"Ich wollte einfach noch etwas anderes machen", sagt Sabine Schmidt. Dennoch hat sie ihre Entscheidung, Zukunftsdesign an der Hochschule Coburg zu studieren, lange vor sich hergeschoben. Ob sie der Studiengang beruflich weiterbringt, weiß Schmidt noch nicht. "Auf jeden Fall gewinne ich viele Erfahrungen."

Schmidt arbeitet in Teilzeit als Physikingenieurin an der Hochschule Coburg. Mit der Einschreibung für den Masterstudiengang Zukunftsdesign hat sie gewartet, bis ihre kleine Tochter "aus dem Gröbsten raus" war. Die Vorlesungen finden an den Wochenenden statt. "Wir haben drei dreitätige und vier zweitätige Blockveranstaltungen jedes Semester", berichtet die Förtschendorferin.

Den Blickwinkel wechseln

Das Teilzeitstudium, das insgesamt vier Semester dauert, setzt sich hauptsächlich aus Projektarbeiten zusammen. "Die einzelnen Gruppen werden zu Beginn des Semesters per Losverfahren gebildet und sind sehr gemischt." Unter den Studenten sind unter anderem Designer, Förster und Naturwissenschaftler: "In der Gruppe lernen wir, eine andere Sicht zu verstehen und mit dieser umzugehen."

Im vergangenen Semester hat Schmidt an einem Projekt für Brose Bamberg gearbeitet. Vorher hatte die 31-Jährige "überhaupt keine Verbindung" zu Basketball. Die Aufgabe der Projektgruppe bestand darin, eine Möglichkeit zu finden, die Jugend für die Sportart zu begeistern. "In meinem eigentlichen Beruf wäre ich nie mit dem Thema Basketball in Berührung gekommen."

Jedes Semester neue Projekte

In jedem Semester gibt es neue Projekte und neue Gruppen. "Jeder Student ist also im Laufe seines Studiums an vier Projekten beteiligt", erklärt Schmidt. Drei der insgesamt neun Projekte wurden im laufenden Semester von den Studenten selbst eingereicht, die übrigen von Unternehmen oder Organisationen.

Aktuell arbeitet Schmidt an einem Projekt für die Firma Zitzmann aus Tettau, die Glasformen herstellt. "Wir haben den Auftrag bekommen, ein weiteres zukunftssicheres Geschäftsfeld zu suchen." Wichtig sei dabei vor allem, dass das neue Geschäftsfeld zu den Fachkompetenzen der Mitarbeiter und den Möglichkeiten der Maschinen passt. Die Ergebnisse der Projektarbeiten sind meistens überraschend: "Wir schauen eben aus unserer Sicht auf die Dinge und kommen zu Schlussfolgerungen, an die die Auftraggeber so nicht erwartet hätten."

Eine Möglichkeit für die Firma Zitzmann wäre es beispielsweise, zukünftig auch Musikzubehör herzustellen. Die Umsetzung brauche in der Regel etwas Zeit und jemanden, der die Ideen dann vor Ort tatsächlich anstößt. "Vor allem bei Projekten mit Unternehmen aus der Region bekommen wir zum Teil mit, was tatsächlich aus den Ideen wird."

Ethik und Teamdynamik

Der Aufwand ist, je nach Projekt, unterschiedlich: "Manche Gruppen machen mehr, manche weniger." In Schmidts aktueller Gruppe gab es für die Zeit zwischen den Treffen immer Rechercheaufgaben für die einzelnen Mitglieder. Die Gruppentreffen finden dann während der Blockveranstaltungen statt. "Die Hälfte der Zeit während der Blockveranstaltungen ist für die Projektarbeit vorgesehen, die andere Hälfte für Vorlesungen", berichtet Schmidt. Die Themen der Vorlesungen seien dabei aus den unterschiedlichsten Bereichen.

Es gibt unter anderem Vorlesungen über Innovationstechnik, Organisationsentwicklung und zur Teamdynamik. Sabine Schmidt schließt mit der Ausstellung der Projektergebnisse in der Kühlenzpassage am Samstag ihr zweites Semester ab. Die Ideen, die sie und ihre Kommilitonen sich für die Firma Zitzmann überlegt haben, werden dort präsentiert. "Wir sind alle per du, auch die Dozenten. Bei uns ist alles sehr persönlich."

Vernetzung und Projekte im Fokus

"Bei uns dreht sich alles um die Projekte", sagt Christian Zagel, Leiter des Studiengangs Zukunftsdesign der Hochschule Coburg. Der hohe Praxisanteil von 80 bis 90 Prozent sei das Alleinstellungsmerkmal des Masterstudiengangs. Während die Studenten lernen, sollen die regionalen Unternehmen und Organisationen gleichzeitig unterstützt werden. Zu Beginn des Semesters werden die Studenten den einzelnen Projekten zugelost. "Vorschläge werden von Unternehmen oder den Studenten eingereicht", erklärt Zagel. Das Ziel sei, den Studenten so viel Freiraum wie möglich zu geben. Im vergangenen Semester habe es beispielsweise Projekte zur Bienenrettung und zur Vermarktung der Coburger Jazz-Nacht gegeben.

Die Projektgruppen setzen sich aus sechs bis zehn Personen zusammen. "Unter den Studenten sind sowohl 22-jährige Bachelorabsolventen als auch 68 Jahre alte Rentner, der Großteil stammt aus der Region."

Ursprünglich sollten Unternehmen die Möglichkeit bekommen, ihre Mitarbeiter zur Weiterbildung zu schicken. "Über das Internet und weil der Studiengang in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen wird, ist die Anziehungskraft größer als gedacht", berichtet Zagel.

Für die Ausstellung der Projektarbeiten des Masterstudiengangs wurde mit der Kühlenzpassage erstmals ein Ort in der Innenstadt ausgewählt: "Die Sichtbarkeit und Wahrnehmung des Angebots bei der Bevölkerung soll gestärkt werden", meint Hans Rebhan. Wer Samstagvormittag in der Stadt unterwegs ist, nimmt sich vielleicht die Zeit, sich die Projekte der Studenten anzusehen, sagt der Vorstandssprecher des Innovations-Zentrums Region Kronach (IZK) weiter. Zagel hofft, dass viele Studieninteressierte und Unternehmen zu der Präsentation kommen.Dass der Studiengang in Kronach angesiedelt wurde, sei vor allem der Wirtschaftsstärke der Region zu verdanken. "Die Unternehmen sind breit aufgestellt", sagt Rebhan, so würden die Chancen zur Vernetzung untereinander steigen. "Die Studenten kommen aus ganz Deutschland und aus den unterschiedlichsten Branchen", berichtet Rebhan. Die einzige Voraussetzung zur Einschreibung ist ein abgeschlossenes Erststudium.

Durch die Zusammenarbeit der Studenten sollen neue Sichtweisen entstehen. "Das Ziel ist es, den Blickwinkel bezüglich bestehender Themen und Probleme zu verändern", sagt Rebhan. Der entscheidende Vorteil seien dabei die unterschiedlichen Voraussetzungen, die die Studenten mitbringen.