Sorgsam angeordnet stehen in Reih und Glied die Bierkrüge der verschiedensten Brauereien in den offenen Regalen im Keller des Wohnhauses von Maria und Hans Fehn. Die Trinkgefäße aus Steingut beziehungsweise Ton älteren Datums sind mehr oder weniger aufwendig gestaltet, modelliert, kunstvoll bedruckt oder bemalt.

"Das könnte man heute in der Herstellung gar nicht mehr bezahlen", sagt Hans Fehn, als er voller Stolz seine ältesten Sammelstücke - etwa um das Jahr 1900 herum - zeigt. 2000 Bierkrüge aus ganz Oberfranken zeugen von der Sammelleidenschaft das Haßlachers. Die Regale sind vom Boden bis zur Decke voll mit Sammelstücken. Der "Herr der Krüge" nennt aber nicht nur Bier-Trinkgefäße sein Eigen, sondern auch 500 Gläser von Brauereien aus dem Umkreis von Kronach. Hinzu kommen 100 Aschenbecher ebenfalls von Kronacher Brauereien sowie 500 Bierflaschen, davon 100 aus dem Landkreis, die übrigen aus ganz Deutschland. "Neuerdings" sammelt er auch Bierdeckel - bislang etwa 15 000 Stück.

Bierdeckel, Gläser, Krüge, seltene Flaschen, Etiketten und vieles mehr rund um den "holden Gerstensaft" gibt es am Samstag beim Oberfranken-Tauschtreffen für Brauerei-Werbemittel in der Kaiserhof-Bierhalle auf dem Kronacher Schützenplatz von 8 bis etwa 11.30 Uhr. "Der Markt für die von Brauereien unters Volk gebrachten Werbemittel ist riesig - und das Interesse ebenso", bestätigt Hans Fehn, der mit seiner Ehefrau das Tauschtreffen in Kronach für die Fördergemeinschaft von Brauerei-Werbemitteln-Sammlern (kurz FvB) organisiert. Von Kronkorken und Flaschenöffnern über Spielkarten und Kellnerzettel bis hin zu Zapfhahn- oder Emaille-Schildern: Für alles finden sich Sammler. Der 64-Jährige, den seit vier Jahrzehnten die Sammelleidenschaft gepackt hat, rechnet mit rund 80 Sammlern, die ihre Utensilien präsentieren und sie Gleichgesinnten aus ganz Deutschland zum Tausch oder Kauf anbieten.

Da es so viele unterschiedliche Werbemittel gibt, haben sich die meisten Sammler auf eine oder mehrere Kategorien spezialisiert - so wie Hans Fehn auch. Auch ihn reizen besonders ältere Sammelobjekte. "Damals wurde vieles noch in Handarbeit gemacht", würdigt er, während er mit den Fingern die Buchstabeneiner emaillierten Brauereiaufschrift nachfährt.

Das Glück des Finders

Von der Leidenschaft für Brauerei-Werbemittel erst einmal infiziert, komme man davon nicht mehr los. "Ich kenne einige, die ihre Sammlung aufgegeben und dann nach kurzer Zeit mit einer anderen Kategorie wieder angefangen haben. Das ist eine Sucht", sagt der Haßlacher, der auch andere Dinge sammelt - wie Berichte aus den örtlichen Zeitungen über Veranstaltungen im Landkreis oder Personen, die er kennt. Seine Sammlerstücke hat er im Kopf. Er weiß genau, an welchem Platz seine sorgsam sortierten und geordneten "Schätze" stehen. "Wenn man auf der Suche nach einem bestimmten Stück ist und es dann endlich nach Jahren findet oder auch, wenn man ganz unerwartet auf etwas stößt, womit man seine Sammlung ergänzen kann: Das ist einfach schön", strahlt der Haßlacher, der mit seinem geübten Sammlerauge auch Fälschungen und nachgemachte Stücke gleich erkennt.

Etwa 20 000 Brauereien gab es um 1900 in Deutschland. Nur noch gut über 1000 Brauereien teilen sich den deutschen Biermarkt heute. Oberfranken hat mit mehr als 200 Brauereien die höchste Brauereidichte der Welt. Dennoch mussten leider auch im Landkreis viele Brauereien schließen. Viele davon sind der Bevölkerung nicht mehr bekannt. Das zu erhalten,was ihnen einst als Werbemittel diente, ist dem 65-Jährigen ein großes Anliegen.

Und was sagt Maria Fehn zur Sammelleidenschaft ihres Mannes? "Ich habe nichts dagegen", schmunzelt sie. "Meine einzige Bedingung war, dass die Krüge nicht in die Wohnung dürfen." Deswegen befindet sich die Sammlung überwiegend im Keller. Abgestaubt werden sie vom "Herrn der Krüge" selbst - manchmal auch von ihr: "Wenn ich es nicht mehr sehen kann!"