Wer sich öfter und genauer auf dem Hirschfelder Kompostplatz umsieht, staunt nicht schlecht, was die Bürger dort alles anliefern. In Plastikbeuteln verpackter Abfall liegt zwischen den Haufen, Flaschen aus Kunststoff und kleinere Möbelteile ragen heraus, ebenso wie Eternitplatten und in Folie verpackte Lebensmittel. Und kürzlich fand der Betreiber Martin Förtsch auch eine Kiste voller Biobananen, eingepackt in Klarsichtfolie und Plastikbeuteln.

Mühsam durchforsten Martin Förtsch, seine Ehefrau Stefanie und Vater Reinhard mehrmals im Jahr den Biomüll nach allem, was eigentlich nicht in den Biomüll gehört. Die groben Störstoffe werden nahezu täglich und vor jedem Häckseln gesammelt. Dabei kommen immer mehrere Müllsäcke zusammen. Wenn aus den Abfällen Kompost geworden ist, siebt Martin Förtsch ihn noch maschinell durch. Die Bioabfälle vom Restmüll zu trennen kostet den Betreiber der Kompostanlage nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Denn der unerwünschte Müll muss getrennt entsorgt werden.

Kontrollierte Qualität

Der Kompostplatzbetreiber erhielt vor vier Jahren von der Bundesgütegemeinschaft Kompost (BGK) das "RAL-Gütezeichen Kompost". Somit hat er den Nachweis zur Durchführung der Qualitätssicherung von Dünge- und Bodenverbesserungsmitteln aus Recyclingprozessen der Kreislaufwirtschaft. Das bedeutet aber auch regelmäßige Kontrolle. Zudem müssen Stammdaten der Produktionsanlagen und der Nachweis der Wirksamkeit des Verfahrens zur hygienisierenden Behandlung vorgebracht werden.

"Wir müssen jedes Jahr die Qualität unseres Komposts sicherstellen", erklärt Reinhard Förtsch. Aufgrund dessen, dass die Bürger immer mehr Störstoffe mit anliefern, wird dies immer schwieriger.

Seit 1992 betreibt Reinhard Förtsch den Kompostplatz. Unter der Federführung des ehemaligen Landrats Werner Schnappauf wurden damals die Kompostplätze im Landkreis Kronach ins Leben gerufen. Der Sinn der Kompostplätze sei gewesen, weniger Restmüll in den Tonnen zu haben, erklärt Förtsch. Durch die Kompostplätze wurde auch ein Wertstoffkreislauf in Gang gesetzt.

Kompost wird als "Gold des Gartens" bezeichnet, ist die preiswerteste Wertstoffquelle für nahezu alle Pflanzen des Gartens. Zugleich wird er zu Humus, der für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit notwendig ist. Die Kompostierung verhindert, dass aus organischen Abfällen wertloser Müll wird und trägt dazu bei, das Müllaufkommen zu vermindern.

Im Großen und Ganzen gehen die Bürger diszipliniert mit der Entsorgung von Abfall um, sagt der Berater für Abfallwirtschaft im Landratsamt, Thomas Mattes. Dennoch geraten Störstoffe auf die Kompostplätze. Zwar werde ein großer Teil dieser Stoffe durch Auslese und Absieben erfasst, dennoch gelange ein minimaler Anteil auf die Felder. Hinzu komme, dass vieles achtlos weggeworfen werde. Diese Artikel würden unter dem Einfluss von Sonne, Wind und Regen anfangen, sich in die Bestandteile zu zersetzen. Das sei der Punkt, an dem Mikroplastik entsteht und auf die Felder gelangt. "Das ist alles eine große Belastung für die Äcker!"

Werte unter dem Grenzbereich

Der Kompost werde regelmäßig auf Schadstoffe durch unabhängige Fachleute überprüft, sagt Mattes. Die Werte der Kompostplätze im Landkreis liegen bisher dabei weit unter dem Grenzbereich.

Mattes spricht auch die Abfälle an den Straßenrändern an, die durch das Mähen mit auf dem Kompost landen. Mehr Achtsamkeit wünscht sich Mattes zudem bei der Anlieferung von Altglas bei den 150 Iglu-Standorten im Landkreis. Oftmals würden die Flaschen mit Plastiktüten in die Iglus geworfen, zudem würden außen herum Materialien abgestellt, die nicht in die Iglus gehören. "Die Bürger sollten mit mehr Vernunft ihren Abfall entsorgen!"

Das System wird gefährdet

"Wir haben ein offenes und bürgerfreundliches System!", stellt der Geschäftsführer des Kompostrings Kronach, Holger Heymann, klar. Es wäre schade, wenn dieses durch irgendwelche "Idioten" nicht mehr aufrechterhalten werden könnte. Es wisse eigentlich jeder, dass weder Plastik noch Fliesen auf den Kompostplätzen entsorgt werden dürfen. Zudem sei an jedem Kompostplatz eine Informationstafel angebracht.

Ein großes Problem seien auch die Friedhofscontainer, die von den Gemeinden an den Kompostplätzen angeliefert würden. Darin befinden sich zunehmend viele Störstoffe. Es könne kein Dauerzustand sein, so Heymann, dass die Kompostbetreiber diese Störstoffe zum Nulltarif vom Abfall händisch trennen. Jedem sollte bewusst sein: "Ein Kompostplatz ist ein Verwertungs- und kein Entsorgungsplatz!"

Und was wünschen sich Reinhard und Martin Förtsch? Sie hoffen, dass die Bürger sorgfältig mit der Mülltrennung umgehen. Außerdem bitten sie, dass sich Bürger melden, die eine unsachgemäße Anlieferung von Abfällen am Kompostplatz beobachten.

Kompostplätze im Landkreis Kronach

Kompostplatz Steinbach am Wald, Marienstraße 14

Kompostplatz Tiefenklein, am Weihersberg 2, Küps

Kompostplatz Horb/Steinach, Horst Barnickel, Horb 12, Mitwitz

Kompostplatz Birnbaum, Hubert Deuerling, Birnnbaum 71, 96349 Steinwiesen

Kompostplatz Teuschnitz, Theodor Kestel, Am Berg 7, Haßlach

Kompostplatz Eichenbühl, Michael Schubert, Eichenbühl 2, Weißenbrunn

Kompostplatz Posseck, Norbert Lang, Posseck 9, Pressig

Kompostplatz Glosberg, Hubert Diller, Glosberg 21, Kronach

Kompostplatz Waldbuch, Reinhard Heil, Waldbuch 2, Marktrodach