahren" aufgebaut werden. Fritze ging zudem auf ein gemeinsames Projekt mit der Caritas und der Universität in Bayreuth (Cluster: Gesund leben) ein, in dem es um ein vorbildliches Wohn- und Arbeitsumfeld für Pflegebedürftige und Pflegearbeit geht).

Die Themen der Region nutzen

Der Vertreter des Zukunftsateliers des Lucas-Cranach-Campus und Mitinitiator des bereits vorhandenen Studiengangs "Zukunftsdesign", Josef Löffl, sprach von Veränderungen "unfassbaren Ausmaßes". Die Frage wird sein: "Wie gehen wir mit einer hochheterogenen Arbeitskultur 2020 wie Demografie, Diversität um?" Er sprach von einer Wissensgesellschaft, die sich ändern wird und in der es keine klaren Hierarchien zwischen beruflicher und akademischer Bildung geben wird. Er forderte den Landkreis auf dem Weg zur Hochschulstadt auf, sich mehr mit den Menschen und deren Bedürfnissen zu beschäftigen, die Themen der Region zu nutzen, Angebote zu schaffen, die für die Menschen wichtig seien und diese in die Lage versetzen können, Kompetenzen weiter zu vermitteln. Auch sei künftig "Technik und Natur" ein Thema.

Im Idealfall sollten Schüler während ihres Studiums zwei Unternehmensprojekte durchlaufen, erklärte Löffl, eines davon sollte in eine Gründung überführen. Zudem müsse jeder Student in der Lage sein, einen Forschungs- und Förderantrag zu stellen.

Die Kosten

Alle drei Professoren betonten, dass sie an einer nachhaltigen Partnerschaft interessiert seien und Kronach unterstützen würden. Allerdings müsse die Finanzierung geklärt sein. Laut Christiane Fritze kommen pro Jahr etwa 7,5 Millionen Euro an Personalkosten, eine Million Euro an Sach- und drei Millionen Euro an Investitionskosten zusammen. Dafür bekäme Kronach nach drei Jahren 550 Studierende.